Freitag, 20. Oktober 2017
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Benchmarktest: Für Pankow e.V

Smarte Vereine

Im September hat die Redaktion eine Aktion „Benchmarking: Pankower Vereine“ gestartet. Der Begriff des Benchmarking kommt aus der modernen Betriebswirtschaft und beschreibt „einen systematischen und kontinuierlichen Prozess des Vergleichens von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen im eigenen Unternehmen sowie mit denen in fremden Unternehmen in qualitativer und/oder quantitativer Hinsicht.“

Nach Vereinen wird gefragt, weil diese Gemeinnutzen und öffentlich wirksame Wohlfahrtswirkungen entfalten können, und je nach Größe und Leistungsfähigkeit unterschiedlich herstellen, und ggf. erheblich verbessern können.

Kommunalpolitischer Hintergrund

Kommunalpolitischer Hintergrund ist das starke Einwohnerwachstum in Pankow und die aufkommende Alterarmut: die meisten Pankower Vereine halten mit dem Einwohnerwachstum und dem Generationenwandel nicht Schritt, sind gemessen an den Aufgaben strukturell zu klein. Wichtige Potentiale und Bedarfe werden deshalb nicht ausgefüllt. Öffentliche Fördermöglichkeiten können mangels Leistungsfähigkeit nicht genutzt werden. Ausgleichsfunktionen der Vereine für ältere Mitbürger können nicht aktiviert werden.

Zukunftspotentiale von Vereinen grundsätzlich belastet

Unter Berücksichtigung des immer strenger werdenden „Vereinssteuerrechtes“ und des komplizierten „Anwendungserlaß zum Vereinssteuer-Recht“ ist es heute sehr schwierig geworden, Vereine überhaupt stabil und wirtschaftlich zu führen. Dieses „Grundsatzproblem aller Vereine“ schlägt auch auf die Attraktivität von Vereinen durch: Vorstände und Schatzmeister übernehmen praktisch in weiten Teilen „freudlose Kärrnerarbeiten“ in der Vereinsbuchhaltung.

Je erfolgreicher ein Verein dabei arbeitet – desto mehr schwierige Buchhaltung, so lautet das Dilemma. Selbst bei Anwendung moderner Software ist es nur bei einer Professionalisierung der gemeinnützigen Vereinstätigkeit und Führung eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs dauerhaft lösbar.

Paradoxer Ausweg: manche Steuerberater raten heute dazu, per Satzungsänderung die Gemeinnützigkeit abzulegen, und als ideeller Kultur- und Bürgerverein zu arbeiten, der sich nur mit Werbeeinnahmen und Sponsoring-Einnahmen und Mitgliedsbeiträgen finanziert. Die direkte Steuerabzugfähigkeit von Werbe- und Sponsoring-Einnahmen muss dann nur die gewerbliche Leistungen nachgewiesen werden, die im Aufwand und Ertrag angemessen sind.

Infostand des Verein für Pankow e.V.
Infostand des Verein für Pankow e.V. mit Vorsitzenden Thomas Brandt – Foto: m/s

Können Vereine „smarter werden?“

Gefragt wurde: „Wie smart sind die Pankower Vereine? – Wie zukunftsicher sind Vereine aufgestellt? Können Sportvereine sich noch besser durch Sponsoring ausstatten und entwickeln? – Wo liegen Potentiale und Chancen brach?“

Vorstände von drei Pankower Vereinen erhalten in diesen Tagen Informationsbriefe mit einem Fragenkatalog, der Probleme und Chancen anspricht und dabei auch „ans Eingemachte“ herangeht, und die Vereinstätigkeit auf den Prüfstand stellt.

Ziele sind „Problembehebung“ und die Anregung einer Diskussion über einen notwendigen „Bewußtseins- und Chancenwandel“ im wachsenden Bezirk Pankow – und vielleicht auch direkte und positive „Reformschübe“.

Wie leistungsfähig ist der Verein Für Pankow e.V.?

Der Verein für Pankow e.V. steht in besonderer Weise im Brennpunkt: zwischen seinen Satzungszielen und Tätigkeitsbeschreibung gibt es gravierende Widersprüche, die auch Gemeinnützigkeit und Rechtsfähigkeit sowie vorschriftsmässige Vereinsführung berühren. Kurz zusammengefasst: der Verein versteht sich als „Bürgerverein“, hat aber nur die Satzung eines „Kulturvereins“.

Dies wäre kein kommunalpolitisches Problem, stünde der Verein nicht im Mittelpunkt öffentlichen Interesses. Bei ausreichender Leistungsfähigkeit als Kulturverein könnte der Verein auch öffentliche Mittel zur Kulturförderung verwalten, und Künstler und Musiker und Vortragende mit Honoraren fördern.

Das Problem: im Selbstverständnis des Vereins ist ein Entgegennahme öffentlicher Fördermittel bisher nicht vorgesehen. Die für Alt-Pankow wichtige Aufgabe der Kulturförderung wird so selbst immanent ausgebremst.

Festival Jazz im Park
Festival Jazz im Park: erfolgreiches Fetsival mit höchsten Wetter-Risiko – Foto: m/s

Dazu kommt ein grundlegender Konflikt mit „Selbstlosigkeit und Gemeinnützigkeit“ (§ 3, Absatz 2 der Satzung), der das jährliche Erfolgsfestival JAZZ IM PARK belastet und wirtschaftlich sogar gefährdet.

Kurz gefaßt: ein Verein der selbstlos und gemeinnützig tätig ist, und keinen „ideellen Zweckbetrieb“ bei der Veranstaltung eines Kulturfestivals entfaltet, blockiert sich selbst. Vor allem blockiert er ökonomisch Künstler, Musiker und Kreative, die bei der herausragenden Gelegenheit des Festivals keine öffentlichen Honorarmittel für Kulturförderung in Anspruch nehmen können.

Obendrein tritt ein Dauerkonflikt auf, der sich zwischen Selbstlosigkeit der Satzung und überaus honorigen wirtschaftlichen Engagement eines Vorstandsmitglieds als Inhaber einer Veranstaltungsagentur entfaltet. Honorig ist dessen Engagement vor allem deshalb, weil das so erfolgreiche Festival JAZZ IM PARK ein höchst riskantes betriebswirtschaftliches „Wetterrisiko“ beinhaltet.

Problematisch ist das Engagement des Vereins für Pankow e.V. für Ziele der Stadtentwicklung. Die derzeitige Satzung gibt diesen Zweck nicht her – und auch die Selbstlosigkeit steht aufgrund eines prominenten „Sponsors und Mitglieds“ in Frage.

Mit den zugesendeten Fragen werden dem Vorstand des Vereins aktuelle Schwachstellen aufgezeigt. Der bereits veröffentlichte FRAGEBOGEN-CHECK „Benchmarking: Vereine in Pankow“ zeigt auf, mit welcher Detailschärfe Vereine ihre Potentiale heute ausfüllen müssen. Über Antworten, Reaktionen und Verbesserungen wird zu gegebener Zeit berichtet.

Nächster Beitrag folgt am 24.10.2016:

Vereine zwischen Intransparenz und fehlenden Geschäftsmodell: Glashaus e.V. und Pro Prenzlauerberg e.V.

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