Montag, 11. Dezember 2017
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100 Jahre Hoffnungskirche

Turmspitze der Hoffnungskirche - festlich geschmückt

Am12. September 1913 wurde die Hoffnungskirche als zweite Kirche der Pankower Gemeinde eingeweiht – in diesem Jahr wird daher das 100-jährige Jubiläum begangen. In der Zeit vom 1.-22. September 2013 feiert die Gemeinde in mehreren Festwochen mit einem bunten Programm aus Konzerten, historischen Beiträgen und anderen Veranstaltungen.

Turmspitze der Hoffnungskirche - festlich geschmückt
Turmspitze der Hoffnungskirche - festlich geschmückt

Die Eröffnung fand mit einem Festgottesdienst mit Bischof Dr. Markus Dröge und anschließendem Gemeindefest statt. Bischof Dröge erinnerte in seiner Festpredigt, an die Geschichte und wies einen Weg zum Frieden: „Hoffnung braucht Träume und Visionen.“

Aus Anlass des Jubiläums wurde auch eine von einer Gruppe Ehrenamtlicher erarbeitete Gemeindechronik und eine Festschrift von Pfarrer Dr. Ulrich Kappes zur Kunst des Jugendstils am Beispiel der Hoffnungskirche herausgegeben.

Baugeschichte

Das Kirchengebäude entstand nach Entwürfen des Berliner Architekten Walter Koeppen im Jugendstil. Die künstlerische Ausgestaltung wurde dem Maler Franz Markau und dem Bildhauer Hans Schmidt übertragen, die Orgel baute die bekannte Firma W. Sauer.

Der Grundriss der Kirche hat die Form eines gleichseitigen Kreuzes. Auf diese Weise entsteht innen ein Kuppelraum. Er bildet künstlerisch den Weltraum ab, der die Gemeinde vereint und zusammenschließt. So entsteht besonders bei gut besuchten Gottesdiensten ein besonderes Gefühl der Verbundenheit untereinander.

Im Inneren besteht eine unverwechselbare Formensprache und Farbgebung. Die Eingänge haben grelle Farben – der wichtigste ist in violett gehalten. Dazu kontrastieren die Mondlichtfarben; im Kircheninneren: rosé, fliederfarben, stuckfarben, lichtgrau. Diese wiederum stehen in einem farblichen Dialog mit schwarzen Vertikalen, in denen sich kunstvolle Grisaille-Malereien befinden und der königsblauen Altarwand mit einem Sternenhimmel.

Hoffnungskirche Kuppelraum
Hoffnungskirche Kuppelraum

Das wichtige Motiv des Jugendstils, die alles beherrschende Frau, erscheint sakral abgewandelt in vielen Engelsgestalten der Kirche wieder. Außen befinden sich zwei Portalengel, die den segnenden Christus umrahmen und aus Sandstein gefertigt; auch innen sind Engel aus Stein gestaltet. Die meisten der insgesamt 36 Engel sind allerdings in zum Teil sehr aufwändigen Techniken gemalt.

Die Gestaltung des Turms lehnt sich an die Garnisonkirche in Potsdam an. Der Putzbau sollte sich nachdrücklich von den damals herkömmlichen neugotischen Backsteinkirchen in Berlin unterscheiden. Von außen treten die Merkmale des Jugendstils erst nach eingehender Betrachtung zu Tage: die dominierende Senkrechte des Turmes, die pagodenförmige Dachkonstruktion an der Süd- und Nordseite, die Säulenimitate zwischen den Fenstern und die von starker Bewegung geprägten Figurengruppen auf der Attika des Hauptportals. Ebenso lassen sich aber auch Elemente des Barock und des Zopfstils ausmachen.

In der Anfangszeit stand die Kirche inmitten von Wiesen und Feldern und sollte Zentrum eines neuen Gemeindegebietes werden. Denn das südliche Pankow war noch weitgehend unbebaut. Verschiedene Siedlungsbauten waren geplant, doch mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges kamen diese zunächst nicht zustande.
Bis zum Jahr 1955 war die Hoffnungskirchengemeinde nicht eigenständig, sondern bildete mit Alt-Pankow und dem Lutherhaus eine große Pankower Gemeinde.

