Dienstag, 22. August 2017
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Carl von Clausewitz: Vom Kriege

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/// Kommentar /// – In seinem Werk „vom Kriege“ hat Carl von Clausewitz grundlegende Gedanken aufgeschrieben, die vom Bild einer Auseinandersetzung zwischen zwei „gleichwertigen“ Gegnern in einem heute „symmetrisch“ genannten Krieg geprägt sind. Diese Gedanken sollten in der aktuellen Lage neu reflektiert werden, und ihre Gültigkeit neu bewertet werden.

Erstes Buch: Über die Natur des Krieges
Clausewitz: „Wir wollen hier nicht erst in eine schwerfällige publizistische Definition des Krieges hineinsteigen, sondern uns an das Element desselben halten, an den Zweikampf. Der Krieg ist nichts als ein erweiterter Zweikampf. Wollen wir uns die Unzahl der einzelnen Zweikämpfe, aus denen er besteht, als Einheit denken, so tun wir besser, uns zwei Ringende vorzustellen. Jeder sucht den anderen durch physische Gewalt zur Erfüllung seines Willens zu zwingen; sein nächster Zweck ist, den Gegner niederzuwerfen und dadurch zu jedem ferneren Widerstand unfähig zu machen.

Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.

Heute debattieren die Abgeordneten des Deutschen Bundestages über die Entsendung von Soldaten und Einsatzmitteln zur Unterstützung der französischen Bündnispartner in einem „asymmetrischen“ Krieg, gegen einen „nicht faßbaren Gegner“, dem zudem mit digital gesteuerten „Echtzeitwaffen“ zu Leibe gerückt werden soll.

Die Entsendung einer Fregattte ins Mittelmeer zum Schutze des französischen Flugzeugträgers „Charles De Gaulle“ ist eine Unterstützung. Die Bereitstellung von Airbus Tankflugzeugen für alliierte Kampfflugzeuge ist aber eine direkte logistische Unterstützung von Kampfeinsätzen.

Mit dem Einsatz von Recce-Tornados wird ein Aufklärungsflugzeug eingesetzt, das für den symmetrischen Krieg zwischen großen Panzerarmeen in Mitteleuropa konzipiert wurde. Dessen moderne „Echtzeit-Bildübertragungen“ liefern pro Stunde tausende Bilder und jeden Tag Dutzende, hunderte und tausende Ziele, über deren zeitnahe Bombardierung entschieden werden muss.

https://youtu.be/9hRTuRZWvZE

Ist es überhaupt Krieg?

Die philosophische Frage lautet: „Können wir einem Gegner mit unseren Einsatzmitteln unseren Willen aufzwingen?“ – Ist es überhaupt „Krieg“, wenn der eine Gegner im Territorium des Gegners zielgenau tötet – ohne hoch oben im Kampfflugzeug selbst in Gefahr zu geraten?

Ist es nicht so: es werden einzelne Gegner und unschuldige Zivilisten getötet – und die wütenden Überlebenden werden umso mehr Anstrengungen unternehmen, uns ihren Willen aufzuwingen? – Vor allem aber: müssen die wütenden Überlebenden nicht alles tun, um zu uns zu gelangen, weil sie die am Himmel auftauchenden Flugzeuge nicht selbst abschiessen können?

Haben wir hier eine Form der Hybris und Entgrenzung des Krieges selbst zu tun, da wir in erster Linie dem Gegner nur noch eine „Explosion“ aufzwingen – und seinen Willen grundlegend außer Acht lassen?

Ist damit eine alternativlose Entgrenzung des „Menschlichen“ verbunden, die in eine endlose „Jenseitsspirale“ führt?

Projekt Gutenberg DE: Clausewitz: Vom Kriege – Link

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m/s