Samstag, 29. April 2017
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unterm Mauerpark

Abwasser-Speicher
unterm Mauerpark

Einbau des Sperr-Wehrs Storkower Strasse - Foto: Berliner Wasserbetriebe

Ab 2016 soll unter dem Mauerpark ein „Stauraum-Kanal“ gebaut werden, der in bis zu 10 Meter Tiefe den Park längs unterquert. Insgesamt 7000 Kubikmeter Abwasser sollen in dem Abwasserbauwerk zwischengespeichert werden können. Nach schweren Regenfällen soll damit künftig ein Überlaufen der Mischwasserkanäle und ein Schmutzwasserabfluß in die Spree verhindert werden.

Einbau des Sperr-Wehrs Storkower Strasse - Foto: Berliner Wasserbetriebe
Einbau des Sperr-Wehrs Storkower Strasse - Foto: Berliner Wasserbetriebe

Um die geplante Baumaßnahme vorzubereiten, laden die Berliner Wasserbetriebe zu einer Informationsveranstaltung am 26. September 2013 von 19.00 – 21.00 Uhr, in das Kino Colosseum (Saal 5).

Prenzlauer Berg mit Mischkanalisation

Prenzlauer Berg gehört zu den alten Siedlungsgebieten, in denen noch eine Mischkanalisation gebaut wurde. Häusliche Abwässer und die Abwässer der Gewerbebetriebe gelangen zusammen mit dem Regenwasser in einen gemeinsamen Abwasserkanal. Die Abwässer werden zum Klärwerk Ruhleben quer durch die Stadt gepumpt. Doch bei schweren Regenfällen läuft das System regelmässig über.

Um das Klärwerk nicht zu überlasten, dessen biologische Reinigungsprozesse sonst nachhaltig gestört werden, wird ein großer Teil der Regenmenge mit Abwasser vermischt in Panke und Spree abgeleitet. Dies verursacht dort regelmässig Algenwachstum, Sauerstoffmangel und Fischsterben.

Es ist umweltpolitisches Ziel, die Flüsse künftig besser vor dieser Verschmutzung zu schützen – und dafür werden umfangreiche Baumaßnahmen am unterirdischen Kanalnetz der Stadt notwendig.

Verlauf des Stauraumkanals im Mauerpark - Foto: Berliner Wasserbetriebe
Verlauf des Stauraumkanals im Mauerpark - Foto: Berliner Wasserbetriebe

Abwasser zwischenspeichern – Stauraum schaffen

Die geplante Baumaßnahme soll nun eine wichtige Lücke füllen: überschüssiges Regen- und Abwasser soll künftig in der Mischkanalisiation zeitweise zwischengespeichert werden, bis es in das Klärwerk gepumpt werden kann. Hierfür werden Stauraum-Kanäle gebaut, die mehrere Meter Durchmesser aufweisen. Unter dem Mauerpark sollen künftig bis zu 7.000 Kubikmeter Abwasser in dem rund 725 m langen Kanal (DN 3800) zwischengespeichert werden können. Dieser hat einen Durchmesser von ca. 3,8 Metern.

Schonende Baumaßnahme im Rohrvortrieb

Der tief unter dem Mauerpark geplante Stauraumkanal zwischen Gleim- und Eberswalder Straße soll im unterirdischen Rohrvortrieb gebaut werden. Das Bezirksamt Pankow und die Wasserbetriebe haben für die Umsetzung dieses Bauvorhabens im unterirdischen Vortrieb eine Lösung gefunden, die die Interessen von Anwohnern, Parkbesuchern und Gewerbetreibenden mit den ökologischen Zielen in Übereinklang bringt.

So wird es lediglich an den beiden Enden des Stauraumkanals Baugruben geben, von denen aus die Rohre vorgetrieben und verlegt werden. Für die Besucher des Mauerparks wird es praktisch keine Einschränkungen geben.

