Montag, 18. Dezember 2017
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Auf Augenhöhe mit Giraffen

Giraffe auf Augenhöhe

/// Kommentar/// – Zoodirektor Andreas Knieriem hat große Pläne. Inzwischen versucht er für seine neuen Ideen zu werben, und stellt immer mehr große und kleine Schritte und Bauabschnitte vor. Auf die Idee, die Berlinerinnen und in Berliner in einem Ideenwettbewerb einzuladen ist der Macher Knieriem allerdings noch nicht gekommen.

Giraffe auf Augenhöhe
Giraffe auf Augenhöhe – Foto: Zoo Johannesburg, Press-Release

Eine Erweiterung der Eingänge, ein Zoo-Shop, das sind Ideen die gut funktionieren können, eigentlich Selbstverständlichkeíten. Ob eine neue Dachmarke „Zoologische Gärten Berlin“ mehr Erfolg bringt, ist fraglich, denn zwei weit auseinander liegende Liegenschaften sind kein echter Anlaß für einen Zoo-Doppelbesuch in Charlottenburg und Friedrichsfelde.

Auf die Idee, einen S-Bahnhof am Tierpark zu bauen, und eine Pendelverbindung mit der Panorama-S-Bahn zu schaffen, ist Knieriem auch noch nicht gekommen. Aber die Dimension einer solchen Idee wäre wohl „metropolenhaft“ – eine weltweit sichtbare Attraktion.

Witziger ist die Idee, sich im 110 Hektar großen Tierpark Friedrichsfelde auf eine „Reise um die Welt“ begeben zu können, und etwa im Afrika-Revier auf einen Turm zu steigen, um Giraffen auf Augenhöhe begegnen zu können.

Auch die Idee „Farmen der Welt“ hat viel Charme, die Vielfalt der Nutztiere und ihre Haltung schafft ein neues Bewußtsein für die Welt und Mitwelt in der wir leben, die uns auch ernährt. Das Theme artgerechter Tierhaltung liegt damit so nahe, wie gesunde Ernährung.

Das Wegenetz soll künftig mit Shuttle-Fahrzeugen erschlossen werden – ein Vorhaben, das er sich aus anderen Zoos abgeschaut hat. Offen bleibt, ob das „Erlebnis-Safaris“ werden, oder ob es vielleicht auch ein Modellprojekt für Elektromobilität und für Inklusion von gehbehinderten Menschen werden kann.

Knieriem will viel Geld investieren, es wird viele Millionen Euro kosten, bis vor allem der Tierpark Friedrichsfelde mit seinen rund 270 Gebäuden modernisiert und attraktiv hergerichtet ist. Eine wirtschaftliche Erfolgsgarantie ist das aber nicht.

Knieriem sieht für die geplanten Maßnahmen ein bis zwei Jahrzehnte Realisierungszeit, der heute 48-jährige Andreas Knieriem wäre dann bereits im Rentenalter – acht Jahre älter als sein Amtsvorgänger.

Doch reicht so ein GesamtKonzept aus? Ist hier erneut ein Egomane am Werk, der einen anderen Autokraten Bernhard Blaszkiewitz abgelöst hat? Im Tierpark sind die Mitarbeiter längst unzufrieden, ein Zettel mit „Knieriem Go Home“ wurde unlängst im November in der BZ-Berlin geoutet.

Muß man in Berlin vielleicht anders planen? Bei durchschnittlich 170 Regentagen im Jahr braucht man auch Ideen, wie die ganzjährige Auslastung bei Regenwetter funktionieren kann. Ideenwettbewerbe, Bürgerbeteiligung – ist das etwa weltfremd?

Kann man nicht auch bewährte Berliner Ideen weiter entwickeln, und so Besuchererfolg und wirtschaftlichen Betrieb verbinden?

Die in Berlin in den achtziger Jahren gegründeten Freilandlabore wurden etwa zu „grünen Klassenzimmern“, die aus den Schuletats der Bezirke mitfinanziert wurden. Lässt sich so ein Modell nicht erneuern, damit künftig viele Schulklassen ihre Biologiestunden und Projekttage im Zoo oder Tierpark einrichten? Fehlt vielleicht auch Tierkino, mit großzügigen Tierfilm und Lehrschauen für Universitäten und Volkshochschulen? Muß der Zoo der Zukunft vielleicht auch weltweit mit Biotopen vernetzt sein, und Echtzeiterlebnisse medial einbinden?

Kann man vielleicht auch eine Patenschaft mit der BSR eingehen, die auf 145 Hektar beachtliche Straßenreinigungsgebühren erzielt?

Vor allem aber fehlt eine über den Tag hinaus reichende Zukunftsperpektive, denn bis zum Jahr 2050 wächst die weltweite Not im Biotop- und Artenschutz, viele Tierarten geraten noch in Gefahr des Ausssterbens.

Wie sieht es mit Nachhaltigkeit und Artenschutz aus? Ist das nicht auch ein Spenden- und Stiftungsthema? Muß ein Zoo vielleicht künftig auch weltweite Partnerschaften eingehen, um Biotope und Arten zu retten? Kann das nicht auch Millonen-Spender animieren?

Andreas Knieriem muß sich fragen lassen, ob ein Zukunftskonzept für den Zoo der Metropole Berlin nicht viel mehr Umsicht und auch Weitsicht braucht? Ist ein Zoo künftig touristischer Erlebnispark und Besuchermagnet – oder auch etwas mehr?

Die Frage ist zu stellen: muß ein Zoo der Zukunft nicht auch so etwas wie eine Arche sein?

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m/s