Mittwoch, 22. November 2017
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Bezirksamt Pankow: Standortplanung ohne Bürger?

Vivantes Klinik Prenzlauer Berg

/// Kommentar /// – Das Bezirksamt Pankow hat ein Auge auf das Backsteingebäude des Vivantes Standort Klinikum Prenzlauer Berg geworfen. Das Klinikgebäude wird von Vivantes aufgegeben, die Klinikeinrichtungen sollen in einem Neubau auf dem Gelände des Klinikum im Friedrichshain verlagert werden.
Der naheliegende Gedanke, die Pankower Verwaltung in das bestehende Viventes-Gebäude umziehen zu lassen, hat wohl auch zu einem Bezirksamtsbeschluß geführt, Ansprüche beim Berliner Senat auf Teile des Vivantes Geländes und des Gebäudes anzumelden.

Die mögliche Lösung ist jedoch kompliziert: Vivantes müsste die nutzbaren Teile aus seinem Vermögen ausgliedern, und an das Berliner Immobilienmanagement veräußern. Das Bezirksamt müsste die Flächen dann wie schon beim bestehenden Bezirksamtsgelände von der BIM anmieten.

Die neuen Standortpläne finden offensichtlich vor allem Anhänger in Prenzlauer Berg und bei der Anwohner-Initiative Thälmannpark, die sich gegen eine Ausweitung des Schulcampus der Grundschule am Planetarium nach Norden stellt.

Wachsende Einwohnerzahlen – Personalzuwachs im Bezirk

Aufgrund wachsender Einwohnerzahlen muss das Bezirksamt Pankow weitere Mitarbeiter_innen einstellen. 90 Stellen sind schon bewilligt, müssen aber auch räumlich untergebracht werden. Bürgermeister Sören Benn (DIE LINKE) geht von einem mittelfristigen Bedarf von bis zu 270 Stellen aus. Damit entsteht in den kommenden Jahren akute Raumnot. Mietzahlungen schmälern überdies den Bezirkshaushalt. Es sind daher strategisch sinnvolle Lösungen gefragt.

Verwaltungskonzentration in Prenzlauer Berg – oder bürgerfreundlich dezentral planen?

Das Einwohnerwachstum wird sich in Pankow weiter nordwärts verlagern. Fragen von Bürgernähe und Lebensqualität und Verkehrsfragen sollten bei der Standortfindung von Verwaltungsstandorten eine Rolle spielen. Bürgernähe und eine Stadt der kurzen Wege schließen sich bei einer ´weiteren Verwaltungskonzentration in Prenzlauer Berg gegenseitig aus.
Ohnehin ist ganz Pankow stark auf Prenzlauer Berg fokussiert.

Die Zukunftsfrage lautet: braucht Pankow auch funktionsfähige dezentrale Verwaltungsstandorte etwa in Alt-Pankow, Französisch Buchhòlz und Weißensee? Müssen auch Verkehrsaufkommen und Anfahrtwege für Bürgerinnen und Bürger eine Rolle spielen?

Standortalternativen in Pankow

Die Standortplanung des Bezirksamtes sollte eigentlich bürgeröffentlich erfolgen, denn vor allem Einwohner mit weiten Anfahrtswegen wollen nicht mit Fahrtzeiten und Fahrtkosten für eine Verwaltungszentralisierung eintreten müssen. Auch muss es eine Verkehrsplanung geben, denn Pankow hat 105 Quadratkilometer Fläche, Prenzlauer Berg nur knapp 11 Quadratkilometer.

Wenn man Verwaltung künftig vom Bürger her denkt, müssen auch Standortalternativen geprüft werden. Bürgeramtsbüros und E-Government können auch dezentral organisiert werden, wenn man die Weichen früh genug richtig stellt.

In Pankow müssen künftg auch Alternativen am Pankower Tor, in Französisch Buchholz und in Weißensee geprüft werden, denn jeder Behördengang verursacht beim Bürger wenigstens 5,60 € Fahrtkosten.

Vor allem aber muss Pankow als Großstadt mit bald 420.000 Einwohnern geplant und verwaltet werden, die sich von der Fixierung und einseitigen Bevorteilung von Prenzlauer Berg nach und nach löst! Pankow ist mehr als nur Prenzlauer Berg!

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