Freitag, 20. Oktober 2017
Home > Baugeschehen > Bayern schaffen das!

Bayern schaffen das!

Flüchtlingsunterkünfte in Königsbrunn

An den bayrischen Grenzen hält der Flüchtlingsstrom weiter an. Während Ministerpräsident Horst Seehofer ein um das andere Mal um mehr Hilfen und eine Schließúng der Außengrenzen nachsucht, machen bayrische Zimmerer und Architekten längst „Nägel mit Köpfen“. Der Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks hat schnell reagiert und schon vor Wochen eine neue Webseite www.schneller-wohnraum.de geschaltet, auf der der typische mittelständische Weg zum Bauen von Flüchtlingswohnungen gezeigt wird.

Flüchtlingsunterkünfte in Königsbrunn
Flüchtlingsunterkünfte in Königsbrunn in Holzständerbauweise : Foto: ZIMMERERVERBAND

In nur drei Monaten entstand im bayrischen Königsbrunn eine ganze Siedlung in Holzständerbauweise, eine der effektivsten Baumethoden, weil sie industrielle Element-Vorfertigung und schnelle Montage auf einer weitgehend „sauberen Baustelle“ erlaubt.

Günther Hartmann, Pressereferent beim bayrischen Landesinnungsverband in München, gab bereitwillig Auskunft. Die typischen Firmen im bayrischen Holzbau haben nur 6-8 Mitarbeiter und haben schnell auf die neue Nachfrage reagiert. Nur einige wenige Holzbaufirmen verfügen über rund 100 Mitarbeiter. Der schnelle Anstieg der Nachfrage wird nun genutzt, die Kooperation und Koordination der mittelständischen Firmen zu verbessern.

Der Fachverband hat sich auch in sensibler Weise mit dem Problem der Unterbringung von Flüchtlingen befasst und lässt dies auch in seinen ganz pragmatischen Hinweisen erkennen.

Gute Lösungen sind gefragt

„Was jetzt gefragt ist, sind vernünftige Lösungen für eine adäquate Unterbringung der Flüchtlinge. Denn die Provisorien sind ausgeschöpft, haupt- und ehrenamtliche Helfer arbeiten am Limit und der Winter steht vor der Tür.

Tausende von Flüchtlingen sind erschöpft und die Kommunen in Bayern beraten zusammen mit den Bezirksregierungen über deren Unterbringung in den Metropolen und im ländlichen Raum. Ein Thema, dass Fingerspitzengefühl verlangt, ist die Wahrung des Friedens vor Ort. Unsachgemäße Lösungen führen zu Spannungen. Dabei geht es nicht nur um Haushaltsmittel und Verwaltungswege, sondern um die Willkommenskultur und das soziale Gefüge sowie das Erscheinungsbild vor Ort. Wie also müssen geeignete Unterkünfte aussehen, um dem gerecht zu werden?“

Die Unterbringung in Containern wird kritisch gesehen. Die Zimmererinnung rät zu langfristigen Denken:

„Wohnraum errichten heißt, mittel- bis langfristig finanzieren. In die rein zahlenmäßigen Renditeüberlegungen müssen auch ausgabenwirksame Kriterien wie Gebäudeunterhalt, Wartung, Nutzungsänderung und Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit in Betracht gezogen werden. Und darüber hinaus dürfen die Dorfentwicklung und insbesondere das Erscheinungsbild des Dorfes nicht außer Betracht gelassen werden.“

Praxisbeispiel aus Königsbrunn

In einem Video wird auch ein Praxisbeispiel aus der bayrischen Gemeinde Königsbrunn gezeigt: Acht Wohnhäuser in solider Holzbauweise bieten Raum für bis zu 120 Menschen. Die Neubauten eignen sich sowohl für die Erstaufnahme als auch für ein dauerhaftes Zuhause. Die Gesamtfläche ist nach den Grundsätzen eines geordneten Wohnungsbaus überplant und genehmigt.

Interessant ist dabei die ruhige und gelassene Sprache von Josef Maier, Geschäftsführer der ausführenden Firma Gumpp & Maier Gmbh, der über das Vorhaben Auskunft gibt. „Die Herausforderung bestand darin, acht Häuser in drei Monaten komplett schlüsselfertig an den Auftraggeber zu übergeben!“

Und dann kommt der Satz, der wohl so nur in Bayern gesagt werden kann, als gefragt wird, in welcher Zeit solche Unterkünfte errichtet werden können:

Maier: „Also hier sehe ich nur die Schwierigkeit, dass in gleicher Form und Architektur die Baugenehmigungen zur Verfügung gestellt werden müssen!“ Ganz nebenbei bringt Maier damit das ganze Geheimnis bayrischer Effizienz auf den Punkt!

Holzbau mit Vorbildwirkung

Der bayrische Zimmererverband äußert sich zu den Vorteilen der Bauweise ganz selbstbewußt:

„Moderne Holzarchitektur hat viele Gesichter, die ins Ortsbild passen. Neider unken und wissen sich nicht anders zu helfen als den Vergleich mit Barracken, Schuhschachtel oder Stadel bzw. Schupfen zu bemühen. Das alles ist weit hergeholt und mehr als tradiert. Wer so denkt, der hat sich nicht ausreichend mit den modernen Möglichkeiten von Holzarchitektur und Holzbau beschäftigt. Veröffentlichungen der Obersten Bayerischen Baubehörde www.holz-zeitlos-schoen.bayern.de oder der Holzbaupreis Bayern www.landesbeirat.de zeigen nur die Spitze. Auch bei vielen alltäglichen Bauaufgaben hat sich Bauen mit Holz einen Namen gemacht.“

Die Grundrisse und Beispiele sind inzwischen auch in anderen Bundesländern auf Interesse gestoßen, denn mit der Bauweise sind auch viele sinnvolle wirtschaftliche Effekte vereinbar: Arbeit für lokales Handwerk und für die mittelständische Bauwirtschaft wird geschaffen.

Technisch viele Vorteile, Geborgenheit und Wärme

Die Bauweise bieten viele Vorteile und Synergien:

„Kurze Planungszeiten, modulare Grundrisse, witterungsunabhängige Vorfertigung, extrem kurze Fertigungs- und Montagezeiten, trockener Ausbau sind geldwerte Vorteile für Investoren wie der geringe Heizenergiebedarf und die geringe Wartung während der Nutzung. Zweckmäßige Holzarchitektur und das psychologisch positiv besetzte Material Holz geben den Bewohnern von Holzgebäuden das Gefühl von Geborgenheit und Wärme, was der Willkommenskultur förderlich ist.“

Weitere Informationen:

Landesinnungsverband
des Bayerischen Zimmererhandwerks

Eisenacher Straße 17
80804 München

Tel.: +49 89 360 85-0
Fax.: +49 89 360 85-1 00
E-Mail: info@zimmerer-bayern.com

Save this post as PDF

m/s