Dienstag, 12. Dezember 2017
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170 Mio. € für Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

Friedrich Ludwig Jahn Stadion

Im Ausblick auf das Jahr 2016 werden wichtige Vorhaben in Pankow vorgestellt, die in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden müssen. Zu den wichtigsten Vorhaben im Bereich Sport gehört die Modernisierung und Weiterentwicklung des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks in Prenzlauer Berg. Die wichtigen Vorarbeiten in Form einer Konzeptstudie wurden bereits geleistet. Die Beratungsfirma SpOrtConcept aus Stuttgart hat in der Machbarkeitsstudie praktisch den gesamten Bestand auf den Prüfstand gestellt. Das Projekt wird von allen Parteien in Pankow getragen.

Friedrich Ludwig Jahn Stadion
Friedrich Ludwig Jahn Stadion

Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie war schon im Frühjahr 2015 bekannt: nur eine “grundlegende Modernisierung mit entsprechender Erweiterung bisher ungenutzter Flächen“ ist zielführend.

Ursprünglich sollte der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Rahmen der neuen Olympia-Bewerbung als ein wichtiger Standort ins Spiel gebracht werden und auch für die Paralympics als inlusiver Sportpark ausgelegt werden.

Olympia ist nun Geschichte, aber das insgesamt zukunftsweisende Konzept bleibt richtig – und soll realisiert werden.

Stand der Dinge und Ausblick

Im November hatte die CDU Pankow zu einem „Fachgespräch Sport“ am 19.11.2015 ins Haus der Fußballkulturen in der Cantianstraße eingeladen, um den aktuellen Stand des Projektes zu besprechen.

Für die CDU Pankow und vor allem dem Ortsverband Prenzlauer Berg ist das Thema Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark auf der Agenda ganz oben angesiedelt. Es ist nicht nur „Herzenssache“, sondern auch auf höchster Zuständigkeitsebene angebunden, stellt doch die CDU den Innen- und Sportsenator Frank Henkel und den zuständigen Staatssekretär Andreas Statzkowski, die sich beide vereint für das Vorhaben stark machen.

Ins Haus der Fußballkulturen waren auch wichtige Vertreter der örtlichen Vereine gekommen, die sich hier aus erster Hand informieren wollten.

Fachgespräch Sport am 19.11.2015
CDU Pankow: Fachgespräch Sport am 19.11.2015 im Haus der Fußballkulturen. Am Stehtisch: Stephan Lenz (MdA) und Staatssekretär Andreas Statzkowski

In einem einführenden Impulsvortrag stellte Staatssekretär Statzkowski die bisherigen Planungen vor und gab einen Ausblick über den bisher geplanten Umfang und mögliche Zeitachsen der Realisierung.

Das bisher vorgelegte Konzept sieht vor, den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark als Sportstätte von gesamtstädtischer Bedeutung zu modernisieren. Kernstück ist die Modernisierung des Stadions mit einer Sitzplatzkapzität von 20.000 Plätzen, was praktisch auf einen völligen Neubau hinausläuft, mit einem Kostenumfang von geschätzten rund 90 Mio. €.

Entsprechend den Anforderungen des Stadionhandbuchs des DFB wird das Stadion quasi um 180 Grad gedreht, so das Besucher auf der neuen Tribüne West künftig die Abendsonne im Rücken haben.

Inklusion wird groß geschrieben

Auch eine neue inklusive Sporthalle soll neu gebaut werden, wobei ein barrierefreies Parkhaus für bis zu 400 Stellplätze mit angebaut wird. Hierfür macht sich insbesondere Stefan Blauert, Bezirksverordneter und Vorsitzender im Ausschuss für Schule und Sport in Pankow stark, der sich auch Modellprojekte aus anderen Städten als Maßstab wünscht.

