Gegen den erklärten Willen des Pankower Bezirksamtes wurde am 30. November auch die moderne Sporthalle in der Winsstraße 50 vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) beschlagnahmt und wird zur Flüchtlingsunterkunft umgewidmet. Die Bundeswehr half schon kurz nach der Beschlagnahme mit der Einrichtung von Hochbetten und der logistischen Vorbereitung. Das Bezirksamt Pankow war erst in der letzten Woche vom Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) aufgefordert worden, zur Verfügung stehende Turnhallen zu melden.

Sporthalle in der Winsstraße 49/50

Sporthalle in der Winsstraße 49/50 wird Notunterkunft

Jeder Bezirk sollte wenigstens 4 Turnhallen melden, weil der zusätzliche Bedarf auf insgesamt 48 Hallen geschätzt wird. Doch Pankow hat schon mehrere Turnhallen bereit gestellt, und hat stattdessen eine Liste möglicher freier Gebäude an das LaGeSo gemeldet. Auch das Krankenhaus in der Fröbelstraße gehört dazu. Doch vermutlich aufgrund organisatorischer Überlastung des LaGeSo werden die gemeldeten Gebäude noch nicht einmal zeitnah überprüft.

Die Beschlagnahme dürfte das Bezirksamt Pankow am frühen Montag überrascht haben – denn bis jetzt ist noch keine wie sonst übliche Pressemeldung des Bezirksamtes Pankow herausgegeben worden.

Das Thema Sporthallen ist sicher auch heute Gegenstand der Senatssitzung am heutigen Tag, denn es ist geeignet, eine Koalitionskrise zu verschärfen.

Hohe Zuwanderung hält an

Das „Flüchtlingsmanagement“ des LaGeSo meldet eine weiter anhaltende hohe Zuwanderung nach Berlin. „Allein vom 5. September 2015 bis zum 18. November 2015 hat Berlin fast 40.000 Menschen neu aufgenommen, insgesamt sind es in diesem Jahr damit fast 62.000 Menschen. Es ist davon auszugehen, dass sich an diesen hohen Zugangszahlen vorerst nichts ändern wird. Diese Menschen zu registrieren, unterzubringen und zu versorgen stellt den Landesweiten Koordinierungsstab Flüchtlingsmanagement, die Behörden und die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer jeden Tag erneut vor große Herausforderungen.“

Das LaGeSo hat inzwischen die Probleme bei der Registrierung der Flüchtlinge weiter abgebaut. Seit dem 18.November ist man nun bei einer Kapazität von täglich 700 Registrierungen angelangt, sodass auch Rückstände bei der Registrierung langsam abgebaut werden können.
Die Flüchtlingszahlen scheinen sich langsam etwas zu verringern. Während im November täglich noch über 750 neue Flüchtlinge zu verzeichnen waren, sinken die Neuzugänge mit den Sonderzügen aus Freilassing (Bayern) auf täglich unter 500 Personen.

Berlin überdurchschnittlich bei Flüchtlingen gefragt

Im Zahlenvergleich hat Deutschland eine Zahl von Flüchtlingen aufgenommen, die ca. 1% der Bevölkerungszahl entspricht. Berlin ist jedoch besonders gefragt. Hier sind bereits 1,9% Flüchtlingsanteil erreicht. Angesichts fehlender Dauerwohnquartiere ist die
Situation in Turnhallen und Massenquartieren auf Dauer eine hohe Dauer-Belastung für die Flüchtlinge und das eingesetzte Personal.

Betreuungskultur verhindert schnelle Integration

Die Sicherung der Notunterkunft ist angesichts des bevorstehenden Winters von höchster Priorität. Das milde Wetter ist als glückliche Fügung anzusehen, eine Kältenotlage ist bisher nicht eingetreten. Viele Flüchtlinge werden durch das in Deutschland übliche Aufnahmeverfahren das erste Mal in ihrem Leben in einen Betreuungszustand versetzt, in dem sie zeitweise zur Untätigkeit gezwungen sind. Das sorgt für Streß und psychologische Probleme. Vor allem handwerklich begabte Menschen würden lieber selbst mehr anpacken können.

Inzwischen begeben sich viele von ihnen selbst auf Arbeitssuche, ohne sich um Vorschriften zu kümmern. Azmi T. aus dem syrischen nordwestsyrischen Idlib traf ich Sonntags in der Wartenschlange im Supermarkt am Bahnhof Zoo. Er fragte ganz besorgt: „Warum lasst ihr uns nicht selbst Flüchtlingswohnungen bauen, wir können das!“.