Donnerstag, 23. Februar 2017
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Bundeswehr: Fire-Power & Money-Fire-Index

Kampfpanzer Merkava Mk 3d BAZ

/// Kolumne /// Die Bundesrepublik Deutschland hat sich im Rahmen des NATO-Bündnis verpflichtet, jährlich 2% des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben. Deutschlands Ausgaben im Verteidigungshaushalt liegen aber derzeit bei nur 1,2 Prozent. Auf Drängen der NATO-Partner, allen voran die USA, soll Deutschland künftig auch das Zwei-Prozent-Ziel anstreben, und müsste dafür aber jährlich mehr als 60 Milliarden Euro ausgeben. Immerhin will sich die Bundesregierung nun in diese Richtung bewegen, bis 2020 soll der Verteidigungsetat von 34,3 auf 39,2 Milliarden Euro steigen.

Doch die einfache Formel: mehr Geld, mehr Verteidigung und mehr Sicherheit gilt heute nicht mehr!

Der israelische Schuß ins deutsche Bullshit-Castle „Verteidigungshaushalt“

Sicherheit, politische Glaubwürdigkeit und Verteidigungsfähigkeit hängen von vielen Faktoren ab, die ganz offensichtlich nicht von der Höhe der Geldausgabe, sondern von der Effektivität der Mittelverwendung und vom politischen Einsatzwillen der Bürgerinnen und Bürger und von der Willensbildung der Politik abhängen.

Ein vertiefter Blick nach Israel mag den Blick für das Machbare und für das Sinnvolle schärfen.

Isael wendete im Jahr 2015 rund 16,1 Milliarden US-Dollar für Verteidigung auf, das sind rund 5,4% des Bruttoinlandsprodukts. Rund ca. 160.000 aktive Soldaten sind im Dienst, 630.000 Reservisten können mobilisiert werden. Die Wehrpflicht beginnt mit 17 Jahren.

Deutschland hat derzeit 177.956 aktive Soldaten. Die Wehrpflicht ist ausgesetzt und setzte beim vollendeten 17.Lebensjahr ein. In der Reserve (Daten April 2012) sind in der Bundeswehr 38012 Reservisten beordert, davon 13247 im Deutschen Heer, 12567 in der Streitkräftebasis, 5108 in der Luftwaffe, 5103 im Zentralen Sanitätsdienst, 1637 in der Deutschen Marine und 350 im BMVg.

Money-Fire-Index
Money-Fire-Index: Die Bundeswehr verbrennt 6,6 Mal mehr Geld als Israel je Soldat – Grafik: pixabay/Montage

Ein einfacher Kostenvergleich zwischen den israelischen Verteidigungsstreitkräften und der Bundeswehr zeigt: Deutschland verbrennt etwa 6,6 Mal soviel Geld für einen einzigen Soldaten wie Israel. Die Währungsunterschiede sind wegen der zeitweiligen Dollar-Euro-Parität unberücksichtigt, verschieben das Bild aber noch weiter zu ungunsten der Bundeswehr.

Israel
16,1 Mrd. Dollar
790.000 Soldaten incl. Reserve
20379.74 $ Fire-Money-Index je Soldat

Deutschland
34,3 Mrd. €
253.680 Soldaten incl. Reserve
135209.71 € Fire-Money-Index je Soldat.

Vergleich der Streitkräfte im Global Fire-Power-Index

Die Internetseite des Global Fire-Power-Index vergleicht weltweit die Zahlenstärken der Streitkräfte und Teilstreitkräfte. Auch ein Blick in diese Statistik zeigt: es läuft offenbar etwas grundlegend falsch im deutschen Verteidigungshaushalt und in den Teilstreitkräften von Marine, Luftwaffe und Landstreitkräften (bzw. Heer): Israel hat bei fast allen Waffensystemen mehr Gerät für weniger als die Hälfte des Rüstungsetats im Einsatz:

Marine
Einheiten: Israel = 115 | Deutschland = 81

Luftwaffe
Einheiten insgesamt: Israel 681 | Deutschland = 676
davon Kampfflugzeuge/Abfangjäger: Israel = 243 | Deutschland 169
davon Transportflugzeuge Israel = 101 | Deutschland = 345

Neubeschaffung 2016/17 Kampfflugzeug der 5. Generation: Israel 20 | Deutschland 0

Hubschrauber: Israel = 143 | Deutschland = 359
Kampfhubschrauber: Israel = 48 | Deutschland = 44

Landstreitkräfte
MBT/Light Kampfpanzer: Israel 4.170 | Deutschland = 408
Armored Fighting Vehicles Gepanzerte Fahrzeuge: Israel = 10.185 | Deutschland = 5.869
Self Propelled Guns (weitreichende Rohrartillerie, Haubitzen): Israel = 650 | Deutschland = 154
Feldartillerie: Israel 300 | Deutschland 0
Raketenwefer: Israel = 40 | Deutschland = 50

Der einfache Vergleich zwischen „Monex-Fire-Index“ und „Global-Fire-Power-Index“ zeigt: es gibt offenbar enorme Effizienzunterschiede bei Ausrüstung moderner Armeen, Seestreikräften und Lufwaffen. Im Ländervergleich mit Israel schneidet Deutschland peinlich schlecht ab.

