Montag, 11. Dezember 2017
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Berlin muss jeden Tag olympiareif sein!

Olympiastadion-Berlin

/// Kommentar /// – Noch eine Woche, dann entscheidet sich, ob der Deutsche Olympischen Sportbund (DOSB) Berlin oder Hamburg ins Rennen um die Bewerbung für Olympia 2024 schickt. Es steht viel auf dem Spiel, denn alle Menschen in der kommenden Olympiastadt haben ein Zukunftsprojekt vor sich.

Olympiastadion-Berlin
Olympiastadion-Berlin – Panorama by Chris Jones Chris; 2007 – CC BY 2.5

Die Entscheidung steht auf der Kippe – und auch das Meinungsforschungsinstitut FORSA wird ein Stück auf die Waagschale werfen, wenn sich die Zustimmungsquote deutlich bewegt, und in einer Stadt mehr als 50% Zustimmung in einer repräsentativen Umfrage gezeigt werden.

Die Spannung steigt – denn die Entscheidung wird auch darüber Aufschluß geben, welche Stadt in den nächsten 10 Jahren mehr Zuwendungen des Bundes für den Bau und die Ertüchtigung und Renovierung von Sportanlagen, Verkehrsmitteln und Infrastruktur bekommt.

Miesepetrige Stimmung in Berlin – eine Gefahr für Wirtschaft und Arbeitsplätze

Olympiagegner und Fachleute raten von einer Olympiabewerbung Berlins ab. Ihre Befürchtungen: es koste zuviel Geld, man solle lieber Schultoiletten sanieren und die Löcher in den Straßen stopfen. Auch gibt es die Angst, Olympia werde zu mehr sozialer Verdrängung führen, Wohnungen verteuern – und die Not der Armen in der Stadt vergrößern.

Eine Stadtplanerin rät gar im TAGESPIEGEL: „Olympische Spiele in Berlin: London als abschreckendes Vorbild“ 21.2.2015

Ihre Thesen:
Das Finanzierungskonzept des IOC mit 40% Sponsoreneinnahmen, die Platzierung von Markenerlebnisräumen im Olympischen Park und die Idee eines Olympischen Parks widersprechen Berlins Konzept. Das Sicherheitskonzept war zu teuer und die Bauten wirken heute als Fremdkörper. Ferner beklagt sie die gesichtslose Architektur und mißtraut dem alternativen Konzept, das in Berlin für die Bewerbung eingereicht werden soll.

Damit reiht sie sich in die Reihe der Skeptiker ein, die doch nur „Text und Textbausteine“ produzieren – und man muß hart nachfragen: „Ist es nicht die Aufgabe von Stadtplanerinnen und Stadtplanern, zukunftsweisende Konzepte zu entwerfen und zu zeichnen?

Kosten sind kein richtiges Argument

Entscheidend für Wohlstand & soziale Gerechtigkeit in einer Metropole sind Bedingungen, die ein hohes lokales & regionales Brutto-Inlandsprodukt schaffen, das auf möglichst viele auskömmliche Arbeitsplätze verteilt werden kann. Berlin hat hier Nachholbedarf – und eine hohe Armutsquote ist auch gesellschaftliche und ökonomische Verpflichtung für Wirtschaftspolitik – und Arbeitsmarktpolitik.

Die Produktion von „Kritik, Text & Textbausteinen“ – ohne nachfolgende ökonomische Entscheidungen und Handlungen, zehrt unseren Wohlstand auf, verteuert am Ende Arbeit, Wohnen und notwendige wirtschaftliche Prozesse. Armut und fehlende Gerechtigkeit sind auch Nebenfolgen fehlender wirtschaftlicher Dynamik.

Olympia 2024 wäre ein starkes Motiv, um 10 Jahre lang auf ein wichtiges Projekt hinzuarbeiten – um ein hohes Brutto-Inlandsprodukt zu erzeugen, um sinnvolle Investitionen zu tätigen, und den Neuaufbau ökonomischer Innovationen und Prozesse zu beschleunigen.
Auch sind die Kosten von Sicherheit und Olympia-Baumaßnahmen und Vorbereitungen überhaupt kein Argument, denn unsere gesamte Volkswirtschaft ist auf Investitionen, Umsätzen, Erträgen, Löhnen und zugehörigen Abgaben aufgebaut. Ohne Geldausgaben und nur mit Sparwut steigen doch Armut, Ungerechtigkeit und Not.

Zum Glück wächst die Stadt – und es wäre nun Zeit an der richtigen Stelle für sinnvolle Investitionen, nachhaltigen Nutzen und sogar für „Mehrfachnutzen“ zu streiten.