Insbesondere der Verein Pfeffersport e.V. unterstützt das Konzept für eine inklusive Sporthalle mit eigenen Anstrengungen. Auch das Engagement des größten Sponsors für die Paralympics, Prof. Näder mit der Ottobock-Gruppe sollte in der Gesamtlage gewürdigt werden, da hier künftig noch viele Impulse für den inklusiven Sport in Prenzlauer Berg gesetzt werden.

Überraschende Zahlen zu den Baukosten

Die ersten Kostenschätzungen vom Frühjahr 2015 von SpOrtConcept sind inzwischen auch von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt überprüft und verifiziert worden. Demnach ist mit realen Baukosten von ca. 170 Mio. € für die Realisierung des Gesamtkonzeptes zu rechnen. Das sind Mittel, die voraussichtlich erst im Doppelhaushalt 2018/2019 zur Verfügung stehen können.
Die überraschend hohen Zahlen sind jedoch nicht als „berlintypische Kostensteigerungen“ sondern eher als vollständige Aufrechnung zu verstehen, denn die geplanten Neu- und Umbauten benötigen auch erhebliche Erschließungskosten, deren Ermittlung nicht im Auftragsumfang von SpOrtConcept enthalten war. Insofern haben wir es also nun mit einem durchaus verläßlichen Kostenansatz zu tun.

Über die mögliche Bauzeiten und Fertistellungstermine gibt es aber noch keine konkreten Angabem.

Statzkowski wies aber darauf hin, dass für derartige Bausummen vorher entsprechende Bau-Pläne vorliegen müssen – sodass eigentlich höchste Eile für die Schaffung der Planungsvoraussetzungen und für die Finanzierung der Planer besteht, die möglichst noch im Jahr 2016 gesichert werden muß.

Überdies ist geplant, alle Baumaßnahmen weitgehend im laufenden Betrieb durchzuführen, und jeweils nacheinander auszuführen. Dies ist angesichts der Flächengröße auch ein realistisches Unterfangen. Selbst der große Stadionumbau kann in vier Phasen erfolgen, sodass ohne Ausfall einer kompletten Spielsaison umgebaut werden kann.

Bausteine des neuen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

Die wichtigsten Bausteine des neuen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sind::

Großes Stadion mit 20.000 Sitzplätzen
Standard: 2. Fußballbundesliga, nationale Meisterschaften der Leichtathletik, im American Football und im Behindertensport

2 weitere Kunstrasen-Großspielfelder
(Hockey / Fußball / Training American Football) – Insgesamt 4 Felder

Beachvolleyballanlage mit 3 weiteren Feldern
(auch für Beachsoccer/ Beachhandball) s Insgesamt 6 Felder

3 weitere Tennisfelder (wenn möglich überdacht, zur ganzjährigen Nutzung) – Insgesamt 8 Felder

Kleinspielfelder, Boulderwand, Fitness— Parcours, Laufareal
(auch zur Nutzung durch den informellen Sport und zur Einbindung der Nachbarschaft)

2 x 3- Feldhalle mit Kraftraum und Physiotherapieräumen
4x Gymnastikräume
3x Mehrzweckräume / Seminarräume

Verwaltungs- und Büroflächen (ca.: 2.300mz BGF)
SenlnnSport, Behinderten Sportverband, diverse Vereine

Gastronomie mit anmietbaren Räumen zur Nutzung durch Vereine

Parkhaus mind. 450 Stellplätze (Stellplätze für ca. 300 Telebusse bei Veranstaltungen des Behindertensports sind einzuplanen)
Sportfunktionsgebäude (Kll — bereits vorhanden)

kleines Stadion (bereits vorhanden)

KiTa als optionaler Baustein (4 Gruppen)

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (Planung)
Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (Planung) mit Tribüne West, gesamtüberdachung, Multifunktionsbau u.a. – Grafik: SpOrtConcept GmbH, Stuttgart

Umfassende Bürger- und Vereinsbeteiligung geplant

Der Sportpark soll künftig nicht nur Großveranstaltungen und Vereinen zur Verfügung stehen, sondern auch Freizeitsportlern zugänglich sein, was jedoch noch eine Überarbeitung der „Ausführungsvorschriften für die Benutzung von Sportanlagen“ erforderlich macht, um die Kostentragung zu regeln.

