Samstag, 16. Dezember 2017
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Atelierhaus im Schwebezustand

Atelierhaus Prenzlauer Promenade 149-152

Das langgestreckte Atelierhaus in der Prenzlauer Promenade 149-152 wird vom Liegenschaftsfond der Stadt Berlin verwaltet. Es befindet sich nach wie vor im Schwebezustand zwischen Abriss und Erhaltung. Der Plattenbau der früher für die Akademie der Wissenschaften der DDR gebaut wurde, verfällt äußerlich.

Atelierhaus Prenzlauer Promenade 149-152
Atelierhaus Prenzlauer Promenade 149-152

Marode Zugangstreppen und einige Türeingänge sind zum Teil gesperrt. Die von gläsernen Fensterbändern bestimmte Fassade ist längst ein Sanierungsfall. Unter Gesichtspunkten der Energieeinsparung ist die Fassade kaum wirtschaftlich sanierungsfähig.

Preiswerter Atelierraum

Doch es gibt hier preiswerte Räume, deretwegen sich hier zahlreiche Künstler und einige Firmen niedergelassen, und hier Ateliers und Platz gefunden haben.
Seit 2012 wird um die Immobilie gekämpft, der Bau ist inzwischen Prüfstein für die neue Berliner Liegenschaftspolitik.

Die rund 70 Künstler haben seit 2012 für den Erhalt geworben, und stadtweit mobilisiert. Inzwischen ist das Gebäude auch auf der vom Deutschen Kulturrat geführten „Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen“.

Im Blog des Atelierhauses sind die jüngere Geschichte, die Problemlagen und Aktivitäten im Kampf gegen das drohende Aus nachlesbar.

Bezirkspolitik für Kulturstandort

Die Pankower Bezirkspolitik hat sich bisher für den Erhalt als Kulturstandort ausgesprochen, auch wenn man selbst nicht über die finanzielllen Mittel verfügt, um das Gebäude zu sanieren und zu betreiben.
Die Theateraufführung „Spuk im Hochhaus“ sollte die Nutzungsidee bekräftigen – doch von einer wirtschaftlich tragfähigen Lösung ist man bisher noch immer weit entfernt.

Zwischenzeitlich hat der Liegenschaftsfonds der Stadt den Abriss geplant, nachdem man vorher noch Hoffnungen gestreut hatte. Kolportiert wurde, dass der Liegenschaftsfonds die Fläche an eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft verkaufen will, damit dies hier dringend benötigte Sozialwohnungen bauen kann.
Doch angesichts der Altbausubstanz und der widerständigen Nutzerinteressen hat sich bislang keine Wohnungsbaugesellschaft an das Objekt herangewagt.

BVV-Pankow weiter für den Erhalt des Atelierhauses

In der 21. BVV-Tagung am 5.3.2014 stand der „Schlussbericht – Atelierhaus Prenzlauer Promenade 149 – 152“ erneut auf der Tagesordnung und wurde nachrichtlich behandelt:

„In Erledigung des in der 13. Sitzung am 06.03.2013 angenommenen Empfehlung der Bezirksverordnetenversammlung – Drucksache Nr.: VII – 0364/2013

„Die BVV Pankow spricht sich für die dauerhafte Erhaltung des Atelierhauses Prenzlauer Promenade 149 – 152 aus. Das Bezirksamt wird ersucht, sich gegenüber dem Senat und dem Liegenschaftsfonds Berlin für folgende Punkte einzusetzen:

  1. Erhaltung der bestehenden Ateliers in der ehemaligen Akademie der Wissenschaften Prenzlauer Promenade 149 – 152.
  2. Ausweitung der Ateliernutzungen in dem Gebäudekomplex und Prüfung der Finanzierung durch das Atelierprogramm.
  3. Bereitstellung eines ausreichenden Angebots von Atelierräumen für Künstlerinnen und Künstler, die nicht durch das
    Atelierprogramm gefördert werden können.
  4. Entwicklung eines Nutzungskonzepts für das Grundstück Arnold Zweig Straße 1/Prenzlauer Promenade 149 – 152 und der Suche nach einem geeigneten Träger für das Atelierhaus.
  5. Dabei sind die Bezirksverordnetenversammlung und der Berufsverband bildender Künstler Berlin e. V. (bbk berlin e. V.) sowie VertreterInnen der KünstlerInnen zu beteiligen.

Neue Nutzungsansprüche bauen sich auf

Das rasante Stadtwachstum führt auch im benachbarten Neubauviertel rund um die Arnold Zweig Straße zu einem weiter wachsenden Infrastrukturbedarf.
Deshalb heißt es im „Schlußbericht“:

„Das Bezirksamt wird weiterhin ersucht zu prüfen, ob durch den entstehenden Wohnungsneubau im umgebenden Stadtquartier ein zusätzlicher Bedarf an Gemeinbedarfsflächen, z. B. für eine Kindertagesstätte oder Schule, entsteht. Dabei sind die Neubaupotentiale auf dem Grundstück zu untersuchen. Es ist zu prüfen, ob und wie ggf. eine öffentliche Einrichtung in dem Gesamtkonzept zu integrieren wäre.“

Pankows Position gegenüber dem Finanzsenator

Das Bezirksamt Pankow strebt eine weitere Einflußnahme auf die künftige Verwertung des Grundstücks an. Deshalb heißt es im Schlußbericht:

„Das Bezirksamt Pankow wird weiterhin alle Möglichkeiten ausschöpfen, um das Grundstück für den angemeldeten Fachbedarf zu sichern. Im Rahmen des Steuerungsausschusses des Liegenschaftsfonds wird der Bezirk eine Vermarktung des Grundstückes ablehnen.“

Rona Tietje, BVV-Fraktionsvorsitzende der SPD ergänzte noch in einem Redebeitrag, … „der Schlußbericht“ ist eigentlich ein Zwischenbericht!“.

Allen Beteiligten ist klar, der Schwebezustand wird noch eine ganze Weile anhalten.

Städtebauliche Neubewertung für das Stadtviertel an der Prenzlauer Promenade?

Auf dem Grundstück des Atelierhaus Prenzlauer Promenade 149 – 152 ist viel Platz. Rund 400 Wohnungen könnten hier gebaut werden, aber auch eine Kita und eine Schule.
Die breiten Parkplätze, die dem Gebäude an der Prenzlauer Promenade vorgelagert sind, folgten dem in der Vergangenheit entwickelten Konzept der autogerechten Stadt und des funktionalen Städtebaus.
Die Lage an der Magistrale Prenzlauer Promenade mag dabei eine Rolle gespielt haben, weil man an derartigen Hauptverkehrsstrassen auch eine ausreichende Belüftung benötigt.

Doch aus heutiger Sicht ist die räumliche Grundstücksausnutzung schlecht, eine reine Platzverschwendung. Eine städtebauliche Neubewertung des gesamten, locker bebauten Stadtviertel deutet sich längst an.

Für die Weiterentwicklung des Atelierhaus in der Prenzlauer Promenade 149 – 152 bleibt damit nicht mehr viel Zeit: Pankow benötigt in den nächsten Jahren neue Schulen und Kitas, und muß sämtliche landeseigenen Flächenreserven mobilisieren.

Der Druck steigt, doch noch gibt es kein kreatives städtebauliches Konzept, das Kultur, Wohnen, Kita und Schule vereint. m/s

Weitere Informationen:

Was wird aus dem Atelierhaus? 30. 1. 2013 – Pankower Allgemeine Zeitung

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m/s