Samstag, 23. September 2017
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1-€ Wohnungspolitik in Berlin

Wohnungspolitik Berlin

/// Kommentar /// – Die Wohnungspolitik in Berlin ist die große Herausforderung für die Kommunalpolitik der Metropole Berlin. Der im Amt des Senators für Stadtentwicklung und Umwelt eingesetzte „Wohnungsbausenator“ Andreas Geisel (SPD) rudert mächtig mit seinem Zeigefinger herum – und droht doch ein ebenso schwacher Dirigent der Stadtentwicklungspolitik der Metropole zu bleiben, wie Amtsvorgänger Michael Müller (SPD).

Wohnungspolitik Berlin
Wohnungspolitik Berlin: „Aus dem verkrusteten Schlagschatten des alten Kapitals heraustreten!“

Nicht nur Fachkenntnisse fehlen, die könnte man leicht nachrüsten – sondern Vorstellungskraft, was möglich ist! Es fehlt beiden „politischen Dirigenten“ die Partitur, um die Stadt über das „Verwalten“ und „Reagieren“ hinaus zu „entwickeln“, zu „regieren“ und eine „soziale Stadt“ in eine gestaltbare Zukunft zu führen.

Ein grundlegendes Dilemma behindert beide: sie haben bis heute nicht begriffen: Stadtentwicklung bedeutet eine „smarte und hochintelligente Orchestrierung“ öffentlicher, privater, sozialer UND unternehmerischer Entwicklungsperspektiven und Interessen.

Beide denken zuerst in sozialdemokratischen Denkmustern, und danach in politischen Kategorien: „wie ist die nächte Wahl 2016 zu gewinnen?“ – Das aber setzt fatale und für die Stadt viel zu kurzfristige Ziele und spurt die Metropole in neue „etatistische“ Politik- und Förderstrategien ein, ohne zuvor grundlegene Fragen zu beantworten und etwaige epochale Denkfehler zu beseitigen.

Der Kardinalfehler der Berliner Politik: Politik agiert nur noch als Torwächter für Großinvestoren, für landeseigene Gesellschaften und lässt die Interessen von Eigen- und Sparkapitalbesitzern, Selbstnutzern, Geringverdienern und der jungen Generation im Stich!

„Die Stadt wächst – wir brauchen bezahlbare Wohnungen“

Die Frage, was soziale, was bezahlbare Mieten sind, ist schon falsch gestellt, weil Mietwohnen auf lange Sicht die teuerste Wohnform ist. Prekäre Arbeit, prekäre Löhne und hohe Arbeitslosigkeit und eine wachsende Armut im Alter setzen eine ganz einfache und grundlegende Mathematik in Gang: „Einnahmen aus Arbeitsbiographien decken nicht mehr die lebenslangen Wohnkosten der Geringverdiener.“

Damit entstehen ganz grundlegende volkswirtschaftliche Probleme, weil rund 30% der Wohnbevölkerung dauerhaft auf staatliche Hilfen zum Wohn- und Lebensunterhalt angewiesen bleiben. Das politische Wort vom „bezahlbaren Wohnen“ verdeckt eine grausame volkswirtschaftliche Mathematik, und bringt Mieter UND Politik in einen unendlichen, unauflösbaren Regreß.

Die Sozialdemokratie findet bisher nur „weiße Salbe“ als Lösung, und wagt sich an diese Grundsatzfragen längst nicht mehr heran!

Die Aussage „Sozialmieter“ sollten nicht mehr als 30% des Nettoeinkommens für Miete zahlen, ist unrealistisch, weil viele Rentner mit 800-900 € Nettoeinkommen heute schon längst viel mehr zahlen, um nur im Kiez zu bleiben. Dafür wird dann wochentags die Tafel besucht, und es wird am Essen und an Lebenshaltungskosten gespart.

