Freitag, 18. August 2017
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Anschlag auf Europa

EU-Kommission in Brüssel flaggt Halbmast

/// Kommentar /// – Die heutigen Terroranschläge in Brüssel haben Europa und die Welt erschüttert. Viele Menschen sind tot, noch mehr sind verletzt. Als die Meldungen heute über die Ticker gingen, wurde die Artikelplanung der Redaktion kurzfristig geändert. Ohne direkten Zugang zu Nachrichtenquellen in Belgien erschien es zunächst vernünftig, inne zu halten. Vorschnelle Kommentierungen sind wenig hilfreich – die Thematik muß mit Sorgfalt behandelt werden.

EU-Kommission in Brüssel flaggt Halbmast
EU-Kommission in Brüssel flaggt Halbmast – Foto: The European Union official press release

Ursprünglich war ein Beitrag zum Thema Zuwanderung geplant. Gleichzeitig liegen neue Arbeitspapiere zur Sicherheitspolitik vor, die auch das Thema IS behandeln. Angesichts des Terrors und der Anschläge auf Menschen in der europäischen Hauptstadt muss zunächst Solidarität und Mitgefühl mit unserem EU-Partnerland und unseren EU-Mitbürgern und den Opfern bekundet werden.

Es ist ein Anschlag auf Europa verübt worden, ein Terror wird ausgeübt, dem man sich entgegen stellen muss.

Es wäre leicht, zu sagen, wir sind im Krieg! – Doch so leicht ist es nicht!

Die Herausforderung durch den Terror muss vor allem als geistige Herausforderung begriffen werden, denn dem radikalen Islamismus wachsen hydragleich immer neue Häupter, wenn wir uns als Feindbild selbst „reproduzieren“.

Unsere Aufgabe: Mechanismen des Terrors dekonstruieren!

Die größte geistige und politische Herausforderung ist es, dem Islamismus die „Feindbildprojektion“ wegzunehmen! Es ist auch eine hoch emotionsbelastete Herausforderung, weil wir mit Wut, Rache und Vergeltung genau in jene Falle laufen, die schon Osama Bin Ladin den westlichen Gesellschaften stellen wollte.

Die tiefe moralische Haltung von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Flüchtlingen in der Not Zuflucht zu bieten, hat die unselige Kette der Feindbild-Projektionen ein paar Wochen unterbrechen können. Das Verständnis der unterschiedlichen Kulturen wächst damit. Doch alte nationale Muster leben bei uns wieder auf. „Zurückbomben“ wird gefordert.

Doch genau diese Fehler dürfen sich nicht wiederholen. Wir müssen dem radikalen Islamismus die geistigen und medialen Projektionsmuster entziehen, mit denen junge Menschen verführt und indoktriniert werden.

Der Islamismus gehört nicht zum Islam

Eine Erkenntnis wächst überall: der Islamismus gehört nicht zum Islam. Und der Islamismus gehört auch nicht auf den Planeten!

Doch wir müssen auch anerkennen, wo wir selbst für den Zorn wütender junger Männer sorgen! Die Dialektik des Konfliktes und die bestehenden komplexen Konfliktpotentiale müssen begriffen – und bearbeitet werden. Unser übersteigerter Ökonomismus sorgt für eine geistige Verödung von Menschen, die erst flüchten und dann jahrelang ohne Perspektive in Lagern leben müssen.

Wir müssen die radikale Wut in den Köpfen junger Männer frühzeitig durch Bildung am Entstehen hindern, bevor sich Hassprediger in die Sozialisation einmischen. Eine Jahrhundertaufgabe für die ganze arabische und muslimische Welt.

Tatsächlich haben wir heute alle Mittel in der Hand, um Konfliktpotentiale abzubauen.

Wir könnten sichere Städte und Siedlungen bauen, und Landwirtschaft sichern – statt Zelte und UN-Hungerhilfen zu geben, die geistige Leere und Wut reproduzieren. Wir könnten unser Helfer- und Betreuungsperspektive in Frage stellen, und Kollaboration und Zusammenarbeit entwickeln. Zuversicht muß gepflegt und entwickelt werden! Zuversicht und Sicherheit setzen Aufbaukräfte frei.

Wir könnten auch ein weißes Zelt des Friedens mitten in der Wüste aufstellen, und über Facebook und Twitter einladen – zum Dialog. Und dabei auf die alten muslimischen Traditionen vertrauen – und unsere christlichen Traditionen.

Gastfreundschaft und Feindesliebe sind womöglich nur von unserer Medienwelt verschüttet – aber noch nicht ganz fort.

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