Samstag, 21. Oktober 2017
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Das Ende des Nahen Ostens, wie wir ihn kennen

Volker Perthes: Das Ende des Nahen Ostens

Ein hochaktuelles Buch ist heute zu empfehlen. Der Verfasser Volker Perthes ist Nahostexperte und gefragter Kommentator Internationaler Politk. Mit seinem neuen Buch bringt er uns auf den notwendigen Kenntnisstand, um das Zerbrechen alter Gewißheiten und Ordnungen im Nahen und Mittleren Osten besser zu verstehen, und hinter die bestimmenden Strukturen, die Geschichte und politische Zusammenhänge zu blicken.

Volker Perthes: Das Ende des Nahen Ostens
Volker Perthes: Das Ende des Nahen Ostens wie wir ihn kennen! – Essay – Suhrkamp Verlag 2015

Perthes öffnet auch den Blick für geopolitische Entwicklungen und Trends und empfiehlt auch den Dialog mit den „schwierigen Partnern“ in der Region.

Inhalt

„Zu Beginn des neuen Jahrtausends hätte sich kaum jemand vorstellen können, dass der Nahe Osten derart durcheinandergeraten würde: Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi sind Geschichte; im Kampf gegen den Islamischen Staat kommt es zu einer Annäherung zwischen dem Westen und dem Iran; Syrien oder Irak könnten von der Landkarte verschwinden. Und Länder, die aus geopolitischen Interessen immer wieder in der Region interveniert haben, vermitteln den Eindruck, als würden sie sich nun am liebsten heraushalten.

Auch jenseits der Tagespolitik zeichnet sich ab, dass die 1916 mit dem Sykes-Picot-Abkommen etablierte Ordnung an ihr Ende gelangt sein könnte – ein Umbruch, wie ihn die Welt seit dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr erlebt hat. In dieser Situation unternimmt Volker Perthes den Versuch, aktuelle Verschiebungen in längere historische Entwicklungen einzuordnen, die wesentlichen regionalen Mächte zu identifizieren und Szenarien für eine Post-Sykes-Picot-Ära zu skizzieren.“

Zur Erinnerung: vor knapp hundert Jahren legten ein britischer Offizier und ein französischer Diplomat den Grundstein für die Staatenwelt des modernen Nahen Ostens: Mark Sykes und François Georges-Picot teilten im Auftrag der britischen Krone und des französischen Präsidenten den nahöstlichen Teil des Osmanischen Reiches unter sich auf. Es war ein Geheimabkommen, das aus kolonialer Willkür entstand. Doch die damals festgelegten Grenzen bestimmen bis heute die politische Geographie der Region.

Erst heute zerfällt diese Ordnung unter dem Eindruck des zunehmenden konfessionellen Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten, ausgelöst durch den Irak-Krieg und die immerwährenden Spannungen zwischen Israel und Palästina.
Nicht zu letzt sorgen die Umwälzungen des Arabischen Frühlings, die Ablösung der Regimes in Ägypten und Libyen und der nunmehr fast 5 Jahre dauernde syrische Bürgerkrieg für andauernde staatliche Zerfallsprozesse.

Auch zum IS äußert sich Perthes: er sieht in IS „Kein Staat – aber ein jihadistisches Staatsbildungsprojekt und beschreibt den notwendigen Kampf gegen IS als „militärische, politische und ideologische Herausforderung“.

Im letzten Abschnitt spürt Perthes Zukunftsfragen und Zukunftsbildern nach, um tragende Muster als Ansatzpunkte künftiger Politik zu skizzieren.

Im letzten Abschnitt werden mögliche Eckpunkte künftiger europäischer Politik beschrieben. Und: Perthes rät auch zum Dialog mit schwierigen Partnern. Perthes bleibt übrigens ganz pragmatisch: „In jedem Fall ist es leichter, mit einem schwierigen aber funktionierenden Partner umzugehen, als mit einem gescheiterten Staat.“

Nachbemerkung: die heutige Verleihung des Friedensnobelpreises für das Dialog-Quartett in Tunesien, bestehend aus Wided Bouchamaoui, Houcine Abassi, Abdessattar ben Moussa und Mohamed Fadhel Mahmoud, unterstreicht im Nachhinhein Perthes wichtiges Anliegen: Dialog.

Der Autor
Volker Perthes, geboren 1958, leitet die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin und gilt als einer der international renommiertesten Nahostexperten.

Volker Perthes - Buchcover

Literaturhinweis:

Volker Perthes:
Das Ende des Nahen Ostens,
wie wir ihn kennen – Essay

Suhrkamp
Erschienen: 08.08.2015
Broschur, 144 Seiten
ISBN: 978-3-518-07442-8
14, 00 €

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m/s