Donnerstag, 17. August 2017
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Bornholmer Straße: 9.November 2014

25. Jahrestag Mauerfall LICHTGRENZE Bornholmer Brücke

Der 25. Jahrestag des Mauerfalls stand ganz im Zeichen der LICHTGRENZE, die viele tausend Schaulustige an die ehemalige Grenzlinie in der Berliner Innenstadt, zwischen Bösebrücke an der Bornholmer Straße und Oberbaumbrücke gelockt hatte.

25. Jahrestag Mauerfall LICHTGRENZE Bösebrücke
25. Jahrestag Mauerfall LICHTGRENZE Bösebrücke

Am Brandenburger Tor war das Bürgerfest zeitweise überfüllt, die S-Bahn fuhr am Nachmittag im Bahnhof Brandenburger Tor ohne Halt durch. Pünktlich um 19 Uhr wurden die ersten Ballons am Brandenburger Tor gestartet. Doch es sollte fast eine Stunde vergehen, bis sich die Kette der Ballonstarts bis zur Bornholmer Brücke fortgesetzt hatte.

25 Jahre Mauerfall: LICHTGRENZE Norwegerstraßeegerstr
25 Jahre Mauerfall: LICHTGRENZE Norwegerstraßeegerstr

Bornholmer Straße und Bösebrücke überfüllt

Um 18:30 war auf der Bösebrücke kein Durchkommen mehr möglich. Doch im Gedränge herrschte eine auffallend friedliche und gelassene Stimmung. Jugendliche waren in die Brückentragwerke eingestiegen und saßen zum Teil auch in gefährlicher Höhe auf den Obergurten der Bogen-Stahlgitterbrücke. Vereinzelt versuchten Polizisten die Jugendlichen von ihrem gefährlichen Sitzplatz zu vertreiben, doch es blieb nur ein Intermezzo in dem sonst friedlichen Abend.

Norwegerstraße mit Lichterkette

Unter den japanischen Kirschbäumen in der Norwegerstraße war die LICHTGRENZE aufgebaut, gerade so dicht, dass die Ballons frei aufsteigen können. In der gesamten Straßenlänge versammelten sich Schaulustige, und neben der Lichterkette tauchten hunderte von Kamera-Displays die Straße in ein lebendiges Licht, das zeitweilig von Kamera-Blitzen durchzuckt wurde.

Das Warten auf den Ballonaufstieg wurde hier zum Geduldsspiel, das von ein paar eigensinnigen Aktivisten unterbrochen wurde, die japanische Himmelslaternen starten ließen. Unter großem Ahh! und Ohh! steigen die Laternen erst langsam über die Köpfe, verharrten, und worden dann vom Wind dicht über die Kirschbäume getrieben, bis sie endlich Höhe gewannen, und über den Hochspannungsleitungen der Stettiner Bahn entschwebten. Eine Himmelslaterne schaffte es nicht. Sie bliebt in einem Kirschbaum hängen, und brannte ab.

25 Jahre Mauerfall - Himmelslaterne
25 Jahre Mauerfall – Himmelslaterne
25 Jahre Mauerfall Ballonaufstieg Bösebrücke
25 Jahre Mauerfall Ballonaufstieg Bösebrücke

Unspektakulärer Ballonaufstieg

Als die ersten Ballons in der Norwegerstraße in den Nachthimmel abhoben, reckten sich hunderte Arme mit Kameras und Smartphons nach oben, doch die Bilder blieben unspektakulär. Die abgekoppelten Ballons wurden noch eine Weile vom Boden angeleuchtet, und verschwanden dann schnell in den Nachthimmel.
Nachdem der Ballonaufstieg die Bornholmer Brücke erreicht hatte, war ein schneller Standortwechsel angesagt. Die Treppe an der südöstlichen Seite der Brücke war gerade erklommen, als das Feuerwerk auf der Westseite der Bornholmer Brücke begann.
Es kam überraschend, viele bunte und laute Kokarden am Himmel, das Krachen und Zischen brach die vorherige ruhige, fast stille Atmosphäre, Beifall kam auf.
Mitten in der Menschenmenge fielen die vielen Sektrinker auf, die nur eine Marke bevorzugten: Rotkäppchen. Gegen 24 Uhr lagen und standen etliche Flaschen auf der Bornholmer Brücke, und keine andere Marke war dabei.

25 Jahre Mauerfall: Feuerwerk
25 Jahre Mauerfall: Feuerwerk an der Bösebrücke

Großbildwand mit Zeitgeschehen und Mauergeschichten und Musik

Auf der Großbildwand wurde die zentrale Feier am Brandenburger Tor übertragen. Die Mauergeschichten ließen noch einmal den Zeitpunkt der Maueröffnung Revue passieren, als 1989 die ersten Ostberliner in den West-Berliner Arbeiterbezirk Wedding strömten, und über 20.000 Menschen den Grenzübergang überquerten.

25 Jahre Mauerfall: Jugendliche auf der Mauer
25 Jahre Mauerfall: Jugendliche auf der Mauer
25 Jahre Mauerfall: Andacht der CDU
25 Jahre Mauerfall: Andacht der CDU – Pfr. Dr. Michael Höhle (li.) und Stephan Lenz (MdA-CDU) (r.)

