Samstag, 19. August 2017
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Bundeswehr baut Engagement im Niger aus

MINUSMA: Bundeswehr im Niger

Die Bundeswehr ist seit dem Frühjahr im Rahmen der UN-Mission MINUSMA auch im Niger aktiv. Ein Verbindungsoffizier sondiert gemeinsam mit den Streitkräften des Niger den Unterstützungsbedarf, damit im Kampf gegen Schleuser, Schlepper und Rebellemorganisationen besser und effektiver vorgegangen werden kann.

Niger ist etwa dreieinhalb Mal so groß wie Deutschland und hat ca. 20 Mio. Einwohner. 94% der Einwohner sind Muslime: Mit 70% Analphabeten gehört das Land zu den ärmsten Staaten der Welt und hat zugleich das weltweit höchste Bevölkerungswachstum.

Afrikanische Regionalorganisation „G5 Sahel“

Niger hat mit extremen geografischen und klimatischen Verhältnissen zu kämpfen: Der überwiegende Teil des Landes besteht aus Wüste oder Savanne, nur drei Prozent des Landes sind landwirtschaftlich nutzbar. Hauptlebensader ist der Fluss Niger, der im Südwesten des Landes eine fruchtbare Region durchfließt. Dazu kommen Sicherheitsprobleme: Niger wird von Algerien im Norden und Nigeria im Süden von islamistischen Bewegungen bedroht.

Zudem wurde Niger während der Flüchtlingskrise im Jahre 2015 zum Transitland für Flüchtlinge aus West- und Zentralafrika. Der überwiegende Teil von ihnen durchquerte auf seiner Flucht Niger.

Um sich bei der Bekämpfung der Armut und in Sicherheitsfragen besser abzustimmen, hat Niger im Jahre 2014 zusammen mit Mauretanien, Mali, Burkina Faso und dem Tschad die Regionalorganisation „G5 Sahel“ gegründet. Deutschland und Frankreich wollen die Staaten der Region gemeinsam unterstützen, vor allem durch Ausbildung und Ausrüstung. Deutschland engagiert sich bereits dabei, die Sicherheitskräfte Nigers mit neuen Fahrzeugen und Kommunikationsmitteln zu versorgen, damit sie die weiten Räume des Landes besser überwachen können.

 

Unterstützungsmission für Niger

Im Rahmen der Unterstützungsmission hat Niger von Deutschland bereits 100 gewünschte TOYOTA-Pickup-Fahrzeuge finanziert bekommen. Die Fahrzeuge sind besonders für das heiße Wüstenklima und die hohe Sand- und Staubbelastung geeignet.

Ferner wurden die nigrischen Streikräfte mit Satellitentelefonen ausgestattet, um über große Entfernungen kommunizieren zu können. In der zweitgrößten Stadt des Niger in Agadez wird der Stützpunkt für die nigrischen Streitkräfte ausgebaut. Agadez liegt rund 1.000 Kilometer von der Hauptstadt Niamey entfernt. Bis zur libyschen Grenze sind es noch einmal rund 1.200 Kilometer. Es ist eine der Hauptfluchtrouten aus Zentralafrika.

Auch beim Ausbau der Unteroffiziersschule wird Deutschland elfen, denn die fehlende Infrastruktur kann nicht ohne ausländische Unterstützung aufgebaut werden.

Wie die Unterstützung vor Ort aussieht, zeigt das aktuelle heute am 1.8.2017 veröffentlichte Video des Bundesverteidigungsministeriums.

Bundeswehr in Niger: Die Rettungskette

Der Luftstützpunkt in Niamey, der Hauptstadt Nigers, ist von großer Bedeutung für die Bundeswehr beim MINUSMA-Einsatz der Vereinten Nationen im Nachbarland Mali. Der Luftstützpunkt wird derzeit in der Infrastruktur von den französischen Einheiten der MINUSMA-Mission unterhalten und betreut.

Zwei Transportflugzeuge vom Typ Transall sind ständig in Niamey stationiert. Eine davon dient als MedEvac-Maschine, um bei einem Notfall Verwundete aus dem malischen Gao auszufliegen.

Auf vier Tragen können leichter Verletzte transportiert werden, daneben gibt es noch zwei Intensivbetten. Das Flugzeug verfügt über eine hochmoderne medizinische Ausstattung mit Überwachungsmonitoren, Beatmungsgeräten und Spritzenpumpen, mit denen Patienten automatisch bestimmte Medikamente verabreicht werden können. Die Ausrüstung entspricht der einer Intensivstation, das heißt, Patienten können nach deutschen Standards transportiert werden.

Sollte es beim UN-Einsatz im benachbarten Mali einen Notfall mit Schwerverletzten geben, würde sich die Transallbesatzung sofort startklar machen und nach Gao fliegen. Während die Transall den Patienten aus Gao holt, würde in Köln der MedEvac-Airbus der Bundeswehr nach Niamey starten und dort dann den Patienten übernehmen, um ihn nach Deutschland auszufliegen.

Auf dem Stützpunkt Gao in Mali ist die Bundeswehr mit vier Tiger-Kampfhubschraubern und vier NH-90-Transporthubschraubern in stationiert. Zwei Bundeswehr-Soldaten starben in der letzten Wochen bei Absturz ihres Kampfhubschraubers.
An der MINUSMA-Mission in den Staaten von „G5 Sahel“ sind insgesamt mehr fünfzig Nationen beteiligt.

Das Luftdrehkreuz in Niamey ist deshalb von großer Bedeutung für den UN-Einsatz in Mali und soll künftig noch ausgebaut werden.

Geplant ist ein gemeinsames deutsch-französisches Feldlager. Dort sollen bis zu 140 deutsche Soldaten untergebracht werden. Außerdem sollen sechzig zusätzliche Betten für Durchreisende aufgebaut werden. Mit dem Ausbau der Infrastruktur wird das deutsch-französische Drehkreuz in Niamey noch an Bedeutung gewinnen.

 

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