Die Antwort kann nicht sein, die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften weiter und neu zu verschulden – damit sie mit dem Geld bestehende kostengünstige Wohnungen „energetisch sanieren“, um auf KfW-Kreditbasis Wohnen so zu verteuern, das auch die implizite Verschuldung des Steuerzahlers immer weiter steigt.

Bereits heute fördert Berlin indirekt den Wohnungsbau für mehr als ein Fünftel der Berliner mit Wohngeld und Grundsicherung. Es sind hohe jährliche zweistellige Millionenbeträge, die als „Mietpreisgarantie“ und „Investorenabsicherung“ in den Wohnungsbau fliessen – dabei starke Preissignale setzen. Die landeseigenen Wohnungsgesellschaften nutzen dies, um ihre Altschulden abzutragen, und haben die Garantien der Grundsicherung längst für die Erhöhung des Mietpreisniveaus genutzt – zu Dauerlasten für den Steuerzahler.

Es sind auch sichere Zuwendungen für private und öffentliche Vermieter, die beim Neubau sogar den Charakter einer staatlichen Bürgschaft haben, bezifferbar auf etwa 60-64.000 € in fünfzehn Jahren pro Einpersonenhaushalt.

Falsche Wohnungspolitik führt in den unendlichen Regreß

Finanzpolitisch bedeutet ein immer weiter subventionierter Wohnungsbau einen unendlichen Regreß für die Stadt, dem immer nur neue Ausgaben und Zuwendungen und pflichtige Sozialausgaben folgen müssen. Ein finanzpolitischer Teufelskreis mit nachfolgenden „Schweinezyklen“ der Wohnungsnot, die durch staatliche Intervention immer höhere Mieten und Subventionen nachfordern.

Ein nie endendes „No-Win-Rennen“ für die Metropole und ihre Bewohner – das durch immerwährende staatliche Programme in Gang gehalten werden muß. Bei 85% Mietwohnungsanteil, struktureller Einkommensschwäche und hoher kreativwirtschaftlicher Binnenkonkurrenz kann strukturelle Wohnungsnot nur durch eine neue Gesamtsteuerung überwunden werden.

Eine Gesamtsteuerung, die auch lokale Arbeit, Beschäftigung und Wachstum fördern sollte – und dafür Raum, Wohnen und nachhaltige Bedingungen bieten sollte.

Wohnungspolitik in Berlin
Neubau Paragon Appartments in Prenzlauer Berg

Bewußtseinswandel durch eine Idee: 1-€ Wohnungspolitik in Berlin

Um die Zukunft der Stadt Berlin neu zu denken, muß ganz neu über die Entwicklung der Gesamtstadt nachgedacht werden. Es ist eine Aufgabe, die das Denken eines „gelernten Druckers“ und eines „gelernten Betriebswirtes“ übersteigt. Es ist eine Aufgabe, die auch eine sozialdemokratische und christdemokratische Partei, jede Partei grundlegend überfordern muß, weil sie in Ideologien und verkrusteten Strukturen denken, dazu manchen klandestinen Lobbys hörig sind.

Die Stadtentwicklung einer „smarten und sozialen Metropole“ muß in Dekaden, statt in Legislaturperioden geplant werden. Berlin braucht ein Langfristkonzept, das über die lenkenden und bewahrenden Strukturen und Aufgaben der räumlichen Planung hinaus, neue Entwicklungsziele und „Stadtfunktionen“ entwickeln muß, und dazu eine stetige und schrittweise Neujustierung ermöglicht.

Dieses Langfrist-Konzept muss bestehende Potentiale und Ressourcen der Stadt erkennen, bewerten und mobilisieren können – und zugleich die wichtigste Zukunfts-Ressource der Metropole beteiligen: die Köpfe und Herzen der Stadtbewohner, Gäste und Touristen, die diese Stadt lebendig und bewohnbar und lebenswert machen.

