Mittwoch, 13. Dezember 2017
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Autobahnanschluß Karow/Buch vom Tisch

Geplante Autobahnanschlußstelle Karow / Buch vom Tisch

Die lange umstrittenen Planungen für einen neuen Autobahnanschluß Buch / Karow sind vom Tisch. Jüngste Verkehrsstudien und eine Fachstellungnahme der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt vom 13. Mai 2013 kommen zu dem Schluß: „Umsetzung der Maßnahmen des StEP Verkehr und keine Weiterverfolgung einer zusätzlichen Anschlussstelle an die A 10 im Bereich Karow / Buch.

Geplante Autobahnanschlußstelle Karow / Buch vom Tisch

Für die Bürgerinitiative Kontra AS Karow / Buch hat sich der mehrjährige Einsatz gelohnt. Carsten Reichert betonte gestern: „Das ist ein großer Erfolg für die Bürgerinitiative und die SPD-Karow-Buch, die sich hier von Anfang an vehement gegen eine Planung einer Autobahnanschlußstelle gewendet hatten. Mit der Fachstellungnahme vom 13. Mai 2013 ist das Vorhaben endgültig erledigt“.

Carsten Reichert äußerte sich gegenüber der Pankower Allgemeinen Zeitung am Rande einer Pressekonferenz in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, in der es ein anderes wichtiges Thema geht: Baubeginn des sechsspurigen Ausbaus der A10, der im Juni 2013 mit zwei Vollsperrungen beginnt.

Vorgeschichte:

Ziel der Berliner Stadtplanung ist nachhaltige Verbesserung der Verkehrsanbindung des Medizin- und Wissenschaftscampus Buch. Der international führende Standort für Medizin- und Gentechnik soll besser an das Stadtgebiet angeschlossen werden und auch zukunftsfähige Verbindungen zum künftigen Großflughafen erhalten.

Der Stadtentwicklungsplan Verkehr (StEP Verkehr) sieht dafür ein Maßnahmenpaket vor, das die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes im Planungsraum Karow-Buch erheblich verbessert, und bestehende Engpässe an Durchgangsstraßen, Knotenpunkten, Brücken und Überführungen beseitigt. Im Rahmen der Planungen gab es seit 20009 Vorschläge für den Bau einer zusätzlichen Autobahnanschlußstelle Karow / Buch auf Höhe der Bucher / Karower Chaussee.

Nachdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in den vergangenen Jahren einen Autobahnanschluss Buch / Karow stets als überflüssig und städtebaulich unverträglich ablehnte, gab es mit der neuen Senatskoalition zwischen SPD und CDU im Herbst 2011 eine überraschende Kehrtwende. Auf Druck der CDU wurde im Koalitionsvertrag vereinbart, dennoch eine neue Anschlussstelle Berlin-Buch zu planen.
Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat sich noch im Frühjahr 2013 bei einem Besuch in Buch persönlich für den Bau einer zusätzlichen Autobahnanbindung ausgesprochen.

Die Gegner führten an, dass die verkehrliche Anbindung mit einem S-Bahnhof und vier Anschlussstellen an drei verschiedene Autobahnen innerhalb eines Umkreises von 5-7 km Entfernung schon jetzt mehr als ausreichend ist. Auch das Bundesverkehrsministerium sah keinen Bedarf für eine weitere Anschlussstelle und hat deshalb bereits 2004 eine Finanzierung abgelehnt.

In Abstimmmung mit dem Bezirk Pankow wurden 2012 zwei Studien in Auftrag gegeben, in deren Ergebnis die Fachebene der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nach einem ausführlichen Variantenvergleich eine neuen Abwägung vornahm.

Fachvotum in Abwägung aller Belange:

„Eine neue Anschlussstelle an der A 10 auf Höhe der Bucher Chaussee – Karower Chaussee wäre technisch realisierbar und bezüglich der Wirkungen (vermutlich) beherrschbar. Allerdings sind die zusätzlichen positiven Effekte (begrenzte Reisezeitgewinne, kaum Änderungen der Erreichbar keiten) unverhältnismäßig im Vergleich zu den negativen Wirkungen (vor allem städtebaulich und bezüglich der zusätzlichen Verkehrs- und Umweltbelastungen) und der Folgemaßnahmen, die das Vorhaben bedingen würde (4-spuriger Ausbau der Bucher Ch. – Karower Chaussee – inkl. Knotenpunkte – mind. im Abschnitt zwischen Achillesstr. und Lindenberger Weg – mit deutlichem Heranrücken an bestehende und geplante Wohnbebauung). Profitieren würden speziell Quell- und Zielverkehre des Wirtschaftsverkehrs nach Buch, Fahrten von Privatpersonen würden durch das Vorhaben lediglich andere Routen / Trassen wählen. Die Reisezeitgewinne vom Campus zum BER betrügen 6 Minuten gegenüber Planfall StEP Verkehr, für andere Ziele ergäben sich lediglich Reisezeitgewinne von 2-3 Minuten.

