Donnerstag, 30. März 2017
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Berlinale 2017: World Cinema Fund Highlights

Pendular von Julia Murat - Foto: © Eduardo Amayo

Zur Berlinale 2017 werden an zehn Tage lrund 400 Filmpremieren in 34 Berliner Kinos gezeigt. Diese große Anzahl an Filmen macht es schwer, sich für eine kleine Auswahl an Filmen zu entscheiden, die man tatsächlich besuchen kann. Ein paar filmische Rosinen pickt alljährlich der Berlinale World Cinema Fund (WCF) aus dem Meer an interessanten Produktionen heraus. Die Stiftung setzt sich für die Entwicklung und Förderung des Kinos in filminfrastrukturell schwachen Regionen und für kulturelle Vielfalt in den deutschen Kinos ein.

In diesem Jahr sind drei vom WCF geförderte Filme im offiziellen Programm der Berlinale vertreten:

In der Sparte Wettbewerb die Koproduktion „Félicité“ von Alain Gomis, an der Frankreich, Selegal, Belgien, Deutschland und Libanon mitgewirkt haben.

Der Panorama-Eröffnungsfilm „The Wound“ von John Trengove, der unter Zusammenarbeit von Südafrika, Deutschland, Niederlande und Frankreich entstanden ist.

Ein weiterer Film aus der Sparte Panorama, nämlich „Pendular“ von Julia Murat. Es handelt sich um eine Koproduktion aus Brasilien, Argentinien und Frankreich.

Véro Tshanda Beya, Papi Mpaka in "Félicité" - Regie: Alain Gomis - Foto: © Andolfi
Véro Tshanda Beya, Papi Mpaka in „Félicité“ – Regie: Alain Gomis – Foto: © Andolfi

„Félicité“ handelt von der kongolesischen Sängerin Felicity in Kinshasa, die ihren sechzehnjährigen Sohn, Samo, allein aufzieht. Eines Morgens erhält sie einen Anruf aus dem Krankenhaus und erfährt von einem Unfall ihres Sohnes. Ohne eine Operation würde er riskieren, sein Bein zu verlieren. Felicity, die von den geringen Einkünften ihrer Barauftritte überlebt, nimmt ihre ganze Kraft zusammen, um das Geld für die Operation zu besorgen. In großer Verzweiflung sucht sie die Orte ihrer Vergangenheit und ihrer Träume wieder auf. Als sie das Geld fast zusammen hat, kommt das Krankenhaus ihr zuvor – und amputiert das Bein ihres Sohnes.
Der Film ist eine Reise die Psyche einer afrikanischen Frau. Er zeichnet emotionale Abgründe wie auch Jauchzen und Jubelschreie. Er zeigt auch die Grenzen, die sich zwischen diesen Extremen befinden.

Niza Jay Ncoyini, Siphosethu Ngcetane in "The Wound" von John Trengove - Foto: © Urucu Media
Niza Jay Ncoyini, Siphosethu Ngcetane in „The Wound“ von John Trengove – Foto: © Urucu Media

Filmkulisse von „The Wound“ ist Eastern Cape, Südafrika. Der einsame Fabrikarbeiter Xolani nimmt eine Auszeit und begleitet das jährliche Beschneidungsritual der Xhosa in den abgelegenen Bergen. Bemalt mit weißer Farbe, erlernen die jungen Männer die Männlichkeitscodes ihrer Kultur. Xolani kümmert sich während der Zeremonie und deren Vorbereitung um den aufsässigen Kwanda aus Johannesburg. Kwanda kommt dabei schnell hiner Xolanis Geheimnis: Er liebt einen anderen Mann.
Der Regisseur John Trengove hat sich bisher mit seinen Dokumentar- und Kurzfilmen einen Namen gemacht.

In seinem ersten Spielfilm widmet er sich dem Thema männliche Beschneidung. Der Film erlangt eine intensive Spannung durch die beiden Charaktere in den Hauptrollen: Kwanda stellt die patriarchalen Normen der Initiation zunehmend in Frage – und Xolani durchlebt eine innere Krise, die durch die Anhaftung an die Tradionen seines Volkes und den Wunsch nach Selbstverwirklichung entsteht.

Raquel Karro in "Pendular" von Julia Murat - Foto: © © Eduardo Amayo
Raquel Karro in „Pendular“ von Julia Murat – Foto: © Eduardo Amayo

„Pendular“ thematisiert die Sehnsucht zweier Liebender nach Zugehörigkeit und Identität. In einer leeren Fabriketage steckt eine Frau Aktionsbereich mit einem orangen Band auf dem Fußboden ab. Ein Bereich dient ihr als Tanzstudio, ein anderer markiert die Bildhauerwerkstatt ihres Partners, es gibt eine Küchenzeile und einen Matratze: Ein Zuhause ist entstanden. Dieses Zuhause ist nun Aktionsfeld und Rückzugsgebiet des Paares gleichermaßen. Nach anfänglicher Trennung verschmelzen die Aktionsfelder der beiden Menschen immer mehr. Im Wechselspiel von Intimität und Rivalität erforschen sie sich kontinuierlich neu. Eines Tages führt sie eine Installation nach draußen in die Stadt. Während sie sich auf die Suche nach dem Ende dieser Installation begibt, erwächst in ihrem Partner der Wunsch nach einem Kind.

WORLD CINEMA FUND DOC DAY – The Challenge of the Real: What is Documentary?
Questioning the Meaning and the Interpretation of Reality

Mittwoch, 15. Februar, 11 bis 14 Uhr
Filmmuseum Berlin – Deutsche Kinemathek, Potsdamer Str. 2, 4 OG

Der World Cinema Fund veranstaltet während der Berlinale traditionell einen WCF-Tag. In diesem Jahr widmet er sich unter dem Titel WCF DOC DAY dem Universum des Dokumentarfilms. Zur Sprache kommen zum Beispiel Fragen nach dem Realitätsbezug von Dokumentarfilmen, nach seiner Identität und den Umgang der Stiftung mit diesem Thema. Ziel ist, die Weiterentwicklung des Genres Dokumentarfilm und die Inspiration zu neuen spannenden Projekten.


Berlinale 2017
67. Internationale Filmfestspiele Berlin
Der Programm-Finder ist ab 31. Januar 2017 freigeschaltet.

Donnerstag, 9. bis Sonntag, 19. Februar 2017

Weitere Informationen:

www.berlinale.de

Uraufführungen und Spielstätten: Spielstätten in Berlin | www.berlinale.de

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a/m