 

Herausforderungen des hybriden und automatisierten Krieges mit Drohnen und Robotern

Drohnen und die Aufstellung erster Kampfroboter-Bataillone – sowie die von Russland entwickelte Strategie des hybriden Krieges – werden neue Herausforderungen an taktische Kriegführung, notwendige Schutzsysteme und Bewaffnung stellen.

Heute noch in Betrieb befindliche Waffensysteme wie Panzer und bewaffnete Mannschaftstransporter können künftig durch automatische Schwarmdrohnen angegriffen werden, die in großer Zahl und zu niedrigen Kosten produzierbar sind.

PERDIX-Swarm-Dohnen mit künstlicher Intelligenz oder LOCUST-Drohnen können mit Tarn- und Täuschkörpern ausgestattet werden, und in großer Zahl angreifen. Die Zieloptiken moderner Kriegsgeräte sind zudem ein spannendes Angriffs-Ziel für Drohnen: schon ein einfache Farbklecks und Farbnebel können für wenige Dutzend Euro einen 8,5 Mio. € teuren Panzer zum Stillstand zwingen.

Mannschaften in Panzern werden davon überfordert. Und Abwehrwaffen zur Drohnenabwehr werden schnell „leergefeuert.“

Im Verbund von herkömmlichen Waffensystemen, intelligenten und kostengünstigen Waffen entsteht ein neue Strategie des „asymmetrisch-fraktalen“ Krieges, bei dem Angreifer durch zahlenmässig hoch überlegene Systeme von der „Undurchführbarkeit von Angriffsoperationen“ überzeugt werden könnnen!

Man stelle es sich nur vor: zwei Soldaten sitzen in einem hoch technisierten Armata-Panzer, der gleichzeitig von einem Dutzend Drohnen angegriffen wird. Manche fliegen in Bodennähe an, manche senkrecht von oben. Und aus vier Kilometern Entfernung schiessen Scharfschützen Farbpatronen auf die optischen Visiere. Militärisch tritt dann sofort ein, was man „Fire Kill“ nennt. Die Besatzung muss aussteigen und kann nicht mehr schießen. – Wenn sie dann keine Putzlappen und Reinigungsmittel hat, tritt zusätzlich „Mission kill“ ein. Die Mission ist zu Ende!

Die neue Kosten-Formel des modernen Krieges

Mehr Abschreckung und mehr Verteidigung bei weniger Kosten sind heute technologisch in Reichweite. Vor allem kommt es im denkbaren hybriden und automatisierten Krieg mit Drohnen und Robotern zum neuen Theorem der „Undurchführbarkeit von Angriffen.“

Je mehr und je länger ein Kampf geführt wird, desto größer wird der Verschleiss und der Ausfall von Gerät, und desto mehr Schwachstellen entstehen, die mit Drohen und sogar mit nichttödlichen Waffen angegriffen werden können.

Das neue Theorem der „hybrid-fraktalen Überforderung*“ könnte sich als besondere Form der Abschreckung erweisen, das jede Form von Krieg künftig völlig absehbar und kalkulierbar unsinnig macht!

Die neue Kosten-Formel des modernen Krieges könnte heißen: nicht mehr das Töten ist das Ziel, sondern die Undurchführbarkeit militärischer Angriffsoperationen ist bei geringstmöglichen Kosten zu demonstrieren!

Dem Gegner muss nicht mehr ein Wille – sondern nur ein mathematisches Kalkül der Erfolglosigkeit aufgezwungen werden!

 

Weitere Informationen:

Global Firepower Index – www.globalfirepower.com

* Fraktal ist ein vom Mathematiker Benoît Mandelbrot 1975 geprägter Begriff (lateinisch fractus ‚gebrochen‘, von lateinisch frangere‚ (in Stücke zer-)‚brechen‘), der bestimmte natürliche oder künstliche Gebilde oder geometrische Muster bezeichnet.
Mit dem verwendeten Begriff der „hybrid-fraktalen Überforderung“ wird die Hypothese entwickelt, dass Kampffähigkeit und Kampfkraft moderner Systeme durch eine Vielzahl von „Angriffs-Vektoren“ dekonstruiert, zerstückelt und unbrauchbar gemacht werden kann, ohne die finale Zerstörung des Systems als Alleinziel mit einem einzigen Zielschuss zu verfolgen.

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