Sonntag, 17. Dezember 2017
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in Blankenburg

Abwassererschließung
in Blankenburg

Kanalbau in Blankenburg

Der Ortsteil Blankenburg liegt mitten in Pankow, und ist als Vorortsiedlung durch den gut erhaltenen Dorfanger mit Dorfkirche und umliegende Einfamilienhäuser geprägt. Die ehemalige KGA Blankenburg, mit 84 Hektar eine der größten zusammenhängenden Gartensiedlungsanlagen Deutschlands, prägt bis heute den Siedlungscharakter von Blankenburg als Vorortsiedlung.

Kanalbau in Blankenburg
Kanalbau in Blankenburg: Kein Graben zu sehen – ein Schacht wird gesetzt

Doch Blankenburg hatte bisher keine flächendeckende Kanalisation. Fäkalien-Sammelfahrzeuge sind immer wieder im Straßenbild zu sehen, welche die vielen individuellen Sammel- und Klärgruben abpumpen und entsorgen. Viele alte Sammelgruben sind auch undicht, und stellen damit eine Gefahr für die Grundwasserqualität dar. Überdies: die Entsorgung verursacht hohe Kosten, daneben Lärm, Gerüche und Abgase der LKWs.

Abwassergrubenabfuhr per Sammelfahrzeug
Abwassergrubenabfuhr per Sammelfahrzeug: teuer, stinkig, laut und staubig!

Neue Abwasseranschlüsse nach Standard der Berliner Wasserbetriebe

Die Berliner Wasserbetriebe haben eigens für den Anschluß dieser Siedlungslagen in Berlin seit 2009 ein Bauprogramm aufgelegt, das die Abwässer komfortabler entsorgt. Inzwischen nähert sich das Bauprogramm seiner Fertigstellung und in Blankenburg neigt sich die jahrelange Bautätigkeit langsam einem absehbaren Ende zu.

Insgsamt rund 12.500 Berliner können ihr Abwasser nun komfortabler entsorgen, das Erschließungsprogramm für Siedlungsgebiete ist weitgehend abgearbeitet.

Die neue Kanalisation ist dabei mit einer schonenden Bauweise verlegt worden. In den vergangenen fünf Jahren sind ca. 48 km neue Kanäle, die dazugehörigen rund 3.550 Hausanschlussleitungen sowie mehrere Pumpwerke gebaut worden. Weitere ca. 7 km Kanäle
entstehen bis zum kommenden Jahr.
Das entsprechende Investitionsprogramm zur Erschließung von Siedlungsgebieten hat einen Gesamtumfang von rund 86 Mio. Euro.

Angeschlossene Siedlungsgebiete

Ein großer Teil des Bauprogramms ist in Pankow realisiert worden. Aktuell wird in Blankenburg noch am meisten gebaut. Bereits beendet sind die Arbeiten in den zu Pankow gehörenden Bereichen Altsiedlung Heinersdorf, Buchholz Nord II und Stadtrandsiedlung Blankenfelde.
Im Süden von Berlin wurden bereits die Siedlung Spreetal (Treptow-Köpenick) und Steinstücken (Steglitz-Zehlendorf) fertiggestellt.

Kurz vor dem Abschluss stehen die Arbeiten in Mahlsdorf Nord IV (Marzahn-Hellersdorf), und Buchholz West II (Pankow).

Aktuell liegt der Schwerpunkt der Arbeiten in Blankenburg (Pankow), wo fünf von neun Teilgebieten bereits abgeschlossen sind und bis Ende 2015 für alle rund 6.600 Einwohner die Abwasserentsorgung via Sammel-Grube Geschichte sein soll.

Höchster Anschlußgrad in Berlin erreicht

Heute erreicht in Berlin das Schmutzwasserkanalnetz die Wohn-Quartiere von 99,8 Prozent der Einwohner. Seit 1990 ist das Kanalnetz um 863 km auf 4.373 km Länge ausgebaut worden. Die Gesamtlänge aller Abwasserkanäle – dazu zählen auch Misch- und Regenwasserkanäle – wuchs in derselben Zeit um 1.228 km auf 9.667 km. Ende 2015 werden mehr als 99,9 Prozent der Berliner am Abwassernetz angeschlossen sein.

Gerätestation der Rohrvortriebsbaustelle
Gerätestation der Rohrvortriebsbaustelle: unten im Schacht dreht der Bohrer – das Kanalrohr wird vorgepreßt

Innovative Bauweise – glückliche Dorfbewohner

Stefan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe, und selbst Pankower, präsentierte die Baumaßnahmen in Blankenburg mit sichtlicher Freude. Denn die Zeiten, als noch Bagger und unfangreiche Straßensperrungen derartige Abwasser-Erschließungen begleiteten, sind Dank innovativer Ideen und Bauweisen vorbei.

