Mittwoch, 23. August 2017
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300. Geburtstag: Königin Elisabeth Christine

Schloß Schönhausen

Anläßlich den heutigen 300. Geburtstages von Elisabeth Christine hat Anne Schäfer-Junker, Ortschronistin in Berlin-Französisch Buchholz, eine Würdigung der preußischen Königin verfasst. Als Autorin eines Buches über Elisabeth Christine hat Schäfer-Junker auch bisher wenig bekannte Tatsachen aus Archiven und Staatsarchiven emporgefördert. Der heutige Beitrag nimmt Bezug zu der aktuellen Ausstellung FRAUENSACHE, im Schloß Charlottenburg und im Schloß Schönhausen.

Schloß Schönhausen
Schloß Schönhausen – Gartenseite mit Bassin
Foto: Leo Seidel
© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Nicht nur FRAUENSACHE! Zum 300. Geburtstag der preußischen Königin Elisabeth Christine (1715-1797)

E. C. – goldene Initialen der preußischen Königin prangen am Ziergiebel des Schloss Schönhausen, das Elisabeth Christine zwischen 1740 und 1797 beinahe jedes Jahr als Sommerresidenz nutzte. Friedrichs II. hatte nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1740 Schloss Schönhausen seiner Gemahlin geschenkt; verbrieft in einer Schenkungsurkunde vom 3.8.1740.
Nach den vier glücklichen Jahren als Kronzprinzessin auf Schloß Rheinsberg, hatte sich Friedrich II. mit Regierungsantritt im Jahr 1740 von seiner Gemahlin distanziert. Sie akzeptierte diese Trennung nie, und übernahm dennoch die Rolle der Königin in Berlin und repräsentierte den preußischen Hof.

Elisabeth Christine hatte anfangs nur einen bescheidenen Haushalt, ihre finanziellen Mittel erlaubten vorläufig nur wenige Veränderungen am Schloss und im Schlosspark. Dieser wurde unter ihrer Ägide nach und nach in einen modernen Rokoko-Lustgarten umgestaltet.
Ab 1766 widmete sie sich der Aufklärungsphilosophie und wurde mit Übersetzungen und eigenen Texten Schriftstellerin.

Am Sonntag dem 8.11.2015 wird der Grande Dame, Humanistin und Schriftstellerin und Gemahlin des preußischen Königs Friedrich II. im Schloss Schönhausen festlich gedacht.

Königin Elisabeth Christine
Königin Elisabeth Christine mit Kronschatz. Gemälde Antoine Pesne 1740/41 – Foto: Anne Schäfer-Junker

Ausstellung FRAUENSACHE würdigt die Rolle der preußischen Königinnen

In der Ausstellung FRAUENSACHE im Theaterbau von Schloss Charlottenburg wird erstmals Elisabeth Christine ausführlich gewürdigt. Schloss Schönhausen wird so neu in den Blickpunkt gerückt, auch hier wird die Person Elisabeth Christine im neuen Blick auf die Geschichte gewürdigt.

Es ist eine seit langem erwünschte Würdigung. Bisher war Elisabeth Christine nach der Wiedervereinigung Deutschlands erst 1997 in der Pankower Kirche „Zu den Vier Evangelisten“ in Alt-Pankow wieder in den Blick genommen worden. Zugleich fand die bisher einzige Ausstellung des Panke Museums zu Elisabeth Christine statt.

Festredner waren übrigens damals: Hanna-Renate Laurien, Parlamentspräsidentin a. D., Superintendent Pfarrer Werner Krätschell und Alex Lubawinski als Bezirksstadtrat.

Zeitschichten und Wirken von Elisabeth Christine in Schönhausen

Schloss Schönhausen hat der Schönhauser Allee den Namen gegeben, die bereits im 18. Jahrhundert wichtige Verbindungsachse in nord-südlicher Richtung zum Berliner Schloss war. Hier hatte Elisabeth Christine eine große, komfortable Wohnung, und ging den royalen Repräsentationspflichten nach.
Rund 50 Jahre lang waren Schönhausen und die umliegenden Dörfer ihr bevorzugter Sommer-Aufenthaltsort. Die verdienstvolle Sanierung von Schloss und Garten Schönhausen und die nachfolgende Eröffnung im Jahre 2009 öffneten endlich auch die Perspektive, um historische Forschung und Neubetrachtung der Lebensgeschichte von Elisabeth Christine und ihrer Rolle als preußische Königin (1740-1786) zu intensivieren.

