Mittwoch, 16. August 2017
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12.7.2016 | „Gemeinsam(e) Geschichte erinnern?“

Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) - Zernak Colloquium

Schon in den 1970er Jahren wurden Stimmen laut, die das „Ende der Nationen“ verkündeten. Eine gemeinsame, europäische Erinnerung und transnationale Diskurse sollten die kollektiven Gedächtnisse der Nationen ersetzen. Heute berufen sich viele politische oder soziale Gruppierungen auf ihre vermeintlich nationalen Traditionen, um etwa gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu protestieren oder für einen Austritt aus der Europäischen Union zu stimmen. Erleben wir tatsächlich das Ende einer Illusion, das Ende der großen Utopie des Nachkriegseuropa?

Vielleicht aber müssen wir einfach unsere Herangehensweise an die nationale Problematik ändern? Vielleicht sollten wir uns vor einer Dekonstruktion nationaler Gedächtnisse auf europäischer Ebene zuerst mit den bilateralen Erinnerungen zweier Nachbarländer, beispielsweise der Deutschen und Polen auseinandersetzen?

Diese letzte Frage versuchten 117 Autorinnen und Autoren aus sechs europäischen Ländern in dem umfassenden, neunbändigen Werk Deutsch-Polnische Erinnerungsorte zu beantworten. Zum ersten Mal haben in über 100 Beiträgen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen die deutsche und polnische Erinnerungskultur einander gegenübergestellt. Auschwitz und die SS, Gdańsk und Danzig, die Schlacht bei Tannenberg, der 8. Mai 1945, Günter Grass, oder sogar Käfer, Maluch und Trabi sind konkrete Ereignisse, Gestalten und Orte, deren Konstruktionen in den Köpfen der Deutschen und Polen mit unterschiedlichen, manchmal widersprüchlichen Bedeutungen und Interpretationen belegt sind.

Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN)
Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Majakowskiring 47 | 13156 Berlin

Können solch konkurrierende Erinnerungskulturen nebeneinander bestehen? Brauchen und wollen wir überhaupt eine gemeinsame, europäische Erinnerung – oder führt gerade ein solches Postulat das Gefühl eines Verlusts der eigenen, nationalen Vergangenheit herbei?
Diesen und anderen Fragen möchten die Kunsthistorikerin Gabi Dolff-Bonekämper, der Historiker Hans Henning Hahn und die Kulturwissenschaftlerin Kornelia Kończal in einer von Marcin Piekoszewski geleiteten Diskussion nachgehen.

In den Abend einführen werden die renommierte Soziologin Barbara Szacka und der Historiker Robert Traba, Direktor des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften.
Die Veranstaltung Gemeinsam(e) Geschichte erinnern? Diskussion zur Zukunft der Erinnerungsforschung findet in deutscher und polnischer Sprache statt und wird simultan übersetzt.

12. Juli 2016 | 19:00 Uhr
Veranstaltung „Gemeinsam(e) Geschichte erinnern? Diskussion zur Zukunft der Erinnerungsforschung“
Wie nationale Geschichten erinnern?

Zentrum für Historische Forschung Berlin (PAN) | Majakowskiring 47 | 13156 Berlin

Weitere Informationen:

Centrum Badań Historycznych Polskiej Akademii Nauk w Berlinie |
Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Majakowskiring 47 | 13156 Berlin | www.cbh.pan.pl

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a/m