Die Hoffnungskirche selbst veränderte mehrmals ihr Erscheinungsbild: in den sechziger Jahren wurden alle Jugendstil-Elemente und Malereien radikal entfernt und der Innenraum dem Zeitgeschmack angepasst. Durch bauliche Schäden konnte der Gottesdienstraum in den siebziger Jahren zeitweise nicht benutzt werden.

Erst in den achtziger Jahren wurden die Schäden unter großen Anstrengungen beseitigt und der originale Zustand mit der künstlerischen Ausgestaltung im Jugendstil weitgehend wiederhergestellt.

Kirchenkampf gegen die Nationalsozialisten

Zwischen 1933 und 1945 war die Pankower Gemeinde in den Kirchenkampf verstrickt – alle Pfarrer und mehr als zweitausend Gemeindeglieder waren Mitglieder der „Bekennenden Kirche“, die sich gegen die nationalsozialistische Gruppierung der „Deutschen Christen“ und die staatliche Gleichschaltung der Nazis stellte.

Einer der ersten Pfarrer der Hoffnungskirche war Rudolf Jungklaus, der in Pankow die zweitgrößte Widerstandsgemeinde während der Zeit des Nationalsozialismus leitete. In Anlehnung an die Gemeinde der Bekennenden Kirche von Pastor Martin Niemöller in Dahlem hat sich für Pankow in der Kirchengeschichtsschreibung „das Dahlem des Nordens“ (Prolingheuer) eingebürgert.

Die Hoffnungskirchengemeinde will diese Tradition der Bekennenden Kirche auch heute noch weiter bewahren.

Auch in der DDR-Zeit mussten sich Pfarrer und Gemeinde gegen staatliche Repressionen behaupten. Die Bemühungen der Staatsicherheit richten sich auch gegen die aufkeimende Jugendkultur – und die Hoffungskirchengemeinde stand unter Beobachtung.

Bekannt wurde die Hoffnungskirche kurz vor der Wende, als die Staatsicherheit eine geheime Abschöpfung auswertete und beunruhigende Informationen zugespielt bekam – diesmal sogar rechtzeitig mit immerhin einem Tag Vorlauf: „Inoffiziell wurde durch Abschöpfung bekannt, dass am 9. April 1988 von 14 bis 19 Uhr in der Pankower Kirche, Kissingenstraße, die Rockgruppe ,Tote Hosen‘ aus Berlin (West) auftreten soll.“

„Die Abwehrspezialisten vermuteten, dass die Bandmitglieder „über ein Touristik-Visum“ einreisen wollten. Der Auftritt sei als Freiluftveranstaltung im Hof der Kirche geplant. Mit gewissem Stolz vermeldeten die Stasi-Offiziere, was sie noch „erarbeitet“ hatten: Die meisten Instrumente und die unbedingt notwendige Verstärkeranlage werde von der Ost-Berliner Band Die Vision gestellt. WELT: Punk trifft Stasi – Wie die Toten Hosen die Stasi zum Deppen machten 11.06.2012.

Kurz vor der Wende fand in der Hoffnungskirche am 19.10.1989 ein Fürbittegottesdienst zur Freilassung der politischen Gefangenen statt. Nur wenige Tage später fiel die Mauer in der Bornholmer Strasse.

Hoffnungskirche prägt das Stadtbild in Pankow-Süd
Hoffnungskirche prägt das Stadtbild in Pankow-Süd

Die Hoffnungskirchengemeinde Berlin-Pankow ist heute eine evangelische Kirchengemeinde innerhalb der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Zur Hoffnungskirchengemeinde gehören etwa 3600 Gemeindeglieder, die im Bereich des alten Bezirks Pankow südlich des S-Bahnhofs Pankow wohnen. m/s

Mehr Informationen:

www.hoffnungskirche-pankow.de

Nächste Veranstaltungen und Ausklang der Festwochen:

Samstag, 21. September: 19:30 Klänge in Hoffnung – Georg Friedrich Händel:
„Der Messias“ – Auferstehung und Ewiges Leben

Sonntag, 22. September: 10:00 Familiengottesdienst zu Erntedank mit Taufen. Anschließend Familien- und Kita-Fest auf dem Gelände der Kindertagesstätte.

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m/s