Montag, 23. Oktober 2017
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Böser Engpass: Sanierung der Bösebrücke

Bösebrücke

Die Bösebrücke wird für die nächsten zwei Jahre Baustelle. Die erste genietete Stahlbrücke Berlins wurde 1912-1916 gebaut. Bereits im Jahr 2008 stellte sich bei Untersuchungen des Brückenstahls der grundlegende Sanierungsbedarf heraus. Die gesamte Konstruktion muss entlastet werden, Abdichtungen und Fahrbahnschäden müssen ausgebessert werden. Sämtliche über die Brücke führenden Versorgungsleitungen sind zu erneuern.

Bösebrücke
Bösebrücke – Blick von der Behmstraße

Technisches Baudenkmal Bösebrücke

Die „Zweigelenkbogen-Brücke mit beiderseitigen Kragarmen, gelenkig angeschlossenen Endfeldern und eingehängter Brückenplatte“ ist ein technisches Baudenkmal, eingetragen in der Berliner Landesdenkmalliste. Entworfen wurde die Bösebrücke von Friedrich Krause, Stadtbaurat für Tiefbau, mit seinen Mitarbeitern Hedde, Sievers, Behrens, Pohl, Marcus und Heinzel.

2016 wurde sie als „Hindenburgbrücke“ eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke 1948 zu Ehren des NS-Widerstandskämpfers Wilhelm Böse umbenannt.

Für die rund 1600 Tonnen schwere Brückenkonstruktion wurde erstmals im Brückenbau hochfester Nickelstahl verwendet. Die Fahrbahn besteht aus einer an Hängeeisen abgehängten Eisenbetonplatte, die mit 15 Metern ungewöhnlich breit ist. Fachwerkträger begleiten die Fahrbahn und bilden über der Mittelöffnung die Form eines Korbbogens. Bogenförmige Querkonstruktionen über der Fahrbahn versteifen die seitlichen Fachwerkträger.
Die Brückenköpfe sind als massive Bauwerke mit neubarocken Treppenanlagen ausgeführt. Die von Richard Wolffenstein entworfenen Treppen scheinen aus Werkstein zu bestehen, wurden aber in einer damals neuartigen Bauweise mit eine imitierenden Stampfbetonbauweise ausgeführt, deren Oberfläche Werkstein imitiert.

Bösebrücke vor der Sanierung
Bösebrücke vor der Sanierung

Geplante Baumaßnahme

Um die Brückenkonstruktion zu entlasten, wird die auf der Brückenplatte liegende bis zu 15 Zentimeter dicke Betonschicht durch eine dünnere, etwa acht Zentimeter dicke Leichtbeton-Schicht ersetzt.
Die Widerlager, Stützwände, Balustraden, Treppen und sollen ebenfalls erneuert werden. Der gesamte Korrosionsschutz wird erneuert, sodass auch wieder langwierige Sandstrahlarbeiten erforderlich sind, um die alten Rostschutzfarbschichten zu entfernen.
Die Arbeiten an der Bösebrücke sollen insgesamt zwei Jahren dauern und einen „bösen Verkehrsengpaß“ schaffen, denn die Brücke abschnittsweise saniert und nur teilweise und nur jeweils in einer Richtung befahrbar bleiben. Insgesamt sollen rund 5,3 Millionen Euro verbaut werden, wobei Überraschungen nicht ganz ausgeschlossen sind.

Die TRAM wird 2015 noch die Bösebrücke passieren können, aber 2016 soll auch der Gleisbereich saniert werden. Es wird dann für die Linien M13 und 50 Unterbrechungen geben, die in einem möglichst kurzen Zeitraum liegen werden. Die Straße soll zunächst von Ost nach West geöffnet bleiben.

Wer aus westlicher Richtung nach Prenzlauer Berg fährt, muß eine eigens eingerichtete Umleitungsstrecke nehmen. Diese führt über die Jülicher Straße, Behmstraße und Malmöer Straße.

Die Malmöer Straße wurde eigens für diese Umleitungsmaßnahme im Frühjahr 2015 asphaltiert und als Einbahnstraße ausgewiesen.
Eine Anwohner-Initiative hatte gegen die überraschenden Maßnahmen protestiert, und Lärmschutz und den Schutz der Schulwege angeführt. Da es sich um eine übergeordnete Straßenverbindung handelt, konnten grundlegende Bedenken der Anwohner nicht berücksichtigt werden. Das Trostpflaster: wenigstens eine Tempobegrenzung auf Tempo 30 wurde erreicht.

Der ursprünglich für den 14. Juli 2015 geplante Baubeginn wurde kurzfristig auf den 23. Juli 2015 vertagt.

Update: Die Baustelle ist noch immer nicht in Betrieb genommen. Aufgrund umfangreicher Vorbereitungen bei der Einrichtung der Umleitungsstrecke wird die Baustelle voraussichtlich erst am 10. August 2015 begonnen.

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m/s