Wohnungspolitik für 1-€ – 10 Schritte

Die Grundidee ist einfach: was würde eine Regierung machen, wenn sie kein Geld – oder nur über überschaubare Mittel verfügt? Wie kann man mit Maßnahmen, die mehr Geld sparen und mehr Werte schaffen, trotzdem Wohnungspolitik machen? Wie kann man dabei eine Metropole auf Wachstumskurs bringen? Und auf „Inspirationskurs“?

1. Einrichtung bzw. Belebung eines unabhängigen „Rat für Stadtentwicklung“
Der bestehende Rat für Stadtentwicklung ist von einer Kammerorganisation der Bauplaner in eine „smartes Beratungsgremium“ der Stadtentwicklungspolitik zu verwandeln.
Dessen Aufgabe: Empfehlungen für Einsparungen und Investitionen erarbeiten, prüfen und begutachten und in Jahresgutachten veröffentlichen. Der Rat soll eine Langfriststrategie über die Flächennutzungsplanung hinaus erarbeiten, und sinnvolle Planungen und Investitionen vorbereiten. Dazu gehört eine Neuausrichtung der Stadtentwicklung auf den Großflughafen BER und eine Stadt-Umland-Kooperation in der Stadtentwicklung. Der Rat für Stadtentwicklung soll zugleich „Politikkonjunkturen“ und Politikmängel erkennen, und den neuen Aufbau von „Schweinezyklen“ vermeiden helfen. Stattdessen: Verstetigung der Stadtprozesse, und schnelle und schritt- und projektweise Anpassungen begleiten.
Ziel: 1-€ Kostenbelastung für den Haushalt, die Kosten des Rates für Stadtentwicklung müssen mindestens erwirtschaftet werden.

2. Einrichtung eines intergenerativen Landes-Bauspar-Fond
Ein Sparfond mit garantierter Verzinsung und Einlagesicherung soll eigenkapitalfinanzierte Investitionen in den Wohnungs- und Gewerbeneubau für Selbstnutzer, Genossenschaftsmitglieder und Sozialmieter anstossen. Anreiz: Einzahlungen in den Landes-Baupar-Fond können mit der Wohnungsbau-Prämie des Bundes (WoP) gekoppelt werden. Der Landes-Bauspar-Fond soll sichere Anlagemöglichkeiten für Sparkapital im Wohhnungsbau mit sozialer und kultureller Zweckbindung schaffen, und Spargelder für wohnungswirtschaftliche Zwecke aktivieren. Zwecke sind, Neubau für Senioren, Ausbau barrierefreies Wohnen, Fahrstühle bauen, Neubau für Familien und soziales Wohnen. Kostenziel: Einnahmen, Spargeldeinlagen und Inbestitionen und Ausgaben bei 1 €/Jahr austarieren. Lokales Sparkapital stärkt lokale Arbeit und Wertschöpfung und ist konjunkturstabil.

3. Revolvierender Bürgschaftsfonds für Kreditabsicherungen im Wohnungsbau
Ein Bürgschaftsfond des Landes soll eigenkapitalschwachen und vor allem älteren Menschen die Sorgen und Zwänge abnehmen, wenn sie wohnungswirtschaftlichen Veränderungsbedarf haben. Der Umzug in eine kleinere Wohnung oder Immobilie, der Wechsel von Eigentum auf Miete und Mietkauf und die Zwischenfinanzierung bis zum wirksamen Verkauf der Altimmobilie müssen durch ein „Bürgschaftsinstrument“ abgesichert werden, weil Banken wegen der BASEL II/III Richtlinien für derartige Geschäfte nicht mehr der geeignete Ansprechpartner sind. Der Bürgschaftsfond kann sich aus Gebühren und Zinsen refinanzieren. Ein Freizieher-Programm für Eigentumsimmobilien bringt Ältere in soziale Wohnformen für das Alter – gleichzeitig wird Wohnraum und Baugrund für Jüngere mobilisiert. Kostenziel: 1 € in der Bilanzierung von Kosten und Einnahmen, Reduzierung von Pflegekosten.

