Samstag, 21. Oktober 2017
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Bitte auf die Kröten achten!

Krötenwanderung

Jede Menge Kröten sind wieder in der Nähe von Feuchtgebieten unterwegs. Der NABU Berlin bittet Autofahrer um Aufmerksamkeit, den viele Tiere wechseln in der Dämmerung über Straßen und Nebenstraßen. Nicht überall gibt es Amphibienschutzzäune und „Krötentunnel“. Milde Nachttemperaturen und feuchte Witterung locken auch in Berlin wieder Kröten, Frösche und Molche aus der Deckung. Zu Tausenden begeben sie sich auf die Wanderung zu ihren angestammten Fortpflanzungsgewässern und queren Straßen und Wege.

Krötenwanderung
Krötenwanderung – Foto; NABU Deutschland – Pressefoto Karl-Heinz-Fuldner

Der NABU Berlin bittet die Autofahrer besonders in den Stadtrandbezirken und Ortslagen um aufmerksame und rücksichtsvolle Fahrweise.

Feuchte Witterung und milde Temperaturen in der Nacht sind jedes Jahr der Startschuss für Berlins Kröten, Frösche und Molche. Besonders ab dem nächsten Wochenende rechnen die Naturschützer in Berlin mit verstärkten Wanderbewegungen von Amphibien.

Gefährliche Strecken
Die Tiere laufen von den Winterquartieren, die meist innerhalb von Gehölzflächen liegen, zu ihren Laichgewässern wie Teichen oder langsamen Fließen oft über viele hundert Meter. In und an den Gewässern paaren sie sich und die Weibchen entlassen die befruchteten Eier in die Gewässer – Kröten als „Laich-Schnüre“, Frösche als „Laich-Ballen“ und Molche wickeln ihre Eier einzeln in die Blätter von Wasserpflanzen.

Doch der Weg zu den Gewässern ist gefährlich –Wege und Straßen sind zu queren und Amphibien laufen nicht besonders schnell – da kann es schon mal 15-20 Minuten dauern, bis eine Straße gequert ist. Als wechselwarme Tiere ruhen sie sich auch noch gern auf warmem Asphalt aus. Hunderte Tiere werden dabei von Autoreifen erfasst oder durch den starken Luftsog unter schnell fahrenden PKW und LKW getötet.

Shuttle Service für Amphibien
Shuttle Service für Amphibien: Mitglieder der Fachgruppe Feldherpetologie des NABU Berlin helfen am Amphibientunnel an der Schönerlinder Chaussee in Berlin-Buch – Foto: Jens Scharon

Shuttle-Service
Mitglieder des NABU Berlin stellen auch in diesem Jahr wieder an Hauptwanderrouten Amphibienzäune auf, um die Tiere abzufangen und sicher über die Straße zu bringen. So zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Verein Naturschutz Berlin-Malchow an der Dammheide in Mahlsdorf Süd: Seit 1998 werden hier Erdkröten vor dem Unfalltod gerettet, im letzten Jahr waren es 967 Tiere. Der Shuttle ist aufwändig: Jeden Morgen und Abend müssen die Fangeimer geleert werden, damit die Lurche nicht von Räubern wie zum Beispiel Waschbären heraus gesammelt werden.

Autofahrer und Gärtner sind gefragt
Nicht alle Wanderstrecken der Amphibien sind vorhersehbar. Daher bittet der NABU Berlin die Autofahrer vor allem in den Außenbereichen in der Nähe von Feuchtgebieten und Gewässern darum, in den frühen Morgen- und späten Abendstunden vom Gas zu gehen und besondere Aufmerksamkeit auf die Straße zu legen, um notfalls um eine lebensfreudige Kröte oder einen frühlingsgefühligen Frosch herum fahren zu können.

Aber auch Gartenbesitzer werden um Aufmerksamkeit gebeten. „Bitte verschließen Sie offene Gruben oder steilwandige Gräben und Lichtschächte“, bittet Jens Scharon, Artenschutzreferent beim NABU Berlin. „Immer wieder geraten Amphibien hinein, finden keinen Ausstieg und können innerhalb weniger Tage buchstäblich vertrocknen. Ist eine vollständige Abdeckung solcher Fallen nicht sinnvoll oder nicht möglich, kann man auch Äste als Kletterhilfe hineinstellen.“ – Text: Jutta Sandkühler

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m/s