Montag, 21. August 2017
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außer Kontrolle

BER seit Ende 2011
außer Kontrolle

Terminal des Flughafen BER / BBI - Foto: Alexander Obst, Marion Schmieding / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Im Untersuchungsausschuß des Berliner Abgeordnetenhauses zum Bauchaos am Großflughafen BER wurde heute der damalige Gesamtprojektleiter Joachim Korkhaus vernommen. Die Vernehmung brachte neues Licht in die schon vor 2012 aus dem Ruder gelaufenen Vorgänge.

Terminal des Flughafen BER / BBI - Foto: Alexander Obst, Marion Schmieding / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH
Terminal des Flughafen BER / BBI - Foto: Alexander Obst, Marion Schmieding / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

„Organisation am BER Ende 2011 außer Kontrolle geraten“, so überschrieben heute Andreas Otto (MdA, Bündnis 90/Grüne), Fraktionssprecher Sprecher für Bauen und Wohnen, und Harald Moritz (MdA, Bündnis 90/Grüne) als
verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion die Abläufe.

Das Fazit:
„Spätestens um die Jahreswende 2011/12 muss der Flughafengesellschaft offenbar klar gewesen sein, dass der Eröffnungstermin im Juni 2012 nicht mehr zu halten war. Das ist bei der heutigen zweiten Befragung des obersten Projektleiters und Prokuristen, Joachim Korkhaus, deutlich geworden. Denn kurz nach der Aufsichtsratsklausur im Dezember 2011 begann die Flughafengesellschaft eine Umplanung der Brandschutztechnik in Richtung einer halbautomatischen Lösung, auch als Mensch/Maschine-Lösung bekannt.“

Korkhaus brachte weitere peinliche Details ans Licht

Joachim Korkhaus bestätigte, dass das Planungschaos bei dem Projekt mindestens bis ins Jahr 2009 zurückreicht. So hätten für die ursprünglich geplante Entrauchungsanlage bis Ende 2009 rund 3000 Pläne vorliegen müssen. „Es gab aber nur 500“, sagte Korkhaus im Ausschuss.

Zur Erinnerung: rund ein Vierteljahr vor dem Richtfest im Mai 2010 ging das für die Haustechnik verantwortliche Ingenieurbüro mit 70 Mitarbeitern in Konkurs. Die Flughafengesellschaft hatte die Leistungen der Ingenieurfirma bemängelt und zuvor einen Zahlungsstop verhängt.

Die Kündigung der Ingenieurfirma hat praktisch dazu geführt, dass das ganze „Nerven-System“ des Hauptterminals fehlerhaft, regelwidrig und ohne Baupläne verlegt wurde.

Korkhaus sagt dazu: „Viele Firmen haben Kabel planlos verlegt, bis 2011 auf den Kabeltrassen kein Platz mehr gewesen sei. – „Dass es kritisch war, war uns bewusst“, sagte Korkhaus weiter.

Die beauftragten Planer hätten auch nicht in allen Bereichen Platz für weitere erforderliche Trassen gefunden. Das habe schließlich zur Absage der Eröffnung 2012 beigetragen.

12 Monate Verzögerung schon vor dem ersten Eröffnungstermin

Ein weiterer gravierender Aspekt wurde deutlich: der erste Eröffnungstermin im Oktober 2011 – war schon 2010 um sieben Monate verschoben worden.
„Doch zu diesem Zeitpunkt schätzte der damalige Projektsteuerer WSP den Projektverzug schon auf zwölf Monate“; sagte Korkhaus.

Entsetzte Abgeordnete

Andreas Otto und Harald Moritz äußerten sich entsetzt: „Angesichts dieser Tatsachen ist es umso unverständlicher, wie der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft sich die ganze Zeit ruhigen Gewissens auf den Eröffnungstermin freuen konnten, während das Terminal in einem Dschungel aus mangelhaften Plänen, freihändigen Bauarbeiten und fehlenden Genehmigungen versank.“

Noch schlimmer war ein die ausbleibende Reaktion des Aufsichtsrats:

„Das Aufsichtsgremium und seine Unterausschüsse hatten sich im Dezember 2011 seelenruhig für April 2012 zur nächsten Sitzung verabredet. Angesichts der riesigen Probleme eine grandiose Fehlleistung und mangelnde Sorgfalt der obersten Kontrolleure. Es gab heute auch Indizien dafür, dass die Controllingberichte durch die Geschäftsführung vor der Übergabe an den Aufsichtsrat „frisiert“ wurden.“

Weitere Vernehmungen erforderlich

Ob der Aufsichtsrat die eingetretene Lage Ende 2011 nicht erkannt hatte, oder nicht erwartet hatte, müssen weitere nun Zeugenbefragungen ergeben. Die Wahrheit kommt nun „scheibchenweise ans Licht“.

Andreas Otto wies nochmals auf die merkwürdige Geheimhaltung des Aufsichtsrates hin, der Akten in eigener Sache zürückhält: „Als besonders hinderlich erwies sich bei der Zeugenbefragung abermals, dass der größte Teil der BER-Unterlagen durch den Regierenden Bürgermeister und die Flughafengesellschaft unter einen Geheimhaltungsstatus gesetzt wurden, um eine öffentliche Verwendung und Diskussion zu verhindern. m/s

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m/s