Platz des 9. November 1989

Am Nordrand der Bornholmer Straße war die Mauergedenkstätte mit dem Platz des 9. November 1989 Schauplatz des weiteren Geschehens. Jugendliche saßen wie vor 25 Jahren auf einem Mauersegment, ließen die Füße baumeln. Um 19 Uhr begann die Pankower CDU ihre gemeinsam mit mehreren Kirchengemeinden organisierte ökomenische Andacht.

In diesem Jahr fand die traditionell vom CDU Ortsverband Schönhauser Allee eingeladene Andacht bereits zum elften Mal an diesem historischen Ort statt.
Stephan Lenz (MdA-CDU) sprach die einführenden Worte. Pfarrer Dr. Michael Höhle von der Katholischen Pfarrgemeinde Hl. Familie erinnerte an die Zeit der Wende und sprach vom Wert der wiedergewonnene Freiheit. Die Blaskapelle der Heilsarmee stimmte die Andacht ein und sorgte für die musikalische Begleitung.
Zur Andacht waren viele Vertreter der CDU und Bezirksverordnete aus ganz Pankow angereist. Claudia Steinke, Johannes Kraft wurden gesichtet, Stefan Blauert trug eine rote Jacke der Ballonpaten, Dirk Stettner aus Weißensee, Lars Zimmermann und viele andere bekannte Gesichter waren vor Ort.

Ballonpaten in roten Anoraks

Nach und nach trafen auch die Pankower Ballonpaten auf der Bornholmer Brücke ein. 20 Bezirksverordnete von SPD, CDU, Bündnis 90/Grüne und Piratenpartei hatten sich als Ballonpaten gemeldet und jeweils einen Ballon der LICHTGRENZE gestartet.
Sabine Röhrbein, Rona Tietje, Mechthild Schomann, Thomas Bohla, Stefan Blauert, Gregor Kijora, Ronald Rüdiger, Cornelius Bechtler, Daniela Billig, Peter Brenn, Christiane Heydenreich, Mathias Kraatz, Uter Schnur, Constanze Siedenburg, Almuth Tharan, Sabine Wagner, Jens-Holger Kirchner, Claudia Steinke, Michael Mittelbach und Jan Schrecker waren dabei.

Mitglieder der Linkspartei waren nicht dabei, auch das sollte historisch angemerkt werden, zu diesem 25. Jahrestag.

25 Jahre Mauerfall: SPD vor Ort
25 Jahre Mauerfall: SPD vor Ort – Max E.Neumann, Hans-Jürgen Misselwitz, Christine Bergmann (v.l.n.r.)
25 Jahre Mauerfall: Bürgermeister-Treffen
25 Jahre Mauerfall: Bürgermeister-Treffen: Christine Bergmann, Mathias Köhne, Clara West, Dr. Christian Hanke, Ballonpate N.N.

Bürgermeistertreffen Pankow-Mitte

Nur wenige Meter weiter hatte die Pankower SPD ihre Stände aufgebaut, die alle Gesichter in ein rotes Licht tauchten. Zum traditionellen Treffen der Bürgermeister trafen Mathias Köhne und Dr. Christian Hanke ein.

Auch am SPD-Stand wurde nach dem offiziellen Teil noch bei Glühwein gefeiert. Hier trafen sich auch Bezirksverordnete aus Mitte und Pankow.

In der Moderation zu 25 Jahre Mauerfall war Christine Bergmann in ihrer Paraderolle. Sie erinnerte sich, und führte durch den Abend, als sich die Sozialdemokraten der ersten Stunde an die Zeit der Wende, die Gründung der SPD und an Orte wie Schwante und Dittmann´s Restaurant in Wilhelmsruh erinnerten. Hans-Jürgen Misselwitz erinnerte an den Runden Tisch und die Rolle der Bürgerbewegung.
Gert Schilling, erster Bürgermeister von Weißensee wendete sich in scharfer Form gegen aktuelle Äußerungen von Ex-Kanzler Dr. Helmut Kohl, der die Rolle der Bürgerbewegung zu relativieren suchte.

Schilling erinnerte an die damalige Lage in Weißensee, als noch rund 6000 Mitarbeiter der Staatssicherheit im Dienst und noch nicht formell entlassen waren. In der Zeit waren noch große Mengen Waffen für Mitarbeiter der Staatsicherheit verfügbar, die erst sichergestellt werden mußten. Die anstrengende Arbeit ging daher noch viele Monate weiter, bis endlich der friedliche Übergang gesichert war.

Friedlicher Jahrestag mit Fahnenschwenkerin

Der 25.Jahrestag zum Mauerfall verlief in gelöster und freudiger Stimmung auf, unter und neben der Bornholmer Brücke. Zeitweise kam auch genau das Gefühl am Tag der Maueröffnung wieder auf. Eine Fahnenschwenkerin stand mitten auf der Bornholmer Brücke und schwenkte unermüdlich eine deutsche Fahne – das Schlußbild eines Jahrestages zur wiedergewonnenen Freiheit.

25 Jahre Mauerfall: Fahnen-Schwenkerin
25 Jahre Mauerfall: Die unermüdliche Fahnen-Schwenkerin

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m/s