Samstag, 18. November 2017
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Der erste „Schultz-Hype“ der Geschichte

Master Sergeant Hans-Georg Schultz

Der Wahlerfolg des vormaligen 44. US-Präsideten Barack Obama war auch einem ausgeklügelten Wahlkampfplan zu verdanken, der erstmals gezielt „Meme“ mit dem Bild des Kandidaten über das Internet und über soziale Medien verbreitete. Es war offensichtlich ein innovatives Konzept, das zum Nachahmen verleitet.

Schon lange vor Obama gab es das Phänomen, den ersten „Schultz-Hype“ in der TV-Geschichte, bei dem ein Gesicht eines TV-Helden zum „Meme“ mutierte, das auch noch heute als Meme-Vorlage im Internet herumgereicht wurd.

Hogan´s Heroes

Es war die US-Serie „Hogan’s Heroes“, eine in 168 Episoden ausgestrahlte TV-Sitcom, die vom 17. September 1965 bis zum 4.April 4 1971 im CBS Network gezeigt wurde.

Die US-Fernsehserie spielte in einem fiktiven deutschen Kriegsgefangenenlager in Hammelburg in den Wäldern von Bad Kissingen während des Zweiten Weltkriegs.
Der populäre US-Schauspieler Bob Crane spielte Colonel Robert E. Hogan, der eine international Gruppe von Alliierten Kriegsgefangenen als „Special Operations Group“ vom Camp aus führte. Werner Klemperer spielte Colonel Wilhelm Klink, den inkompetenten Kommandanten des Camps. John Banner spielte den stümperhaften Oberfeldwebel der Wache: „Master Sergeant Hans Schultz“, mit der Dienstnummer 23789.

Master Sergeant Schultz wurde mit seiner linkischen, unbeholfenen und manchmal dusseligen Art beliebt, weil er zugleich leutselig und liebenswert rund war, mit „325 Pound“ Gewicht. Als Wachsoldat war er gegenüber den Kriegsgefangenen überwiegend freundlich, und liess sich dies gegen kleine Bestechungen entgelten, meist in Form von Schokoladepäckchen des Roten Kreuzes, oder durch die Kochkünste des französischen Kriegsgefangenen Corporal Louis LeBeau (gespielt von Robert Clary), der die Deutschen mal als „Kakerlaken“, mal als „Boches“ und „Pigs“ beschimpfte.

Sergeant Schultz Hauptziel war es, Ärger zu vermeiden. Und so war er auch nicht besorgt über die Aktivitäten der Gefangenen. Wenn Hogan und die anderen Kriegsgefangene offen über ihre nächsten Vorhaben diskutierten und vor Schultz sogar Einzelheiten ihrer neuesten Husarenstücke besprachen, wich Schultz immer aus. Immer wenn es konkret wurde, und Schultz durch eklatante Beweise mit geheimen Aktivitäten der Gefangenen konfrontiert war, schaute er einfach in die andere Richtung und wendete sich ab, und sagte: „I hear nothing, I see nothing, I know nothing!“

„Ich höre nichts, ich sehe nichts, ich weiß nichts!“ wurde schließlich eine der wichtigsten Parolen der Serie und wahrscheinlich die, die am meisten von den Fans der Show im Alltag weiter verwendet wurde.

Als die Serie richtig populär war, wurde die Phrase sogar noch verkürzt: „I see nothing–NOTHING!“ – „Ich sehe nichts, NICHTS!.“

Schultz wurde so im Allgemeinen als grenzwertig unfähig dargestellt, doch in einigen Episoden bewies auch auch gelegentlich seinen Mut, als er etwa einem Gefangenen zur Flucht verhilft.

Meme und Politik
Meme und Politik: Bilder prägen sich ein, Gefühle entstehen, Projektionen im Kopf stimmen das Wahlverhalten ein! „Fakes“ sind „News“! – Grafikcollage: pixabay & memegenerator.net

Sergeant Schultz überlebt als Meme der YouTube-Ära

Die TV-Serie wäre vermutlich einfach vergessen worden, hätte es nicht unentwegte Fans gegeben, die die Wiederholungen der Sitcom bei YouTube eingestellt haben.
Heute kann man die 172 Folgen Hogans Heroes als YouTube-Playlist anschauen.
Die TV-Serie brannte sich regelrecht ins kollektive Gedächtnis ein, und bewies, dass „Monkey Business*“ funktioniert: die sympatisch-unvollkommene Person des Hauptdarstellers Sergeant Schultz wurde populär, obwohl (oder weil) er „I hear nothing, I see nothing, I know nothing!“ sagte.

Der erste „Schultz-Hype“ der Geschichte wurde zum Medienphänomen, das sich heute sogar in populären Meme-Generatoren fortgesetzt hat. Selbst kreierte Meme sind in der Smartphone-Ära eine beliebte Art, seinen Freundinnen und Freunden etwas per Messenger-Botschaft mitzuteilen.

Bundestagswahlkampf mit Memen

Im beginnenden Bundestagswahlkampf werden Meme sicher eine Rolle spielen. Als Protestform, als „Neuro-Marketing-Methode“, um Kandidatinnen und Kandidaten „sympathischer“ erscheinen zu lassen – und als „Politik-Ersatz“, um Gefühlslagen und Stimmungen zu produzieren, und zu reproduzieren.

Mitmachen ist erlaubt – und unterliegt der Rede- und Meinungsfreiheit, sogar der Kunstfreiheit. Und es ist einfach umsetzbar: einfach frei verfügbare Bilder aus sozialen Netzwerken, aus eigenen Fotos und aus freien Bildersammlungen verwenden. Urheberrechte kennzeichnen und ggf. auch Urheber um Erlaubnis fragen.

Im Netz gibt es eine ganze Anzahl von Meme-Generatoren, die gute Dienste tun. Die besten Meme können an die Redaktion gesendet werden. Sie sollen auf bundesweiten Internetseiten, in Facebook und in einem Twitter-Kanal zur Bundestagswahl veröffentlicht werden.

Weitere Informationen:

Meme-Generatoren gibt es im Internet und als Apps für iOS und Android:

https://memegenerator.net

https://imgflip.com/memegenerator

https://makeameme.org

Aktion: die Besten Memes zum Bundestagswahlkampf 2017 aus 299 Wahlkreisen:

Nähere Informationen auf Anfrage bei: redaktion@pankower-allgemeine-zeitung.de

Für Freie Wahlkreiskandidaten und Wählerinitiativen:

Wahlkämpfe mit Memen gewinnen leicht gemacht! Eine Anleitung (Schutzgebühr: 22 €).

* Monkey Business:
Fauler Zauber und Täuschungen beruhen auf Manipulation der Wahrnehmung und Konditionierung.
Bekommen Affen über längere Zeit Bananen aus einem Korb, der an der Decke hängt, so werden
sie künftig beim Betreten eines Raumes immer zuerst an die Stelle schauen, wo ein Korb hing.
Das Verhalten wird durch Üben und Konditionierung verfestigt. Ein Muster, das Politik nutzen
kann. Bilder und Meme sorgen für derartige „Konditionierungen“ – und als guter Demokrat und
Mitglied einer offenen Gesellschaft sollte man sich eben gegen Manipulation wappnen!

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m/s