Sonntag, 17. Dezember 2017
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„Kulturkahn-Helene“

Kapaulkes
„Kulturkahn-Helene“

Kulturkahn Helene

Nicht weit vom Nikolaiviertel, dicht an der Fischerinsel liegt der „Museumshafen Berlin“. Hier versucht ein Dichter, Denker, Autor und Liedermacher aus Prenzlauer Berg die „Berliner Mundart“ auf kreative Weise zu retten: „Kulturkahn-Helene“ heißt die Bühne für Kleinkunst, Kabarett, Songwriter, „Pianöre“ und Liedermacher.

Kulturkahn Helene
Kapaulke zieht den Hut auf dem „Kulturkahn Helene“ am Märkischen Ufer

Nahe dem Märkischen Museums am Ufer der Spree, dort wor der Spreekanal abzweigt, liegen Schlepper, Fahrgastschiffe, der Dampfeisbrecher „Anna“, Fähren sowie Tonnenleger und Barkassen. Auch ein Saale-Maßkahn ist hier zu finden, gleich an der Kaimauer vertäut.

Kapaulke, Berliner Original aus Prenzlauer Berg, hat den Kahn im Sommer 2013 gepachtet, und ihn „Kulturkahn-Helene“ getauft. Mit einer Bühne, 99 Sitzplätzen und Sitzbänken ist ein Spielort entstanden, der in Eigenleistung und Dank vieler Freunde, Freundinnen und Helfer wieder etwas handwerklich-rustikalen Glanz bekommen hat.

Ein roter Kanonenofen gleich neben der Bar, sorgt auch für einen durchgehenden Winterbetrieb und behagliche Wärme im neuen Theaterschiff. „Chansons, Couplets, Moritate und Balladen“ steht auf Kapaulkes Visitenkarte.

Kapaulke – ein schillerndes Original

Um seinen Namen entfaltet Kapaulke heute einen kleinen Kult. Eigentlich wurde er unter einem ganz bürgerlichen Namen geboren:
R-G-E-P Lehmann, er wurde mit 3 Jahren zum „Ralf Stobbe“ ernannt, wie seine „Sedcard“ aufweist.

Sein Geburtsort ist so schillernd, wie das Wasser des Scharmützelsees:

„Nun ja, alles beginnt einmal und so wurde er durch eine seltsame Laune des Schicksals im April 1962 auf dem Fahrgastdampfer „Pieskow“, im Hoheitsgebiet Bad Saarow, in der ehemaligen DDR, geboren.“ Gezeugt wurde er aber in Berlin, dieses Faktum hat ihn wohl auch zu seiner Liebe zur Berliner Mundart zurückgeführt.

Sein Lebensweg schien ruhelos, er wuchs als unangepaßtes Kind bei seinen Großeltern auf. Seine Ausbildung verklärt er heute ein wenig. In seiner Biographie steht: „… teilweise autodidaktisch, musisch – technische Erziehung im Brandenburgischen Halbe, schwankte er, nach einer Lehre zum Schmied, in die Saiten seiner Gitarre und verhakte sich dort dauerhaft.“

Seine schillernde Künstlerkarriere als Liedermacher begann mit eigenen Kompositionen für die „Arbeiterfestspiele 1980“, und dazu als Mitglied der JAZZ ROCK COMBO „OKTOPUSSY“, die jedoch vom Wehrdienst bei der NVA unterbrochen wurde.

An der Förderklasse schreibender Arbeiter am „Literaturinstitut Johannes R. Becher“ in Leipzig strebte er 1982-1984 nach höherer Anerkennung. Doch das Studium wurde ihm wegen seiner protestantisch-unangepaßten Eigenheiten versagt. Er wurde freier Autor.

Als Dichter Georg de Paul ist einiges an Text und Gedichten bekannt, doch der große Erfolg blieb ihm immer wieder versagt. Zwischendurch arbeitete er quer durchs Land als Erzieher, Gleisbauer, Fleischfahrer, Hilfsarbeiter, Schlosser, Klubleiter, Komparse, Geschichtenerzähler – und kam dann immer wieder und endgültig nach Berlin.

Kapaulke bei der Bühnenprobe
Kapaulke bei der Bühnenprobe

Vor der Wende, von 1986/88, arbeitete er mit „Silly“-Gründer Mathias Schramm zusammen: Das Autorenduo Matthias Schramm / Ralf Stobbe gelangte zu einiger Bekanntheit.

Nach der Wende startete Ralf Stobbe erfolgreich mehrere Firmen. Doch er war er weder der Euphorie noch dem Streß gewachsen. Seine Gesundheit versagte und Herzinfarkt und Schlaganfall beendeten vorzeitig alle Unternehmerträume.

Nach Krise, Pleite, Krankheit war das Jahr 2002 wohl ein Wendepunkt, als er mit einem Freund wettete, 100 neue Berliner Lieder „uff berlinisch“ schreiben zu können.

Eine Zeit lang war er auch Autor bei den „Prenzlberger Ansichten“, wo er über „Stille Helden“ und andere lokale Zusammenhänge berichtete, bis er wegen allzu kreativer Töne bei der Redaktion in Ungnade fiel.

