Mittwoch, 13. Dezember 2017
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Alte Mälzerei

17 Jahre lang stand der burgähnliche Klinkerbau im Herzen Pankows leer. Auf dem Grundstück zwischen Mühlenstrasse und Neue Schönholzer Strasse wurde ab 1881 im Auftrag von Richard Roesicke, dem Begründer der Schultheiss-Brauerei, das erste Gebäude errichtet. Danach wurde die Mälzerei schrittweise bis 1902 erweitert. Die Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts wird durch aufwändige Klinkerverblendungen und eine rustikale Architektursprache geprägt. In der Mälzerei wurde aus Braugerste Malz für die Berliner Brauereien hergestellt.

Die Mälzerei
Alte Mälzerei – Blick auf die Piazza

Im Jahre 1936 verarbeiteten hier 84 Arbeiter und Angestellte in den Wintermonaten – in Sommer wurde nicht gemalzt – mehr als 150.000 Zentner Gerste wurden hier in der Saison zu gerösteten Malz verarbeitet. Die Darren-Türme prägen bis heute die Dachlandschaft der Alten Mälzerei und wurden aufwändig saniert und als Industriedenkmal erhalten. Eine Darre diente dem Trocknen der gekeimten Gerste, die unter Beachtung bestimmter Temperaturen und Feuchtigkeitsgehalte aufbereitet wurde und so den Charakter des Bieres bestimmt.
In der Zeit des Nationalsozialismus waren in Nebengebäuden Zwangsarbeiter untergebracht. 1945 wurde die Mälzerei stillgelegt. Später wurde der burgenähnliche Gebäudekomplex von der Handelsorganisation der DDR bis ca. 1977 als Lager genutzt. Danach standen die Gebäude lange Zeit leer und verfielen. Das Betreten war zeitweise lebensgefährlich, das Dach war teilweise eingestürzt und eindringendes Regenwasser zerstörte einzelne Gebäudeteile.
Für das Gelände der Alten Mälzerei gab es ab 2004 neue Pläne – aber erst 2007 fand sich ein geeigneter Investor. Die Nürnberger Firma Terraplan kaufte das 12.500 Quadratmeter große Areal des früheren Schultheiss-Gelände für knapp fünf Millionen Euro. Weitere 20 Millionen Euro hat die aufwändige und detailreiche Sanierung und der denkmalgerechte Umbau gekostet.
Die Mälzerei wurde in 2 Bauabschnitten seit 2008 restauriert und im Jahr 2011 mit letzten Ausbauarbeiten fertiggestellt.
Im 1 Abschnitt wurden die „Hesperidenhöfe“ und die „Floratürme“ saniert. Dazu wurde eine gemeinsame Tiefgarage mit 80 Stellplätzen gebaut, deren Zufahrt in der Neuen Schönholzer Strasse liegt.
Im 2. Bauabschnitt wurden die ehemalige „Tenne Ost“ und die Darren der Alten Mälzerei saniert. Ferner die „Minervasuiten“ und die „Pomonagärten“ entstanden. Auf dem Dach der Tiefgarage befindet sich eine Piazza mit einem kleinen Amphittheater. Die Piazza wird inzwischen zeitweilig für Kulturveranstaltungen wie die „Mälzereikonzerte“ genutzt. Die der griechischen Mythologie entlehnten Namensgebungen unterstreichen den exklusven Charakter der neu entstandenen Wohnanlage und machen die Neue Schönholzer Strasse zu einer der ersten Adressen im Bezirk Pankow.

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m/s