Stauwehr in der Storkower Strasse

Zur Zwischenspeicherung der Wassermassen nach Wolkenbrüchen staut in Pankow das dritte automatische „Unterwelt-Wehr“ in der Storkower Strasse. Es wurde im August eingebaut – und die umfangreichen Baumaßnahmen neigen sich dem Ende zu.

Das Wehr wird aus der Abwasserzentrale an der Holzmarktstraße gesteuert und kann bei starkem Regen 1.850 m³ Mischwasser stauen und zwischenspeichern.

Einbau des Sperr-Wehrs Storkower Strasse - Foto: Berliner Wasserbetriebe
Einbau des Sperr-Wehrs Storkower Strasse - Foto: Berliner Wasserbetriebe

Funktion des Wehrs

Bei Wolkenbrüchen sind die Kapazitäten der Mischwasserkanäle lokal gelegentlich überfordert. Zwischen Kanal und Kläranlage ist immer ein Pumpwerk – hier das Pumpwerk Berlin XI Erich-Weinert-Straße – geschaltet.

Die Kapazität der Pumpwerke ist aber auf ein Maß beschränkt, den Klärwerken eine kontrollierbare Abwassermenge zuführt, die biologischen Reinigungsprozess nicht überlastet.

Deshalb sind in der Misch-Kanalisation Überläufe angeordnet, die bei Starkregen mit Regen verdünntes Schmutzwasser ins nächste Gewässer abfließen lassen – hier von der Erich-Weinert-Straße zur Mündung des Überlaufkanals in die Spree an der Museumsinsel.

Dies soll künftig durch das automatischden Wehr verhindert werden. Es schafft einen unterirdischen Speicher, dessen dreckige Fracht nach dem Regenende ganz regulär zum Klärwerk gepumpt werden kann.

Um das rund drei Tonnen schwere Wehr, dessen Platte 1,60 m breit ist und einen Hub von 2,90 m hat, in den Mischwasserkanal einfügen zu können, wurde unter der Storkower Straße ein Betonbauwerk errichtet, das den Druck auffängt und die Maße einen kleinen Einfamilienhauses hat. Die Kosten der Investition in Höhe von rund ca. 2,3 Mio. € werden vom Land Berlin und den Berliner Wasserbetrieben im Verhältnis 60:40 getragen.

Weitere Baumaßnahmen sind für 2016 geplant

Das Wehr gehört zum Einzugsgebiet des Radialsystems Berlin XI, dessen Grenzen die Prenzlauer und die Landsberger Allee markieren. In diesem Gebiet werden bis 2016 noch weitere Möglichkeiten zur Drosselung von Überläufen bei Starkregen gebaut, so dass dort dann insgesamt 8.050 m³ Stauraum verfügbar sind, die der Spree im Jahresdurchschnitt rund 106.000 m³ Abwasser ersparen können.

Ähnliche Wehre gibt es an der Neuköllner Erkstraße (seit 2011) und an der Seestraße in Wedding (seit 1996). Der Bau unterirdischer Stauraumkanäle und Speicherbecken oder die Erhöhung von Überlaufschwellen in der Kanalisation sind allesamt Vorhaben eines vom Land Berlin mit den Berliner Wasserbetrieben vereinbarten Programms zur Verbesserung der Güte der Berliner Gewässer.

Das Land Berlin und die Berliner Wasserbetriebe haben darin vereinbart, bis 2020 insgesamt rund 307.000 Kubikmeter unterirdischen Stauraum in den Innenstadtbezirken zu bauen, in dem Abwasser zwischengespeichert werden kann. 225.000 Kubikmeter Stauraum sind bereits fertig gestellt und in Betrieb.

Veranstaltungshinweis:

Informationsveranstaltung:
Abwasser-Speicher unterm Mauerpark

Um die geplante Baumaßnahme vorzubereiten, laden das Bezirksamt Pankow und die Berliner Wasserbetriebe zu einer Informationsveranstaltung ein:
Donnerstag, dem 26. September 2013, 19.00 – 21.00 Uhr,

Kino Colosseum, Saal 5, Schönhauser Allee 123, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg.

Weitere Informationen:

Das Kanalnetz

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m/s