4. Gründer-, Service- und Ausbildungzentrum neues Wohnen (GSANW)
Die Neugründung und Finanzierung neuer Bau- und Wohnformen, die Gründung von Bauvereinen, Baugenossenschaften und Baugruppen und die Auflage sozialer Wohnprojekte sollen in einem „Gründer-, Service- und Ausbildungzentrum neues Wohnen“ vorangetrieben werden. Das Gründer-, Service- und Ausbildungzentrum neues Wohnen soll durch informelle Zusammenarbeit von Kompetenzträgern (Banken, Genossenschaften, Bau- und Wohnungswirtschaft und kommunale Verbände) begründet werden. Nach einem Startkredit soll sich das GSANW durch Eigenanteile, Gebühren und Dienstleistungen selbst finanzieren und Neugründungen begleiten.
Die Ausbildung von Genossenschafts-Managern und Projektmanagern für Sozial- und Kulturimmobilien u.a. ist ein Ziel der GSANW.
Kostenziel: 1 € in der Bilanzierung von Kosten und Einnahmen. Zugleich: Wachstumsbranche für EU-Kooperationen, das es in ganz Europa einen gleichartigen Mangel gibt, Ideen, Kapital & Raum intelligent zu organisieren.
Das GSANW soll Geschäfte zwischen der alten Generation und der jungen generation neu in Gang bringen: die Alten können Kapital für den Erlebensfall einsetzen, die Jungen finden Arbeit und finanzieren neues soziales Wohnen zu angemessenen Kosten.

3. Stiftung soziales Wohnen, kreatives Arbeiten und Leben in der Metropole
Eine unabhängige Stiftung soll als Träger, Investor und Zwischenmieter für „soziales Wohnen, kreatives Arbeiten und Leben in der Metropole“ überall dort eintreten, wo im Sinne der Daseinsvorsorge direkte und unmittelbare wohnungswirtschaftliche Zwecke, Gemeinschafts- und Sozialräume und Räume zum kreativen Arbeiten gemeinschaftlich genutzt und gesichert werden müssen.
Die Stiftung sollte in der Lage sein, Atelierwohnungen und Künstlerwohnungen zu bauen, aber auch Sozialwohnungen und geschützte Wohnformen, die in Zusammenarbeit mit bewährten Sozialträgern betrieben werden. Dabei wird insbesondere dem Umstand Rechnung getragen, dass auch anerkannte Sozialträger unter Preisdruck und Kündigungsdruck einstmals geförderte Wohnungen räumen mussten.
Die Stiftung sollte sich aus Umlagen und Zustiftungen finanzieren und durch Übertragung nicht genutzter Grundstücke des Landes Berlin, sowie durch Ausgleichsabgaben von Investoren im Wege des Planungswertausgleich finanziert werden. Die Stiftung soll vor allem gemischte Wohnformen fördern, um Seggregation zu bremsen, und Inklusion zu fördern. Außerdem werden Modelle der Assistenzpflege Arbeit für Kreative und wohnungsnahe Pflegedienste schaffen.
Bilanz: 1 € – ohne Zuschußbedarf nach Erstübertragung von Liegenschaften.

4. Entschuldung und Umstrukturierun landeseigener Wohnungsbaugesellschaften
Die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sollten in ihren Satzungen umprofiliert werden, und künftig als Städtebau- und Wohnungsgesellschaften mit Zukunfts-Aufgaben in den Bereichen, Wohnen, soziale und kreative Stadt, Arbeiten, Kultur und Gewerbe und Zukunftsstadt beauftragt werden.