Die Lebenszeit von Elisabeth Christine fällt in tief greifende Prozesse des Wandels von Wissenschaft und Politik. Die mit großen Opfern und Intrigen verbundene Entstehung von d’ Alemberts und Diderots Enzyklopädie in Frankreich sind dafür ein bedeutendes Beispiel. Befreiungsversuche aus feudalem Denken auf vielen gesellschaftlichen Ebenen in den europäischen Ländern kennzeichneten das 18. Jahrhundert in dem Elisabeth Christine lebte – auch das Jahrhundert Voltaires genannt.

Elisabeth Christine war sich der Aufmerksamkeit der Geistesgrößen ihrer Zeit sicher. So besuchte etwa D’Alembert sie persönlich in Schönhausen an einem Sonntag, dem 17. Juli 1763, nachmittags, von Charlottenburg kommend. Vor seiner Abreise nach Paris, als bevollmächtigter Minister des Königs am Französischen Hofe, wurde er von ihr mit einer kostbaren goldenen Tabatiere beschenkt.

Korrigierter Blick auf die Königin von Preußen

Erstmals im Friedrich-300-Jahr 2012 analysierte Dr. Alfred Hagemann das gesamte Wirken der Königin von Preußen – die aus dem Welfenhaus Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern stammte – und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Durch eine Auswertung der Hofberichterstattung in 26 Jahrgängen der Berlinischen Privilegierten Zeitung zwischen 1740 und 1786 konnte er neue Einblicke in den Hofalltag unter Friedrich II. gewinnen. Dabei wurde deutlich, wie stark die Struktur des friderizianischen Hofes durch die Aufteilung zwischen Berlin und Potsdam geprägt war. Während die Königin in Berlin den öffentlich-zeremoniellen Teil des Hoflebens aufrechterhielt, war Potsdam der Ort des „persönlichen Regiments“ Friedrichs II.

Der von der Zeitung veröffentlichte Ausschnitt des Hoflebens in der offiziellem Hofberichtersttattung hatte dabei die Funktion, diese Trennung auch öffentlich zu betonen und so zu einem wichtigen politischen Instrument Friedrichs II. zu machen.

Elisabeth Christine, Königin von Preußen und Gemahlin Friedrichs II., führte bis dahin laut gängiger Forschungsmeinung nur ein Schattendasein in der höfischen Welt des 18. Jahrhunderts. Weit verbreitet war die Vorstellung von einer durch Friedrich II. nach Schloss Schönhausen „verbannten“ Königin.
Doch dem „Alltag“ des preußischen Hofes wurde eín Stück weit über die Analyse Hofberichterstattung in der Berliner Presse auf die Spur gekommen. Bisher bekannte Aufzeichnungen des Grafen Lehndorff und der Gräfin Voß sowie über den „Geschichtskalender“ von Karl Heinrich Siegfried Rödenbeck gaben noch nicht den richtigen Blick frei.

Hagemanns Analysen legten offen, dass Elisabeth Christine wesentlich die Repräsentation des preußischen Hofes bestimmte.

„Die regierende Königin Elisabeth Christine spielte bis 1757 gegenüber ihrer Schwiegermutter eher eine Nebenrolle, gab aber für die Hoföffentlichkeit dennoch wesentlich häufiger Empfänge als der König. Seit Ende des Siebenjährigen Krieges klaffte die Zahl ihrer offiziellen Auftritte verglichen mit denen des Königs immer weiter auseinander. Seit den 1770er Jahren scharte sie den Hof mit im Durchschnitt 70 Hofveranstaltungen (Couren, Festins, Diners, Soupers, Bälle et cetera) im Jahr etwa vier Mal häufiger um sich als ihr Gatte.“ (Mehr Details dazu finden sich bei Hagemann).

Spuren und Spolien im Garten und Park von Schloss Schönhausen

Elisabeth Christine hatte ein immerwährendes Interesse am Garten und Park von Schloss Schönhausen, mit neuer Gartengestaltung in barocker Manier und großen Garten- und Lichterfesten, der früher etwa fünfmal größere Ausmaße hatte, als heute.

Matthias Gebauer, Gartenbereichsleiter von Schloß Rheinsberg (SPSG), und Gartendenkmalpflegerin Monika Deißler (SPSG), kennen Elisabeth Christines Garten gut und führten durch dieses gartendenkmalpflegerisch bestens betreute Refugium an der Panke in Niederschönhausen.

200 Jahre alte Linden aus der Zeit von Elisabeth Christine sind in der Linden-Alleen im Garten erhalten – sie geben den vorhandenen Fledermäusen als lineare Elemente Halt. Die Bäume der Alleen im Schlossgarten zeichneten sich durch schnelles Wachstum aus und aufrechten Wuchs aus. Fledermäuse lieben diese Alleen.

