Mittwoch, 16. August 2017
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Der Herbst kommt mit Laubblasgeräte-Lärm

Der Herbst kommt mit Laubblasgeräte-Lärm

Die modernen Gärtner kommen, mit Ohrenschützern und ohrenbetäubenden Lärm. Benzingetriebene „Laub-Lärmbläser“ blasen alles, aber wirklich auch „Alles“ weg. Man könnte meinen, der Lärm verlagert die Blätter, die erschreckt das Weite suchen, doch physikalisch gesehen ist es ein unbändiger Luftstrom, der durch einen Ventilator oder eine Turbine ausgeströmt wird.

Die Mitarbeiter der Grünflächenamter sind von der Fächerharke auf die modernen Geräte umgestiegen. Es gibt unter den Geräten ganz klare Favoriten: „Die Benziner – auf jeden Fall.“

Diese Geräte haben viel mehr Power, erledigten die Arbeit schneller. Bei motorgetriebenen Schultergeräten ist auch der Tragekomfort besser, Elektrogeräte belasten die Arme stärker. Im Praxistest haben Elektrogeräte auch ein recht heftiges Drehmoment, und sorgen beim Anspringen für einen Rückstoß in den Armen.

Benzingetriebene Laubblasgeräte verbreiten einen Höllenlärm, der bis 97 Dezibel reicht. Die Gärtner tragen Ohrenschützer – aber die Anwohner nicht!

Laub-Blasgerät im Einsatz
Laub-Blasgerät im Einsatz

Naturschützer hadern mit den Laubbläsern

Auch Naturschützer sind generell gegenüber Laubbläsern bedenklich eingestellt. „Da werden Tiere durch die Druckluft verletzt“, sagte etwa Berthold Langenhorst, Referent beim hessischen Nabu, „und es wird die wertvolle Humusschicht weggeblasen.“ Tatsächlich krabbeln aus den Laubhaufen noch tagelang Insekten, Marienkäfer und anderes Getier, das noch vor dem Abtransport dem jämmerlichen Tod durch Zerquetschen im Greifer, im LKW oder später in der Kompostanlage zu entgehen versucht.

Auch treiben die Gärtner vielfach die Humusschicht auf Wege, und insbesondere die wassergebundenen Wege werden damit verschmutzt, und verlieren ihre Wasserdurchlässigkeit.

Wegedecken: wegblasen inklusive!

Insbesondere Radfahr haben für intakte Parkwege ein Gespür. Bei neuen Wegen aus Promenadengrant ist ein stetiges Knirschen der tragenden Gesteinskörner zu hören, die sich in den sandig-lehmigen Belag einarbeiten, wenn das Rad darüber rollt.

Die Tragschichten der „wassergebundenen Decken“ sind eine dynamische Angelegenheit. Der nächste Regen wächst das Tragkorn frei, bis der nächste Radler kommt, und es wieder in die Sand-Lehm-Schicht eindrückt.

Doch was passiert, wenn der Gärtner das lose Tragkorn zusammen mit dem Laub vom Weg „wegbläst“? Fehlt das Tragkorn, sinkt das Rad ein, die Wegedecke wird uneben, es bilden sich Pfützen, die Tragschicht entmischt, und wird schadhaft.

In vielen Berliner Grünanlagen ist es zu sehen, es gibt Wege, in denen im Laufe von 10-20 Jahren die gesamte Tragschicht weggeblasen und weggeharkt wurde.

Radfahrer spüren dann das Spitzkorn der Drainageschichten, die Reifen quält, und den Fahrspaß zermürbt.

Die Laub-Lärmbläser blasen alles weg – sogar den Weg! Und unsere perfekte Zivilisation hat auch schon die Lösung bereit: Immer mehr Parkwege werden in Berlin asphaltiert!

Ameisen, Insekten, Käfer, Bodentiere – ab in den Kompost

Es grausamer Massenmord wird von den Gärtnern zum „Laub-Blasen“ ausgeholt wird. Das zusammengeblasenen Blätter, Blütenblätter, Grünabfälle, Staub und Getier werden zu Haufwerken aufgeschichtet. Schon nach Stunden entwickelt sich Komposthitze. Wenn die „Abfallberge“ abgefahren werden, wird jeweils eine ganze Organismenwelt mit entsorgt. Kompost, lateinisch compositum, „das Zusammengestellte“ ist ein lebendiger Haufen, ein Massengrab – das langsam stirbt, verrottet und unter Einfluss von Luftsauerstoff von anderen Mikroben Bodenlebewesen in Kohlendioxid und wasserlösliche Mineralstoffe und Humus umgewandelt wird.

Die Artenvielfalt wird mit jedem Pflegegang brutal dezimiert – der Pflegezustand raubt den Baumscheiben, Beeten und Wegen dabei ein um das andere Mal mehr Substanz.

Nur Gärtner aus der „Fächerharken-Ära“ wissen noch, wie extensive und bestandserhaltende Pflege geht – mit Sorgfalt und Bedacht.

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m/s