Mittwoch, 13. Dezember 2017
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900.000 € für die Gethsemanekirche

Stiftung Denkmalschutz fördert Gethsemanekirche

Die Gethsemanekirche entstand in den Jahren 1891-1893 nach den Plänen des Arhcitekten August Friedrich Wilhelm Orth. Als Backsteinbau ist sie nach 120 Jahren Standzeit nun reif für eine nachhaltige Sanierung. Eindringende Feuchtigkeit, Verwitterung und Frostsprengung setzen der äußeren Hülle zu. Die Sanierung wird aufwändig.

Stiftung Denkmalschutz fördert Gethsemanekirche
Stiftung Denkmalschutz fördert Gethsemanekirche: Pfr. Gisbert Mangliers und Dr. Karen Bork vom Kuratorium Berlin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD)

Historisch und städtebaulich ein bedeutsamer Ort

Die 3-schiffige Backstein-Hallenkirche erbaut wurde als hervorragendes Beispiel des Berliner Kirchenbaus zum Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Vom Architekten Orth stammen auch Zions-Kirche (1867-1873 Vorentwurf von Gustav Möller) und die Emmaus-Kirche auf dem Lausitzer Platz in Kreuzberg, die zu gleicher Zeit wie die Gethsemanekirche erbaut wurde.

Der historistische Backstein-Bau verbindet traditionelle, neoromanische Stil­elemente mit zeitgenössischer Stahlbau-Technik. Nach schweren Bomben- und Artillerieschäden begann man bereits 1945 mit der Wiederherstellung. In den 1960er Jahren erfuhr der Raum eine erneute Umgestaltung.

Die Wiederherstellung nach Kriegsschäden und verschiedene Reparaturen in der Nachkriegszeit wurden mit ungeigneten Material und in schlechter Qualität ausgeführt. So vertragen sich Beton und Ziegel aufgrund unterschiedlicher Härte nicht. Beton in Fugen sprengt die Backsteine auf.
Nach langer Zeit machen sich nun massive Schäden bemerkbar: Durch Zersetzen der Pfeiler und Lockerung des Ziegelverbundes in den Fugen entstehen Risse und Lücken, wobei Feuchtigkeit in das Gebäude eindringt und weitere Schäden verursacht.

Es ist von innen auch in der Apsis sehen. Große Partien der äußeren Gesimse und Pfeiler müssen neu aufgemauert werden. Dazu müssen eigens historisch orgiginalgetreu nachgebrannte Ziegel verwendet werden.

Gethsemanekirche
Gethsemanekirche – Foto: Erdmute Wendland

Gethsemane als politischer Ort und Kulturort

Als städtebauliche Dominante entstand die Kirche im Mittelpunkt eines rasch wachsenden Arbeiterbezirks im Kaiserreich. Die neue Kirchengemeinde war eine Tochtergründung der Zionsgemeinde. Den Namen Gethsemane bestimmte der zur Weihe anwesende Kaiser Wilhelm II.
Zur Zeit des National­sozialismus geriet sie sowohl in den Focus Deutscher Christen aber auch der Bekennenden Kirche.Die evangelische Kirchengemeinde war vor 1989 ein wichtiger Ort des zivilen, friedlichen Widerstandes gegen das SED-Regime und hat als große Kirchengemeinde den Bezirk Prenzlauer Berg geprägt.

In der friedlichen Revolution des Herbstes 1989 stande einige evangelische Kirchengemeinden mitten in diesem Prozess und setzten ein Beispiel für die Macht gewaltlosen Widerstandes, für Zivilcourage und bürgerschaftliches Engagement. Zusammen mit der Nikolaikirche Leipzig und der Zionskirche Berlin ist die Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg zum Symbol geworden.

Als Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord mit über 12.000 Gemeindegliedern entstand im Jahr 2001 der Zusammenschluss der vier Innenstadtgemeinden Elias, Gethsemane, Paul-Gerhardt und Segen.

Die Gethsemanekirche ist heute als Aufführungsort anspruchsvoller Kulturveranstaltungen und Konzerte weithin bekannt und zählt zu den für ganz Berlin bedeutsamen Kulturorten und Orten kirchlichen Lebens.

Erneuerung der Kirchenfassade

Die anstehende Sanierung der Außenfassade der Gethsemanekirche wurde gut vorbereitet. Die Kostenvoranschläge für Reparatur und Erneuerung der Pfeiler und Gesimse im Bereich der Apsis der Kirche belaufen sich auf ca. 1,6 Millionen Euro. Neben staatlichen Zuschüssen müssen mehr als 500.000 Euro aus Mitteln der Kirche aufgebracht werden.