Aus dem freien Autor R.G. Stobbe wurde nun „Kapaulke“, das Berliner Original. Eine Figur, die er nach und nach mit immer mehr Ideen und Leben füllte, und nicht nur auf der Bühne verkörpert.

Ein freundlicher Riese, selten ohne Mütze fotografierbar, ausgestattet mit einem mächtigen Humor, Hintersinn und kreativen Wortwitz:

„Kapaulke. Er ist Künstler, Erfinder, Menschomane. Quecksilbriger Geist aus der Flasche. Besserwisser und der alle Schubladen Ignorierende. KAPAULKE verkörpert den Berliner wie er gemocht und gehasst wird. Der leckt nämlich den Finger, den er gleich in die Wunde steckt, vorher ab. Wejen die Hygene, müssen se wissen. Wejen die Hygene.“

Kapaulke wagte auch, eine Petition zur Rettung der Berliner Mundart ins Leben zu rufen, die immerhin 87 begeisterte Befürworter fand, und vermutlich mit etlichen Promille vom Bier inspiriert war.

Das Buchprojekt „KAPAULKE & HARALD WOLFF – „Die Geschichten des Herrn Plunz“ – Lyröcke & Zeichnungen versprühte viel philosophischen Witz und Humor, und erschien sogar als E-Book. Doch es ist wohl nur Eingeweihten und Freunden und Google bekannt.

Kapaulke blieb der rastlose Künstler, und tourte mit „KAPAULKE´s SALON“ durch Berliner Lokalitäten. Eigentlich fehlte ihm immer nur eines: eine eigene Bühne, in der er alle schrägen und intelligenten Ideen und Projekte und vor allem „die Berliner Mundart“ an sein Publikum bringen kann.

Kulturkahn Helene

Seit 1. August 2013 ist Kapaulke Pächter des knapp 52 Meter langen und 6,20 Meter breiten Saale-Maßkahns, der fest vertäut im Historischen Hafen Berlin liegt und der dort ansässigen Berlin-Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft e. V. gehört.

Kapaulke, Berliner Dichter, Sänger und Berliner Original bietet von März – Dezember spezielle Berliner Mundartartogramme nicht nur für Touristen.

„Willkommen uff´n Kulturkahn HELENE. Wir feiern die Berliner Mundart. Also haben wir ein musikalisches Mundart Kabarett jegründet. Ick habe in den letzten Jahren eine Menge neuer Berliner Lieder, in klassischer Coupletsform, geschrieben. Jetreu meinen Vorbildern Reutter, Tucholsky und Mühsam. Ick nehme die kleenen Macken unserer Zeit uff´s Korn und hinterfrage diese satirisch. Nun haben sich jenuch Lieder anjesammelt und wollen der jeneigten Öffentlichkeit vorjestellt werden. Also kommt rum und habt Spaß… heißt:

Wenn Se also heute noch nich jeschmunzelt haben, bei mir könnse se.“

Im Winter wurde zu den „Holzkonzerten“ eingeladen: anstelle von konvertierbarer Währung sollten Gäste ein paar Scheite Holz mitbringen, eine mehr als nur warmherzige Idee, um den Spielbetrieb zu finanzieren.

Inzwischen übt im Kahn auch der junger „Sprottenchor“ – und auch russisches Theater und Kabarett ist bei ihm zu Gast. Die Berliner Mundart hat nun einen Spielort, der sogar über ein funktionsfähiges Segel-Rigg verfügt, und bei Festivals Spree und Havel befahren kann.

Heute abend gibt es wieder eine Premiere: KAPAULKE & KONSORTEN. Der Chef stellt sich dann wieder auf die Bühne, und stellt sich und seine Interpreten vor:

Kapaulke: „Darf ich vorstellen, einen Teil der Crew des Theaterkahns Helene. Mit an Bord sind, mein langjähriger Begleiter und einer der fleißigsten Komponisten, Dieter Janik. Dann mein Dichter und Texterkollege Andreas Hähle. Die wunderbare Erzählerin Katja Popow und natürlich, aus der wunderbaren Welt der Burlesque, Frau Pepper. Aus Wien kommt ab und zu die wunderbare Uschi Nocchieri dazu.
Dazu werden wir demnächst Peter Krause, die offiziele Stimme von Donald Duck, begrüßen und Ihn bei exclusiven Lesungen genießen dürfen,“ so oder so ähnlich geht der Text. Natürlich heißt es Sonnabend – nicht Samstag!

Kulturkahn Helene

KAPAULKE & KONSORTEN
der erste Streich

am Sonnabend dem 03.05.2014 – Einlass 19:30 Uhr – Karten: 23,90 Abendkasse oder www.koka36.de

Kapaulke, seines Zeichens Dichter, Sänger, Satiriker und Berliner Urgestein, hat einen musikalisch, satirischen Rundgang durch die Hauptstadt Berlin vorbereitet. Begrüßungsdrink, kleiner Snack und ein musikalischer Überraschungsgast inklusive.

Informationen und Anmeldungen:
Tel: 0175 – 578 21 98 – info@kulturkahn-helene.com – www.kulturkahn-helene.com

Kulturkahn Helene, Märkisches Ufer 34 / Liegeplatz historischer Hafen – 10197 Berlin-Mitte

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m/s