Donnerstag, 17. August 2017
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Ask the Donald a question

AfD Abwegig falsche Denkmuster

/// Glosse 4.0* /// – Der britische Computerpionier Alan Turing formulierte 1950 einen berühmten Test“Kann sich ein Mensch mit einem Computer unterhalten, ohne dass der Mensch merkt, dass es sich bei seinem Gegenüber um einen künstlichen Gesprächspartner handelt?“

Die Frage wurde zur wissenschaftlichen Herausforderung und treibt die Entwicklung von künstlicher Intelligenz voran. Heute kann man den Ergebnissen im Alltag begegnen: Anrufcomputer, Avatare in Computerspielen und Gesprächs-Roboter, Chat-Bots genannt, erobern das Internet und die Welt der mobilen Dienste und Apps.

Begonnen hatte es u.a. mit dem US-Amerikaner Kenneth Colby, der schon vor einem halben Jahrhundert einen „künstlichen Geisteskranken“ programmierte, der mit den Vorstellungen und Ängsten einer echten Patientin gefüttert wurde.

Colby übertrugt diesen Ansatz auf das „Elektronengehirn“ Parry, und verlieh ihm die Persönlichkeit eines Patienten mit paranoider Schizophrenie. Psychotherapeuten, die sich mit Parry per Teleprinter unterhielten, konnten nicht zwischen dem Computer und echten Patienten unterscheiden. Colbys künstlicher Patient war wohl eines der frühesten Exemplare eines „Chatbots“ – eines Programms, das menschliche Unterhaltung imitiert.

Seit 1991 wird vom amerikanischen Unternehmer Hugh Loebner der Loebner-Preis vergeben, bei dem Wettbewerb treten Chatbots gegen Menschen an, um vier Schiedsrichter zu foppen und den Turing-Test zu bestehen – gegebenenfalls mit abruptem Ende, wie der Informatiker Paul McKevitt von der University of Ulster in Irland erklärt: „Wenn alle vier Richter vom Programm getäuscht werden, ist der Wettbewerb vorbei – und er wird danach nie wieder stattfinden.“

Doch seit Begínn 1991 wird immer nur eine Bronzemedaille verliehen, an Chatbots, die einer menschenähnlichen Unterhaltung am nächsten kamen. – Doch alle Bronze-Gewinner haben noch immer die gleiche Funktionsweise:
Der Programmierer sieht sich die Aufzeichnung der Dialoge durch und sucht nach Stellen, an denen der Chatbot nicht ganz richtig geantwortet hat und schreibt eine bessere Antwort, um auch diesen Input in Zukunft abzudecken.

Chatbots müssen heute Hunderttausende von Satzstücken kennen. Trotzdem entlarven die Schiedsrichter beim Loebner-Preis die Software sehr schnell mit Fangfragen wie: „Würde es weh tun, wenn ich dich mit einem Handtuch erstäche?“
Doch die Richter haben einen Vorteil: sie wissen dass sich hinter einem der zwei gezeigten Chatfenster mit Sicherheit ein Computer befindet. Fehlt dieses Vorwissen, können Menschen länger getäuscht werden.

Chatbots in die Politik?

Im kommenden Bundestagswahlkampf will die AfD auch Chatbots in sozialen Netzwerken einsetzen, Social Bots genannt.

„Selbstverständlich werden wir Social Bots in unsere Strategie im Bundestagswahlkampf einbeziehen“, sagte Vorstandsmitglied Alice Weidel gegenüber dem „Spiegel“. „Gerade für junge Parteien wie unsere sind Social-Media-Tools wichtige Instrumente, um unsere Positionen unter den Wählern zu verbreiten.“

Es könnte aber sein, Wähler werden abgeschreckt, weil das wohl kaum dem „völkischen Markenkern“ der Partei entspricht, wenn Wahlkampf mit in USA programmierten Chatbots gemacht wird.

In USA ist es allerdings gab und gäbe – und man analysiert dazu die Redeweise und Rhetorik aller Kandidatinnen und Kandidaten.

Interessant ist es, wenn es live im Netz von jedem ausprobiert werden kann.

Drumpfbot : Ask The Donald

Nehmen wir zum Beispiel den US-Präsidentschaftskandidaten Donald S. Trump, auch „the Donald“ genannt. Ein paar politische Spaßvögel haben die Herausforderung angenommen und einen Chatbot programmiert, der im Online Dialog Fragen zum Motto MAKE AMERICA GREAT AGAIN beantwortet.

https://www.donalddrumpfbot.com/

Die Ankündigung der AfD setzt nun weltweit einen Wettbewerb um die besten AfD-Bots in Gang, auch Spracherkennungs-Apps werden auf den Markt kommen, um AfD-Bots zu enttarnen. So treibt die AfD den Innovations-Wettbewerb an – und schafft es, die Politik der Parteí zu „virtualisieren“, bis sie vollends im Datenraum entschwindet …

Jeder Nerd und jeder Power-Chatter kann übrigens mit Heimwerker Ausstattung mitmachen, in dem die Autokorrektur-Funktion eines Textprogramms mit „Standard-Korrektur-Phrasen“ gefüttert wird.

Auf die Zeichenfolge W? wird etwa eine Standardfrage gelegt: „Wie völkisch ist das denn?“ – Auf die Zeichenfolge ShR kommt „Sie haben rechts, aber ich wähle sie nicht, weil sie nicht ganz echt sind!“

* Glosse 4.0 © ein innovatives urheberrechtlich geschütztes Format mit mindest einem Referenzlink zu irgendeinem irren Phänomen im Internet, das in digitalisierter Form auftritt, und auch in der Digitalen Agenda der Bundesregierung im Kleingedruckten nicht auffallen würde!

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