„Wir möchten Ihnen gern zeigen, wie wir ein ganzes Dorf mitten in Berlin glücklich machen, obwohl wir faktisch unter jeder Straße dort bauen. Denn das Ziel – die Erstkanalisierung – ist dort sehnlichst erwartet worden, wir bauen auch weitestgehend straßen- und vorgartenschonend grabenlos, “ so lud er zu einem Pressetermin am 13.6.2014 nach Blankenburg ein.

Baustellenbesichtigung und Einsatz moderner Vortriebs-Technik

Zum Baustellentermin war auch Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe zugegen. Er konnte auf der Baustelle einer hochprofessionellen und überaus freundlichen Bauleitertruppe zuschauen, die hier eine schwierige Baumaßnahme mit modernster und lärmarmer Tiefbautechnik vorführte.

An der Treseburger Straße/Ecke Kastanienallee in Blankenburg begann die Baustellentour, gezeigt wurden

– Gerätestation zum Vortrieb über einem Sammelschacht
– der unterirdische Kanalvortrieb;
– das Einschwemmen und Setzen großer Anschlußschächte,
– und der grabenlose Vortrieb und Anschluß der Hausanschlüsse.
– die Fertigstellung des Kanalanschlußschachtes nach Berliner Bauweise.

Die Kommunikation zwischen der Tiefbaufirma aus Lübbenau und den Blankenburger Anliegern ist gut organisiert, jeder Hausbesitzer wird rechtzeitig informiert, die Lage des Hausanschluß auf dem Grundstück wird genau abgestimmt.

Kanalrohr-Vortrieb im Schacht
Kanalrohr-Vortrieb im Schacht 4m unter dem Asphalt
Rohrvortrieb: Bohrkopf und Kanalrohr
Rohrvortrieb: Bauleiter präsentieren Bohrkopf und Kanalrohr – freundlich, grabenlos bauen mit den Berliner Wasserbetrieben
Schachteinbau zuerst: Der Betonring wird eingespült
Schachteinbau zuerst: Der Betonring wird eingespült
Abwasser-Sammelschacht
Abwasser-Sammelschacht – Berliner Bauweise mit Steinzeugrohr und Kanalklinkern

Anschlußkosten und Kostenersparnis bei der Entsorgung

Die Hausanschlußkosten liegen bei durchschnittlich etwa 4.700 € je Grundstück. Zusätzlich müssen die Haus- und Grundstücksbesitzer die Strecke zwischen Haus und Übergabepunkt durch Eigenleistung bestreiten. Der Anchluß an das Kanalnetz ist somit eine teure Investition.
Doch est gibt einen großen Vorteil: für diese Berliner entfallen die mit Speditionskosten und Organisationsaufwand verbundene Abwasserentsorgung aus den alten Sammelgruben. Die Sammelfahrzeuge verschwinden aus dem Straßenbild.

Die Kostenersparnis liegt bei rund 500 € im Jahr. Außerdem: der Grundstückswert der angeschlossenen Grundstücke steigt.

In Blankenburg gibt es deshalb eine positive Haltung zum Ausbau der Kanalisation – auch wenn manche nun still im Kämmerlein an ihre Sparbuchrücklagen gehen, und einige auch Kredit aufnehmen müssen.

Abwasser-Hausanschluss
Abwasser-Hausanschluss mit Revisionsklappe kurz hinter dem Zaun auf privaten Grundstück

Berliner Wasserbetriebe entlasten die Umwelt

Die modernen grabenlosen Bautechniken tragen ganz erheblich zu Kosteneinsparungen und zur Umweltentlastung bei. Die Einsparungen durch die geschlossene Bauweise in der Zeit von 1984-2013 haben die Berliner Wasserbetriebe in ihrer Umweltbilanz berechnet:

72,5 Mio. € konnten in andere Bauvorhaben investiert werden-
1,42 Mio. m² Fahrbahnfläche konnten erhalten werden und mussten auch nicht neu gebaut werden.
2,6 Mio m ³ Boden mußten nicht ausgehobem wiedereingebaut, transportiert und ggf. entsorgt werden.
215.000 LKW Ladungen wurden eingespart.
230 Mio. m ³ Grundwasser mussten nicht gefördert werden (eine Menge die dem Bedarf Berlins in 14 Monaten entsricht).

Durch den Einsatz moderner Techniken und Bauweisen haben die Berliner Wasserbetriebe auch Standards gesetzt, die bundesweit von anderen Kommunalbetrieben übernommen werden. m/s

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m/s