Dienstag, 24. Oktober 2017
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BioKräuterei nach Dauer- und Starkregen in Not

BioKräuterei unter Wasser

Die Biokräuterei in Oranienburg baut Gemüse und Kräuter an, und gehört auch zu den Lieferanten auf dem Wochenmarkt auf dem Kollwitzplatz. Der Dauerregen und mehrere Starkregenereignissen haben dem Boden und den Anbauflächen schwer zugesetzt. Zeitweise waren die Ackerflächen regelrecht „abgesoffen“.

Es hatte seit dem 29. Juni hfast ununterbrochen geregnet. Ein Unwetter mit 300 Litern Wasser pro Quadratmeter zerstörte dabei innerhalb nur eines Tages auf vielen Flächen die Bodenstruktur. Das für die Wasserableitung notwendige Boden-Kapillarsystem wurde so verdichtet, dass Pflanzen unter ständiger Staunässe leiden.

Trotz des Einsatzes mehrerer Pumpen und Bodenlockerungsmaßnahmen gab es keinen Schutz gegen andauernden Regen. Empfindliche Kulturen wie Kohl, Kohlrabi waren schon nach 4 Tagen rettungslos verloren, die Pflanzen erstickten und verfaulten.

Bewährter Biobetrieb mit Ständen auf Wochenmärkten

Matthias Anders hat ie BioKräuterei 2006 gegründet. Der Biologe bewirtschaftet mit mehreren Mitarbeiter_innen rund acht Hektar Ackerland im Norden von Oranienburg, in der idyllischen Tiergartensiedlung am Ruppiner Kanal an der Kuhbrücke.
Die BioKräuterei (DE- ÖKO – 021) arbeitet nach den Richtlinien und Kontrollen des Verbund Ökohöfe Nordost e.V. und der EU und wird durch die 2012 gegründete Genossenschaft Oberhavel e.G. unterstützt.

140 Kunden und Vertragspartner aus Oberhavel und Berlin versorgt der Betrieb regelmäßig mit Gemüse und Kräutern im Rahmen einer Vertragslandwirtschaft (CSA/SoLaWi). Die frischen Schnittkräuter, Wildkräuter, essbaren Blüten, Salate, Gemüse und schmackhaften Kartoffeln sind gut nachgefragt. Auch auf drei Berliner Wochenmärkten ist die BioKräuterei mit eigenen Ständen präsent und wird von einem wachsenden Kundenkreis geschätzt. In Prenzlauer Berg ist die BioKräuterei auf dem Kollwitzplatz vertreten.

Der Kampf um das Bodenleben und die nächste Fruchtfolge

Matthias Anders hat in den letzten 14 Tagen viel Energie und Arbeit aufgewendet, um die Böden zu entwässern und das Bodenleben zu rettten. Zum Glück sind nicht alle Kulturen eingegangen, Kräuter und Minze haben die Fluten einigermaßen überstanden. Doch auf einige Gemüsearten muss in diesem Jahr nun verzichtet werden: es gibt keine Kartoffeln, Lagermöhren, Pastinaken und Lagerkohl mehr aus eigenem Anbau.

Gemüsekisten für die Vertragskunden sind deshalb etwas spärlicher gefüllt. Der Ernteausfall soll mit Hilfe anderer Biobetriebe teilweise ausgeglichen und durch Zukäufe ersetzt werden. In jedem Fall entstehen nun erhebliche wirtschaftliche Verluste, die der kleine Biobetrieb nicht ohne Unterstützung bewältigen kann.

Biokräuterei mit Staunässe
Dauerregen & Staunässe im Gemüsebau – Foto: Matthias Anders

Spenden und Sonnenenergie sollen helfen

Ein Spendenaufruf wurde veröffentlicht, erste Spenden sind auch schon eingegangen. Die größte Spende soll aber von der Sonne kommen: für rund 10.000 € wurde dank der Unterstützung der BioAnbau Oberhavel eG ein erster Folientunnel beschafft, der noch bis in den Herbst eine erste Ernte möglich macht. Erste neue Gemüsekulturen wurden schon mit Jungpflanzen bepflanzt, die noch eine Herbsternte und Winterkulturen sichern.

Mathias Anders will sich für künftige Starkregen im nächsten Jahr besser vorbereiten, und plant die Beschaffung eines zweiten Folientunnels. Erfahrungen dieses Sommers haben gelehrt, dass vor allem die Zerstörung der Bodenstruktur durch Schlagregen auf nicht überstauten Flächen zum Problem wird. Der kurzzeitige Überstau mit Regenwasser scheint das geringere Problem zu sein. Nach einer obligatorischen Bodenlockerung müssen die Böden über Winter mittels Gründüngungspflanzen verbessert werden, deren Wurzeln wieder neue Bodenkapillaren aufschließen.

Empfindliche Kulturen wie Kohlrabi und Pastinak müssen wohl künftig mit Strohmulch geschützt werden, damit neue Starkregen weniger Schaden anrichten können.

Klimaanpassung im regionalen Bio-Anbau

Regionaler Anbau, gute Bodenqualität, regionale Arbeitsplätze, nachhaltiges Wirtschaften, gesundes Biogemüse und Ernährungssouveränität – diese Ziele werden von Betrieben wie der BioKräuterei verwirklicht. Auch in der Mark Brandenburg, der märkischen Streusandbüchse, muss man sich auf den Klimawandel einstellen. Bisher war man auf mehr Trockenheit ausgerichtet, und hat sich daher auch gern in Richtung auf grundwassernahe Standorte konzentriert. Nun machen Starkregen einen Strich durch die Rechnung: Biobetriebe müssen sich auf längere Trockenperioden UND außergewöhnliche Starkregen vorbereiten. Das wird kein leicher Weg.

Weitere Informationen:

BioKräuterei Oberhavel | Hans-Loch-Str. 14 | 16515 Oranienburg | www.biokraeuterei.de
03301-575 505

Spendenkonto:
Kontoinhaber: Matthias Anders – – MBS Potsdam
IBAN: DE 511 605 000037 400 32 129 | BIC WELA DE D1 PMB
Betreff: Spenden-Unwetter

BioKräuterei Oberhavel auf Berliner Wochenmärkten

Wochenmarkt Charlottenburg | Karl-August-Platz (Weimarer Straße)
Mittwochs von 8 – 13 Uhr – Samstags von 8 – 14 Uhr

Wochenmarkt am Winterfeldtplatz
Samstags von 8 – 16 Uhr

Wochenmarkt Kollwitzplatz
Samstags von 10 – 17 Uhr

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