Es wurde der Nachweis erbracht, dass die Maßnahmen des Stadtentwicklungsplans Verkehr (Senatsbeschluss 03/2011) im Realisierungsfall weitgehend die Situation vor Ort verbessern. Alleine hieraus ergäben sich Reisezeitgewinne von bis zu 5 Minuten zu ausgewählten wichtige
n Zielräumen (Vergleich zu 2008). Dies betrifft ins besondere die Anbindung an das übergeordnete Straße nnetz und die damit verbundene Erreichbarkeit des Untersuchungsgebietes. Karow-Buch ist bereits heute durch vorhandene Anschlussstellen an die A 10, A 11 und A 114 gut erreichbar.
Ein Verzicht auf die Umsetzung eines Teils oder aller StEP-Maßnahmen in diesem Raum und eine Realisierung lediglich der in Diskussion stehenden Anschluss stelle hätte allerdings die Folge einer zusätzlichen Verkehrsnachfrage an dieser Stelle, die Planungsrechtlich wegen der Konfliktverschärfung vermutlich nicht mehr zu bewältigen wäre.“

Daneben empfiehlt die Fachebene die Umsetzung der Maßnahmen des StEP Verkehr:

„Die Weiterentwicklung des Straßennetzes sollte sich deshalb in Bezug auf Netzerweiterungen auf die Maßnahmen des Stadtentwicklungsplans Verkehr (u.a. 6-streifiger Ausbau A 10 mit Umbau AD Pankow und Barnim (in Bau),Straßenverbindung B2-Karow, Vollanschluss Bucher Str., Durchbindung Max-Burghardt-Str.) beschränken. Darüber hinaus werden Anpassungen zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit von Strecken und Knotenpunkten im bestehenden Netz erforderlich sein.
Zur Verbesserung der verkehrlichen Gesamtsituation ist neben der Umsetzung der Maßnahmen des Stadtentwicklungsplans Verkehr (insbesondere auch der Maßnahmen zum öffentlichen Verkehr) besonderes Augenmerk auf den – heute mit erheblichen infrastrukturellen Defiziten konfrontierten – Fuß- und Radverkehr zu legen.“

Bürgerinitiative Kontra AS Karow BuchAutobahnanschlußstelle Karow Buch ist vom Tisch – Logo der Bürgerinitiative

Erfolg der Bürgerinitiative Kontra AS Karow-Buch

Die Bürgerinitiative Kontra AS Karow-Buch hat sich gemeinsam mit den Verkehrsplanern gegen autofreundliche Pläne durchgesetzt und letztlich die Politik und auch Autobefürworter überzeugt.
Im Bezirk Pankow gab es dazu eine breite Unterstützung seitens SPD-Pankow, Bündnis90/Grüne, Die Linke und viele örtliche Unterstützer.

Sechspuriger Ausbau und aktuelle Baumaßnahmen an der A 10

Nach den ersten Verkehrseinschränkungen für den sechsstreifigen Ausbau der BAB 10 seit Mitte Februar 2013 geht der Ausbau im Juni mit zwei Vollsperrungen in die nächste Phase. Nachdem seit 2009 mehrere Brücken erneuert wurden, und drei Bahnbrücken im Jahr 2012 erneuert wurden, soll nun der sechsspurige Ausbau fortgeführt werden.

Insgesamt 5 Kilometer Autobahn-Abschnitt zwischen den sollen vollständig erneuert und bis 2015 sechsspurig ausgebaut werden. Dafür werden insgesamt 64,5 Mio. € aufgewendet werden.

Die Autobahn wird einschließlich aller Brücken, Lärmschutz- und Entwässerungsanlagen im Generalauftrag gebaut. Bauausführendes Unternehmen ist die Firma Mathäi aus Velten. m/s

(Hinweis: über die Sperrungen und den Brückenabbruch am kommenden Wochenende inforiert ein gesonderter Artikel am 30.5.2013)

Weitere Informationen:

Bürgerinitiative www.kontra-as-karow-buch.de

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m/s