In jedem Fall ist eine umfassende Bürger- und Vereinsbeteiligung geplant. Auf Anregung der Vereine ist auch der Bau einer Kita geplant, denn Sportler müssen genau wie Berufstätige auch während der Trainingszeiten ihre Kinder sicher betreut wissen.

Schwachpunkt: Finanzierung des geplanten Konzeptes

Andreas Otto (MdA Bündnis 90/Grüne) war ebenfalls zu Gast, und verwies darauf, die erforderlichen Mittel könnten u.U. in Zukunft auch knapp werden und müssen erst politisch gesichert werden.
Seitens der CDU Pankow wird jedoch im Einvernehmen mit Staatssekretär Statzkowski die These vertreten, dass es sich um eine Gesamtmaßnahme mit einem einmal zu beschließenden Sanierungs- und Modernisierungkonzept handelt, das nicht unter Haushaltsvorbehalte gestellt werden darf.
In der Tat: die Nutzer und Vereine und der Sport benötigen Planungssicherheit – und sollen sich auch verläßlich engagieren können.

Schwachpunkt: Erschließung

Die Stuttgarter Beratungsfirma SpOrtConcept hat sich an die Vorgaben des Auftraggebers und auch an die Vorgaben der bisherigen Verkehrsgutachten gehalten, die eine Haupterschließung über die Bernauer-/Eberswalder Straße vorsehen.
Auf Nachfrage sagte auch Johannes Kraft, Fraktionsvorsitzender der Pankower CDU, der Sportpark sei ausreichend durch S- und U-Bahn und Tram erschlossen.
Doch angesichts der geplanten „gesamtstädtischen Bedeutung“ und der Ausrichtung auf regionale und überregionale Sportereignisse muß kritisiert werden, dass die Möglichkeit eines Fernbahn-Zugangs am Bahnhof Gesundbrunnen nicht genutzt wird.
Gerade bei einem „inklusiven Sportpark“ muss auch konsequent die „Kundensicht“ neben der „Betreibersicht“ unabhängig eingenommen werden. Allen politisch Verantwortlichen sollte hier einmal das Bürgerbeteiligungsinstrument der „Berollung“ der Zugangsmöglichkeiten zwischen Berliner Hauptbahnhof und Regional- und Fernbahnhof Gesundbrunnen nahegelegt werden: „Setzen Sie sich selbst mit Rollstuhl in einen Regionalzug, und versuchen Sie mit einer Begleitperson ins Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion zu gelangen! – Urteilen Sie danach selbst!“

Die Planer von SpOrt Concept haben selbst formuliert: „Um die gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen des Inklusions-und Behindertensports vollumfänglich zu erfüllen, muß eine umfangreiche Neuplanung und Neubauplanung in Gang gesetzt werden.“ – Dies gilt auch für die Erschließungen im umfassenden Sinne.

Die Deutsche Bahn AG hat übrigens selbst eine unverständlich distanzierte Haltung zu der Frage eines barrierefreien Zugangs zwischen dem Bahnhof Gesundbrunnen und dem Sportpark, der angesichts der Verluste im Bahnverkehr bedenklich ist (dies wird noch ein gesondertes Thema).

Angesichts überfüllter Straßenbahnen, die nur mit Mühe mehr als 4 Rollstuhlfahrer mitnehmen können und angesichts schwieriger Umsteigesituationen in den Bahnhöfen Schönhauser Allee und Eberswalder Straße sollte bei der Erschließung auch städtebaulich neu nachgedacht werden. Selbst nach Fertigstellung der Bebauung am Mauerpark ist das Thema noch städtebaulich konstruktiv auf Bahngelände lösbar.

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m/s