Wir wollen die Spiele! Berlin für Olympia

Leitprojekte sind bereits heute wichtige Inspirationen

Erstmals sollen im Fall einer erfolgreichen Olympiabewerbung die Paralympics vor einer Olympiade stattfinden. Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark soll auch im Hinblick auf dieses Ziel als inklusiver Sportpark ausgebaut werden. Eine Sanierung, die auch ohnehin sinnvoll und notwendig ist.
Der größte Sponsor der Paralympics baut z.B. eine gläserne Fabrik für Rollstühle & Fahrhilfen in Berlin, genauer sogar in Prenzlauer Berg: die Ottobock-Gruppe engagiert sich hierfür, und sorgt für einen neuen Impuls für Olympia. Investitionen in Reha-Technologien, eine gläserne Fabrik für Mobilitätshilfen – auch das ist eine nachhaltige Folge einer Olympiabewerbung. Daneben entsteht das FutureLab der Firmengruppe, und schon heute werden im Bereich vieler Sportarten, von Fußball bis Schwimmen, neue Spiele & Apps in Berlin produziert, die nicht nur mit Olympia zu tun haben, die aber vor allem dauerhaft Arbeit sichern.

Noch etwas ist „Olympiavorbereitung“: jede sanierte Schultoilette für einen heutigen Grundschüler ist auch Baustein einer „Olympia-Vorbereitung“, die manchen jungen künftigen Sportlern zugute kommt, die tatsächlich in den olympischen Leistungssport streben.

Jedes Olymppiakonzept ist neu und einzigartig

Jede Stadt bietet andere Chancen und Voraussetzungen, Berlin hat bereits die wichtigsten Bauinvestitionen geschaffen. Die Fokussierung, eine Stadt werde nur für wenige Wochen Olympiade „fit & schön“ gemacht, ist falsch. Tatsächlich entfaltet eine Olympiade eine ungeheure städtebauliche Langfristwirkung. Das Olympiastadion von 1936 ist heute eine der modernsten und weltweit beliebtesten Arenen im modernen Sport, ob Fußball, oder Leichtathletik.

Die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) ist gerade zum Sportbad des Jahres gekürt worden, Velodrom und Max-Schmeling-Halle haben einen internationalen Spitzenstandard. Und auch weitere Einrichtungen wie Ruderrennstrecke und Segelwettbewerbe können auf vorhandene natürliche Gegebenheiten und Infrastrukturen bauen.

Berlin hat deshalb die Chance, verhältnismässig kostengünstige Spiele auszurichten. Berlin ist KEIN SANIERUNGSFALL, sondern hat eine gute Olympia-Infrastruktur, die mit verhältnismässig wenig Geld „renoviert“ werden muss, wie das ohnehin in allen Gebäuden alle 7-10 Jahre nötig ist.
Die Kosten für die Ausrichtung Olympischer Spiele mit hohen Neubauanteil und Erstinvestitionen, wie in London, sind deshalb nicht vergleichbar. Die Kritik an hohen Kosten richtet sich bisher auch auf Orte, bei denen olympischen Spiele in „städtebaulichen „Sanierungsfällen“ eingesetzt wurden.

Neues Qualitätsziel für Berlin

Berlin hat als Sportstadt jedes Jahr VIELE SPORTEREIGNISSE – es könnten auf Dauer sogar noch viel mehr Ereignisse werden. In diesem Jahr werden im Mai sogar Champions League Finales der Männer und Frauen in Berlin zu Gast sein.

Das legt auch etwas nahe, was sich in Berlin weder Parteien noch Stadtentwicklungspolitik bisher gewagt haben, ein neues Ziel zu setzen, das auch unabhängig vom Erfolg einer Olympiabewerbung funktioniert:

„Berlin sollte jeden Tag olympiareif sein!“

In der Stadtentwicklungspolitik und in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik ist ein Bewußtseinswandel erforderlich! Auch bei der Sicherheit und Verkehrs- und Veranstaltungsinformation gibt es große Innovationschancen.

Bis 2024 wird Berlin ohnehin rund 1-2 Milliarden € für Hauptstadtsicherheit ausgeben, wahrscheinlich sogar viel mehr – weil das in allen Haupstädten ein ganz übliches Geschäft ist. Es ist sogar ein Markt, ein Teil der Kulturszene, und ein Erfolgsgeschäft beim Eventmanagement.
Sicherheit, Verkehrs- und Besucherlenkung und Besucherinformation sind ein Feld von Innovation und Zukunftstechnologien. Vom Public Viewing bis zum Ambient-Media-Plakat mit direkter Smartphone-Ansprache sind Technologien und Dienste möglich, die auf allen Olympiaden und Sportfestivals weltweit benötigt werden, und Exportchancen bringen.

Der Esprit und der Geist, eine Stadt wie Berlin für jeden Tag olympiabereit zu machen, kann beflügeln – und eine neue Aufbruchstimmung in einer „jung bleibenden Stadt“ erzeugen.

Alle Olympia-Standorte in Berlin haben eine funktionierende Nutzung, und können mit Olympia 2024 ihre Auslastung verbessern! Wir können aber noch viele neue Sportveranstaltungen neu nach Berlin holen, und vielleicht auch neue Wettbewerbe ersinnen.

Incestieren, gute Arbeit & Wohlstand – auch das kommt mit Olympia!

Vorausgesetzt, die Politik arbeitet für die ganze Stadt und für alle Bürgerinnen und Bürger!

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