Die Kirchengemeinde hat sich selbst um die Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz bemüht, und direkt an die zuständige Senatsverwaltung und die Denkmalbehörden gewendet.

Zur Erneuerung der Kirchenfassade und des Dachs der evangelischen Gethsemanekirche in der Stargarder Straße 77 stellt die nun die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Fördermittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz zur Verfügung. Die Baumaßnahmen können bereits im kommenden Jahr beginnen.

Der für Bauen und Wohnen zuständige Staatssekretär Prof. Dr.-Ing Engelbert Lütke Daldrup übergab dazu einen Förderbescheid in Höhe von 900.000 € für den 1. Bauabschnitt an die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord.

Gemeinsam mit ihm überreichte Dr. Karen Bork vom Kuratorium Berlin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) einen weiteren Fördervertrag über 50.000 € für die Außenfassade. Diese Förderung wurde möglich durch eine Spende der Beckschen Stiftung und Mitteln aus der Rentenlotterie von Lotto Berlin, deren Vertreter bei dem Termin ebenfalls anwesend waren.

Das Land Berlin und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützen damit die denkmalgerechte Sanierung der Gethsemanekirche und sichern somit den Erhalt dieses geschichtsträchtigen Ortes für die Öffentlichkeit. Die Kirche setzt nun für die Baumaßnahmen voraussichtlich ca. 450.000 € Eigenmittel ein, muß jedoch weiter um Spenden werben.

Staatssekretär Prof. Dr.-Ing. Lütke Daldrup: “Hier geht es nicht nur um die Erhaltung des Bauwerks mit seiner architektonisch und stadtbildprägenden Wirkung, die Kirche hat darüber hinaus als Symbol der friedlichen Revolution eine große Bedeutung für die Geschichte des vereinten Berlins.”

SenStadtUm fördert Gethsemanekirche
SenStadtUm fördert Gethsemanekirche: Pfr- Gisbert Magliers und Staatssekretär Engelbert Lüdke-Daldrup

Förderung am Bezirk Pankow vorbei

Die Vergabe der Förderrmittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz wird normalerweise mit dem Bezirk und dessen zuständigen Ausschuß abgestimmt. Wegen der Dringlichkeit und städtebaulichen Bedeutung hat man sich jedoch gleich an höchste Stellen gewendet.
Es muß festgehalten werden, dass der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschuß der BVV-Pankow, Roland Schröder (SPD), sich im Sommer auf einer Sitzung über die Förderliste über diesen Umstand verwundert gezeigt hat.

Die Gethsemanekirche wird nun wie geplant in den kommenden drei Jahren für insgesamt ca. 2 Mio. € denkmalgerecht erneuert und soll auch in Zukunft ihrer Funktion als Gotteshaus, als Ort sozialer Kommunikation und für Veranstaltungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Für die Durchführung des 2. Bauabschnittes werden von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt für 2015 weitere Fördermittel in Aussicht gestellt.

Laufende Spendenaktion und Steinpatenschaften

Die Kirchengemeinde bittet um weitere Spenden für den Erhalt und die Sanierung der Kirchenfassade. Um die Spender freigiebig zu stimmen, können Steinpatenschaften übernommen werden, die dokumentiert und im Foyer der Kirche auf einer Tafel veröffentlicht werden. Ab einem Betrag von 125 Euro bekommen die Steinpaten einen gebrannten Stein aus dem gleichen Material wie der Originalziegel. Die Geberinnen und Gebern können so namentlich zum Erhalt des Bauwerks beitragen.

  • Einen Ziegel der Traufabdeckung erneuern (Nasenstein) kostet vermauert 25,00 Eur
  • Einen Formziegel im Gesimsband austauschen 125,00 EUR
  • Einen Grat- oder Kehlstein im Gesims austauschen 220,00 EUR
  • Eine Konsole im Gesims erneuern, bestehend aus zwei aufwendig gearbeiteten Ziegelteilen, 1.400,00 EUR

Nasensteine - Gethsemante stützen
Nasensteine – Spendenaktion: Gethsemane stützen

Spendenaktion:

Bitte überweisen Sie Ihren Betrag unter dem Verwendungszweck »Gethsemane stützen« auf das Spendenkonto

Kontoinhaber: Ev. Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord
IBAN: DE27 5206 0410 6303 9955 69
Evangelische Bank eG
BIC: GENODEF1EK1
Spendenzweck: Gethsemane stützen

Ab 50 Euro werden automatisch Spendenbescheinigungen ausgestellt. Bitte schreiben Sie unbedingt Ihre Adresse mit in den Verwendungszweck.

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m/s