Die Entschuldung der Gesellschaften soll durch Vermögensübertragung landeseigener Grundstücke und Bewirtschaftung von Grundstücken des Sondervermögens erfolgen. Ferner sollen Kapitalmarktkredite durch Spareinlagen aus dem intergenerativen Landes-Bauspar-Fond abgelöst werden. Finanzpolitisches Ziel: Zinserträge sollen für Wohnzwecke der Daseinsvorsorge und für persönliche Daseinsvorsorge der Sparer ausgeschüttet werden. Die Reorganisation soll im laufenden Geschäft erfolgen. Kostenziel: Ausgleich von Ausgaben und Einnahmen und Wertstellungen. Gleichzeitig soll die Einnahmesituation verbessert werden (siehe 5,6). Zinsverbilligungen und 1 € Jahresdefizit sind als Ziel zu setzen – oder besser.

5. Finanzwirtschaftliche Auflage für landeseigene Wohnungsbaugesellschaften
Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften bekommen zusätzlich zur Geschäftsbilanz finanzpolitische Auflagen, die eine volkswirtschaftliche Bilanzierung ihrer gesamten Tätigkeit vorschreiben. Demnach sind die Gesellschaften unter die Governance-Auflage zu stellen, Eigenkapital in der Stadt zu mehren, die Fremdkapitalaufnahme auf dem (globalen) Kapitalmarkt zu limitieren und die implizite Verschuldung der Stadt auf keinem Fall mehr zu erhöhen.
Ein Minimierungsgebot soll die expansive Nutzung von Mitteln aus staatlicher Grundsicherung und Wohngeld bremsen, weil sie preistreibend für den gesamten Mietwohnungsmarkt sind.
Operativ können die Gesellschaften als Vermieter durch Senkung von Kosten der Jugendhilfe, der Pflege und Kosten kommunaler Infrastruktur die volkswirtschaftliche Bilanz der Stadt verbessern – und gleichzeitig handlungsfähig bleiben. Arbeitmarkteffekte der Geschäftstätigkeit sind mit auf der Haben-Seite zu bilanzieren. Kostenziel: besser als 1-€ Defizit im Jahr für die Volkswirtschaft der Gesamtstadt. Priorität: Kosten der Heimunterbringung von Jugendlichen substituieren, Kosten kommunaler Infrastrukturen und freier Träger minimieren. Gesenkte Zuschüsse für Kosten der Grundsicherung auf der Haben-Seite anrechnen.

Wohnhausgruppe 908 - Eichhorster Weg
Märkisches Viertel bei Nacht – Wohnhausgruppe 908 – Eichhorster Weg – Foto: GESOBAU AG

6.Strukturierung und Profilierung der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften
Die landeseigenen Gesellschaften gliedern ihre Geschäfte künftig in „Portfolios“, die „freier Wettbewerbsmarkt“, „Stadt- und Wirtschaftsentwicklung“, „mittelständischer Markt“, „soziale Stadt und soziale Daseinsvorsorge“ heißen.
Durch operative Gliederung und gesetzlichen Auftrag sind besondere Bestands-Portfolios für Aufgaben der Daseinsvorsorge, Grundsicherung, Grundsicherung im Alter und im Bereich kleinen und mittelständischen Gewerbe, Kunst & Kreativwirtschaft zu bilden.Die Portfolios sind nach wirtschaftlichen und sozialen Marktregeln zu differenzieren.

Gleichzeitig sind ausgewählte Immobilien jährlich zu Verkaufen. Der Verkauf und Handel mit Immobilien ist ausschließlich nach Konzeptverfahren zu gestalten. Dabei sind Eigentumserwerb und Eigentumsformen für Selbstnutzer, Gründer und gemeinschaftliche Eigentumsformen (Genossenschaft, gGmbH, GmbH, AG u.a.) verpflichtend anzustreben, um einen Neuaufwuchs bodenständiger Unternehmungen und Wohnformen zu gewährleisten.
Die Datenverarbeitung von Verwaltung und Steuerung von sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sollte vereinheitlicht werden. Planende und entwickelnde Abteilungen und das Management sind auf stadträumliche Schwerpunkte und Wohnen und Arbeiten und Branchen auszurichten. Im Gewerbe sind Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft und Digitalwirtschaft, einschließlich Maker-Industry besonders zu fördern (intelligente Kleinindustrie 4.0 und Robotik-Mensch-Kooperation 5.0). Die Stadt muß sich auf einen Boom der Maker-Índustrie vorbereiten, die Lofts- und Gewerbeetagen nachfragt. Die Aktivitäten im Bereich Gewerbe ermöglichen Einnahme-Verbesserungen und gezielten Schuldenabbau. Bilanzziel: 1 € – oder viel, viel besser!