Königseiche im Schloßpark
Königs-Eiche am Ort des ehemaligen Labyrinths im Schlosspark Schönhausen (heute innerer Schlosspark) – Foto: Anne Schäfer _Junker

Ein zur Unterhaltung gepflegtes Labyrinth aus Hecken oder Bäumen war auch im Park von E. C. vorhanden. Dort stand im Mittelpunkt eine eingerüste Eiche – die sog. Königseiche – um von oben in das Labyrinth schauen zu können. Diese Eiche ist heute mit verschiedenen Totholzstrukturen noch erhalten. Alte Eichen sind das wichtigste Areal für holzbewohnende Käferarten und haben daher eine besondere Bedeutung für den Käferschutz.

Führung im Schloßpark Schönhausen
Matthias Gebauer, Fachbereichsleiter Gärten, schildert artenreiche Besiedlung der Linden und Eichen mit Insekten und Käfern. Mit Hofdame Sophie von Brand, alias Nicola A. Spehar – Foto: Anne Schäfer-Junker

Die Eichen im Park von Schloss Schönhausen sind auch heute noch der Lebensraum des Heldbockes, ein im Verborgenen lebender holzbewohnender Großkäfer, der schon 1787 hier vorhanden war. Heute sind noch 6 – 7 Eichen vom Heldbockkäfer bewohnt. Für den heutigen inneren Bereich des vom großen Schlosspark an der Panke abgetrennten Park- und Gartenteiles gibt es nunmehr ein Gehölzekonzept, das den Bestand schützt. Das ehemalige Labyrinth und die Eichen werden in den nächsten Jahren wieder aufgewertet.

Schloßgarten Schönhausen 1764
Der Schlossgarten Schönhausen, 1764, unbekannter Maler. Rote Folie: Gartenplan im 21. Jahrhundert

Gartendenkmalpflegerin Monika Deissler zeigte auch die Gartenskizze von Christoph Pitzler von 1695, und erklärt die halbrunden Mauerreste der Orangerie, die 1816 abgebrochen wurde. Diese stammen noch aus der Zeit Ernst von Grumbkow’s Schloss-Erbauung. Hier lies E. C. das alte Orangeriehaus in ein Hofdamenhaus umbauen.

An Ihre „schnatternden Hofdamen und Nichten“ erinnerte während der Gartenbegehung die charmante Hofdame Sophie von Brand, alias Nicola A. Spehar. Zu Zeiten E. C. wurden Myrthen, Zypressen, Oleander, Feigen, Granatapfel, Pomeranzen gezogen. Hinter der Orangerie befand sich ein Fasanengarten, der im Siebenjährigen Krieg zerstört wurde.

Führung im Schloßpark Schönhausen
Monika Geißler, Gartendenkmalpflegerin, erläutert die Gartengestaltung in mehreren Jahrhunderten, mit Skizze von Christoph Pitzler von 1695 – Foto: Anne Schäfer-Junker

Nach ihrer Rückkehr aus der Festung Magdeburg ließ E. C. einen Kräutergarten anlegen. Treibhäuser, eine Meierei für Milchwirtschaft kamen ebenfalls dazu. 1770 bemerkt sie: „Spaziergang zum Küchengarten und auf dem Rückweg gespeist.“ Man zelebrierte hier das ländliche Leben.

Der Schlossgarten Schönhausen präsentiert in seiner exquisiten Gestaltung und Ausstattung die wechselvolle Geschichte der Anlage vom Barock- und Landschaftsgarten bis späteren Präsidentengarten Wilhelm Piecks. Heute trägt er das Erscheinungsbild eines Gartens der Moderne, und die Gartendenkmalpflege arbeitet an Spuren und Erhaltung der historischen Zeugnisse.

Über die Autorin:
Anne-Schäfer Junker widmet sich als ehrenamtliche Ortschronistin von Französisch Buchholz der historischen Spurensuche und durchforscht Archive nach nach Fakten aus dem Leben von Königin Elisabeth Christine in Schönhausen, Rosenthal, Französisch Buchholz, Karow und Buch.
2013 veröffentlichte sie das Buch „SINNESFREUNDE im Leben von Elisabeth Christine. Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg, Preußische Königin 1740-1786“ in der Edition Aujourd’hui.

Weitere Informationen:

Sinnes-Freunde im Leben von Elisabeth Christine | 17.12.2013 | Pankower Allgemeine Zeitung

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