Mittwoch, 23. August 2017
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„Gutshof Rosenthal“

Bodendenkmal
„Gutshof Rosenthal“

Bodendenkmal: Feldsteinfundament des Wohnturms Gut Rosenthal

Ein Bodendenkmal wird auf dem ehemaligen Gelände „Gutshof Rosenthal“ eigeweiht. Bei dem Bodendenkmal handelt es sich um das Feldsteinfundament eines Wohnturmes aus der Zeit um das Jahr 1300. Bereits 1998 wurde mit archäoligischen Grabungen zur Erkundung und Freilegung des Bodendenkmals begonnen, als der damalige Eigentümer einen Bauantrag stellte und das Gelände bebauen wollte. Nach einem Eigentümerwechsel wurde ein verändertes Baukonzept realisiert – das Bodendenkmal kann nun auch für die Nachwelt gezeigt und erhalten werden.

Bodendenkmal: Feldsteinfundament des Wohnturms Gut Rosenthal
Bodendenkmal: Feldsteinfundament des Wohnturms Gut Rosenthal

Am Mittwoch, dem 28. November 2012 um 10 Uhr wird das Bodendenkmal durch den Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Bü90/Grüne) gemeinsam mit Vertretern des Bau- und Immobilienunternehmens NCC Deutschland GmbH, der Unteren Denkmalschutzbehörde und des Bürgervereins Dorf Rosenthal e.V. eingeweiht. Der Zugang zum Bodendenkmal befindet sich zwischen Hauptstraße 145 D und 145 C.

Das Feldsteinfundament eines ehemaligen Wohnturmes aus der Zeit um das Jahr 1300 markiert eine repräsentative Bauform. Diese Art Bau entstand nach der Konsolidierung der Mark Brandenburg im 13. Jahrhundert auf den adligen Höfen.
Die Türme waren weniger zur Verteidigung gedacht, vielmehr symbolisierte damit der Besitzer seine gehobene gesellschaftliche Stellung gegenüber den anderen Dorfbewohnern. Auf dem fünf mal fünf Meter großen Fundament wurde im Umfeld weiterer Gebäude ein zweistöckiger Fachwerkbau errichtet. Der Rosenthaler Wohnturm ist ein einzigartiger erhaltener Befund. Bisher konnte nur in einem Fall bei Ausgrabungen in Berlin solch ein Bau nachgewiesen werden, der aber leider nicht erhalten blieb.
Auch im Brandenburger Umland hat sich bei den zahlreichen Ausgrabungen in den ehemaligen mittelalterlichen Dörfern bisher kein solcher Befund ergeben.

Gut Rosenthal um 1300 - Quelle: Bürgerverein Rosenthal e.V.
Gut Rosenthal um 1300 – Quelle: Bürgerverein Rosenthal e.V.

Aus der Gründungzeit der mittelalterlichen Dörfer ist auch nur wenig bekannt, es sind kaum schriftliche Quellen über diese Zeit vorhanden. Die ursprüngliche mittelalterliche Bebauung ist in der Neuzeit durch neue Bauten zerstört worden.
„Es ist ein Glücksfall, dass dieser Bau bei den Ausgrabungen gefunden und gesichert wurde, erhalten blieb und nun auch oberirdisch sichtbar gemacht werden kann“ erklärt Jens-Holger Kirchner dazu. Die Grabung fand auf dem Gelände 1998 statt, als der damalige Eigentümer GEWOBAG für das gesamte Grundstück einen Bauantrag gestellt hatte. Das Konzept kam allerdings nicht zur Ausführung. Das Grundstück wurde danach weiter an die NCC verkauft, die eine Bebauung mit Reihen- und Doppelhäusern realisiert hat – und sich gemeinsam mit dem Bezirk Pankow für die Darstellung mittelalterlicher Geschichte eingesetzt hat.
Das Dorf Rosenthal wird damit um eine kleine Attraktion bereichert und kann seine lange historische Tradition nun auch mit einem sichtbaren Zeitdokument belegen.

Bodendenkmal:
Ehemaliger Gutshof Rosenthal, Hauptstraße 145, 13158 Pankow-Rosenthal

Mehr Informationen und Führungen:
www.bürgerverein-rosenthal.de

Feldsteinkeller 13. Jh.

Von Mai bis August 1998 wurde auf dem ehemaligen Gutshof Rosenthal eine archäologische Ausgrabung durchgeführt. Das betreffende Gelände ist zwar vorrangig als Gutshof genutzt worden, aber im 17. und 18. Jahrhundert gehörte es der kurfürstlichen und königlichen Familie, die hier um 1690 ein Schloss bauen ließ, das nur etwa 30 Jahre bestand. Zahlreiche Fundamentreste des Schlosses konnten dokumentiert werden. Mit den Resten eines Kellers fanden sich auch mittelalterliche Siedlungsspuren. Eine quadratische Balkenkonstruktion war mit Spaltbohlen verschalt, z.T. mit Holzdielen ausgelegt und beherbergte unter anderem drei vollständige Kugeltöpfe. Die noch vorhandenen Holzteile waren verkohlt und dadurch gut erhalten. Eine dendrochronologische Untersuchung ergab das Fälldatum 1230. Damit gehörte der Keller wohl zu einem der ersten Häuser, die deutsche Einwanderer hier errichteten. Nur wenige Meter entfernt wurde das 5 x 5m große Feldsteinfundament eines Wohnturmes entdeckt, mit einer Wandstärke von 80 cm bis 1,0 m und auf der Innenseite behauenen und geglätteten Steinen. Sein südlicher Teil war leider gestört. Etwa zwei Meter daneben befand sich ein weiteres Feldsteinfundament, das ursprünglich mit dem Keller verbunden war. Das fehlende Teil war beim Verlegen eines Abwasserrohres entfernt worden. Von diesem Anbau, wahrscheinlich dem Rest des Treppenturmes, führt ein Eingang zum Keller. Aus der Verfüllung wurden zahlreiche Gebrauchs- und Ofenkeramikreste, Eisengegenstände, Tierknochen sowie weitere Feldsteine, die ehemals zu dem Fundament gehörten, geborgen. Die in der Baugrube und den untersten Schichten gefundene Keramik datiert den Turm in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Da das Gelände des Gutshofs mehrmals erheblich umgestaltet wurde, fanden sich kaum Spuren einer den Turm umgebenden Befestigung. Nur etwa zehn Meter Flechtwerkzaun sowie Reste einer Feldsteinmauer, die parallel zum Turm liegen, sind die einzigen Hinweise darauf. Dieser bisher unbekannte niederadlige Sitz gehörte wohl der hier „seit Alters her“ ansässigen Familie von Krummensee, die erstmals im Landbuch Kaiser Karls IV im Jahre 1375 erwähnt wird. Die Anlage ist gesichert worden und soll sichtbar in die neue Wohnsiedlung einbezogen werden.

Einweihung eines Bodendenkmals am 28. November 2012

Feldsteinfundament auf dem ehemaligen „Gutshof Rosenthal“

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m/s