7. EU-Kofinanzierungs-Center für multilaterale Projekte & Startups
Finanzmittel für den Wohnungsbau sollten nicht einfach und direkt in Berlin verbaut werden. Stattdessen sollten die Mittel in „volkswirtschaftliche Investitions-Kaskaden“ gelenkt werden, die gesamteuropäisches Wachstum zum Ziel haben. Beispiel: ein Atelierhaus für 5 Mio. € in Berlin könnte auch im Wege einer EU-weiten Kooperation entstehen, und mit EU-Kofinanzierungsmitteln in 5 europäischen Städten multipliziert werden, sodass insgesamt 6 Atelierhäuser entstehen. Auch sind Atelierhäuser nicht nur Gebäudehüllen, sondern können Träger von Innovationen sein, und Multiplikatoren für intelligente Technologien, die wiederum in einem der Betriebe der neuen Maker-Industry 4.0 und 5.0 in Berlin hergestellt werden. Die konsequente Europäisierung der Invstitionsmittel in Public- und Public-Private-Projekten würde beachtliche Multiplikatoreffekte auslösen – ein Weg auch, um Europa aus der Erstarrung zu lösen! Das Instrument des EU-Kofinanzierungs-Center für multilaterale Projekte & Startups kann auf alle Branchen und Investitionsförderprogramme ausgerichtet werden.
Wichtig dabei: die Wohnen & Arbeiten verbinden, Werkswohnungsbau und transitorische Wohnnutzungen (Hostel, Gastwohnung, Boardinghouse, Gemeinschaftswohnen, Coworking, Co-Housing, Artist in Residence, Flüchtlinge u.a.) mit Unternehmen und Investoren finanzieren & betreiben. Bilanzziel: 1 € – oder viel, viel besser!

8. Wohnungsprogramm „Zusammenziehen“
Das Zusammenziehen von Menschen muß erleichtert werden, zumal wenn sie Wohngeld- und Grundsicherungsempfänger sind. Zudem sollte das Zusammenziehen von Patchwork-Familien mit Kindern durch Bereitstellung neuer Familienwohnungen ermöglicht werden. Ein Programm, das Frauen und Kindern eine aufbauende Perspektive gibt.
Maßnahmen: Halbtteilung der Wohnkosten als Wohngemeinschaft ermöglichen – ohne dass Lebens- und Bedarfsgemeinschaft unterstellt wird. Für jedes Kind eine „Ansparkomponente“ von 80€ pro Lebensjahr anrechnungsfrei belassen, damit eine jährliche Wohnungsbauprämie (WoP) auf gesichertes Sparkonto zugezahlt wird, die für den Erwerb von Genossenschaftsanteilen nutztbar ist.
Die WoP sollte so auch an Kinder in Hartz4-Haushalten gezahlt werden, damit sie ab dem 18.Lebensjahr über Genossenschaftsanteile verfügen und nicht auf Marktmieten angewiesen sind. Bilanz: jede freigezogene Wohnung spart Baukosten. Bei Aufstockern sollte zeitnah das Wohngeld eingesetzt werden, das aus dem Bundeshaushalt kommt, und den Sozialetat entlastet.
Bilanz: 1 € – oder viel, viel besser!

Rundgang über das Baugelände "Pankower Tor"
Rundgang über das Baugelände „Pankower Tor“

9. Planungswertausgleich und Ausgleichsabgaben
Bei neuen Bebauungsplänen sind Planungswertausgleich und Ausgleichsabgaben auch auf Zwecke von Kultur, Kunst und Kunst am Bau und Umwelt anzuwenden. Bevor Mittel für staatliche Infrastruktur, Sozialbindungen und deren Finanzierung verhandelt werden, sind freiwillige Leistungen zu verhandeln. Angestrebt wird ein Anteil von 2,3% von Netto-Baukosten für Kunst & Kultur am und im Bau. Mindestens 2,3% des Mietenbudgets sind für kulturelle Zwecke zu sichern, durch Quersubventionierung im Projekt und Freiräume. Zur Leerstandsvermeidung sind Zwischennutzungsverträge zuzulassen.
Die Praxis, dass Sozialstadträte nur Schulen und Kitas aushandeln, die Investoren-Budgets damit ausreizen und so eigentlich staatliche Pflichtleistungen aus dem Planungswertausgleich finanzieren, ist einzustellen. Private freiwillige Aufgaben werden damit politisch diskriminiert, Vielfalt und Diversität von möglichen Ausgleichsfunktionen bei Baugenehmigungen werden damit unnötig verringert. Zudem wird die Starthilfe für kreative Arbeit und Kultur abgewürgt. Die Bilanz: die Sozialbilanz wird verbessert, mehr lokale Arbeit entsteht beim Neubau – 1 € – oder viel, viel besser!

10. Kostengünstiges Bauen und Zukunft-Innovationen über EU-Wettbewerbe steuern
Bauen, Wohnen, Wohnen und Arbeiten, kostengünstiges Wohnen und neue intergenerative und inklusive Wohnformen sind ein riesiges Innovationsfeld. Hier muß auch innovativen Akteuren Zugang zu Grundstücken eröffnet werden.

Entwurf, Planung und Konzeptverfahren sollten grundsätzlich über Wettbewerbe ausgeschrieben werden, damit Ideen und Konzepte sich gegen die Macht des großen und alten Kapitals behaupten können. Eine EU-weite Ausschreibungs-Kooperation mit Partnerstädten und Hauptstädten sollte aufgebaut werden. Sparen im Wohnungsgrundriß, Gemeinschaftswohnen, Pflegeassistenzmodelle und CO2-Minimierung sowie Smart-City-Funktionen und Share-Economy bieten ein Feld von Anwendungs- und Arbeitsmöglichkeiten, die auch Beschäftigung, Export und multilaterale EU-Binnenmarktkooperation fördern helfen.
Indem mehr Eigennutzer und Eigenkapital mobilisiert werden, entfällt das Profit-Interesse der großen Bauträger. Mehr Selbstorganisation, mehr lokale Arbeit und geringere nachhaltige Kosten sollen das Modell finanzieren – bei mehr lokalen Arbeitsmarkteffekten. Selbstnutzer, innovative Wohnformen und Sozialquoten schaffen eine kostengünstigere und soziale Wohnungswirtschaft als „compassionate neighborhood“.
Bilanz: Eingesetzte Bau- und Fördermittel besser nutzen und intelligent und nachhaltig sparen: 1 € – oder viel, viel besser!

Sozial-Liberale Ideen
Die Partei der Ideen startet 2015 – welche Parteien & Köpfe machen mit?

Nachbemerkung:

Die Vorschläge für eine 1-€ Wohnungspolitik sollen wieder die Kräfte der sozialen Marktwirtschaft in Berlin freischaufeln, und die Stadt aus dem Schlagschatten des alten und verkrusteten Kapitals heraustreten lassen!

Zukunft braucht Ideen, Bewegung und Wandel – und die intelligente aller zur Verfügung stehenden Kraftquellen und Ressourcen! Hinter den 1-€ Ideen stehen jeweils Konzepte, die mehr Werte und mehr lokale Wertschöpfung erzeugen. Es lohnt daher, über den einen symbolischen Euro hinaus in die Finanzausstattung der Ideen und Vorschläge zu investieren.

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