Dienstag, 12. Dezember 2017
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in Pankow beginnt

Der Kunstherbst
in Pankow beginnt

Kristina Ciaglia: Anna Caram

Der Nordosten Berlins mit dem heutigen Bezirk Pankow ist schon seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Ort für Künstler und für die Bildende Kunst. Die Gründung der Vereinigung „Künstler des Nordens“ im Jahr 1926 war die wohl wichtigste Initiative der in dieser Region ansässigen Künstler, die damit zur Belebung der „kulturell vernachlässigten“ nördlichen Berliner Vororte beitragen wollten – und eine lang anhaltende Wirkung in Gang setzten.

Kristina Ciaglia: Anna Caram
Kristina Ciaglia: Anna Caram

Tief verwurzelte Kunstszene im heutigen Pankow

Die Ursachen, warum sich gerade hier viele Künstler niederließen, sind noch nicht genau erforscht. In den bürgerlichen Vororten Groß-Berlins konnten Künstler sich auch privat zurückziehen und zugleich entfalten.

Sommerliche Reisen zur nahen traumbildhaften Ostsee, Ateliers und Pleinairs in der Uckermark und in der Mark Brandenburg boten eine ständige Inspiration für Künstler.

Politisierung der Kunst in den 20er Jahren

Der rapide Wandel der Stadt, dichte Besiedlung und Bebauung, Wachstum der Mietskasernen und Arbeiternot forderten politischen Widerstand heraus. Die politischen Umbrüche und Widersprüche beim Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, Krieg, Inflation, Revolution und Not – schufen dazu mächtige politische Motive und setzten künstlerische Energien frei. Berlin war bald Austragungsort und Hochburg für Protest, politsche Kunst und Kultur.

Die Nachkriegsjahre des Ersten Weltkriegs waren die Zeit der Radikalität und des Experimentierens mit avantgardistischen Stilrichtungen. Zu Anfang der 20er Jahre stellten die expressionistischen Künstler in Theater und Malerei Menschen als Marionetten, Maschinen oder als „Masse“ dar. Viele vom Ersten Weltkrieg desillusionierte Künstler bekämpften provokant die Relikte der wilhelminischen Gesellschaft, die sich in der jungen Republik behauptet hatten. Schonungslos sezierte beispielsweise George Grosz in seiner Bildermappe „Ecce Homo“ die Phänomene der Zeit, während auch andere Maler wie Heinrich Zille versuchten, Armut und Hunger bildlich zu beschreiben. Die Avantgarde gewann zu Beginn der 1920er Jahre an öffentlicher Anerkennung. In zahlreichen Ausstellungen und Museen waren Bilder von modernen Künstlern des Surrealismus und Dadaismus einem breiten Publikum im Deutschen Reich zugänglich.

Politik und Kultur waren aufs engste verwoben, und oft stellte sich künstlerische Innovationsgeist in den Dienst einer politischen Partei. Viele Künstler und Intellektuelle wie John Heartfield und Otto Griebel begeisterten sich für die Ideale der Revolution von 1918/19 und für kommunistische Ideen. Sie stellten ihr Schaffen ebenso in den Dienst einer revolutionär-proletarischen Kunst wie es Käthe Kollwitz mit ihren Bildern für den Pazifismus tat.

Die Gründung der Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands“ (ASSO oder ARBKD) 1928 ging auf eine Initiative von Künstlern zurück, die im Berliner Karl-Liebknecht-Haus, der Zentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), in der Abteilung Agitation-Propaganda mit der Erstellung von politischen Plakaten, Flugblatt- und Zeitungsillustrationen befaßt waren. Maßgeblich beteiligt war der Graphiker und Journalist Max Keilson (1900-1953). Künstler wie Heinrich Vogeler (1872-1942) und Franz Edwin Gehrig-Targis (1896-1968) – beide zugleich Parteifunktionäre der KPD – engagierten sich ebenfalls bei der Gründung der Künstlervereinigung.

Hier bildete sich auch die lang wirksame linke Tradition der Kunst – die sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltete – und schließlich nach dem Formalismusstreit teilweise in der Staatskunst der DDR eingefangen wurde – teilweise in innerer Emigration widerständig blieb.
Die Aufarbeitung der vielen Biographien und künstlerischen Positionen ist heute eine verbliebene Herausforderung für die Kunstgeschichte.

Gründung der Kunsthochschule Weißensee

Die Gründung der Kunsthochschule Weißensee durch den Metallbildhauer Otto Sticht als Hochschule für Bildhauerei, Bühnen- und Kostümbild, Malerei, Mode-Design, Produkt-Design, Textil- und Flächen-Design sowie Visuelle Kommunikation erweist sich heute als großer visionärer Akt.

Die Kunsthochschule hat sich die DDR-Zeit hindurch als eine eigenständige, und auch gegenüber der Staatskunst widerständige Institution entwickelt, an der viele große Künstler unterrichteten:

Aus der Hochschule gingen später viele bekannte Künstler hervor, wie Mark Lammert, Georg Baselitz, Rolf Biebl, Ellen Mäder-Gutz, Sigrid Kupetz, Ulli Lust, Philipp Schack, Einar Schleef, Anna Franziska Schwarzbach, Carl-Heinz Westenburger und Heinz-Karl Kummer und viele, viele andere.

Heute ist die Kunsthochschule nicht nur hoch gefragte „Ausbildungstätte für Indiviualisten“ – sondern auch Experimentierort und Ankerpunkt der Kunst- und Designdisziplinen, der zum Wandel und zu ständiger Innovation in der Kultur- und Kreativwrtschaft beiträgt. Kunst und Kreativität durchdringen heute praktisch alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche – Kunst als „Vordenken im Experiment“ ist für Wirtschaft und Gesellschaft zur Inspirationsquelle und mittelbar auch zum Innovationstreiber geworden.

Die frischen Absolventen der Kunsthochschule drängen heute in eigene Ateliers, Projekträume – und erzeugen mit ihren sozielen Facebook-Netzwerken eine „transitorische Kunstszene“, die beständige Experimente des Neubeginns inszeniert – aber auch eine immense Bilderflut.

Die Künstler des Nordens und Schloß Schönhausen

Die Vereinigung der „Künstler des Nordens“ zeigte auch in den dreißiger Jahren ihre Werke in mehreren Ausstellungen im Schloß Schönhausen, als längst offen und mit allen Mitteln „entartete Kunst“ von den Nationalsozialisten geächtet wurde – und Künstler verfolgt und zur Auswanderung gezwungen wurden. Zwischen Anpassung und Widerstand gab es unter den Künstlern Spaltungen – aber auch den Willen trotz der Zeitläufte Kunst zu zeigen und zu produzieren. Erst der zweite Weltkrieg beendete diese durchaus beachtenswerte Phase der Kunst, die Christa Koronowski und Peter Koronowski in dem Buch „Kunst und Künstler im Berliner Norden: 1926 – 1945 aus der Geschichte eines Künstlerbundes und dessen Ausstellungen im Schloss Schönhausen“ aufgearbeitet wurde.
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten plant nun, diese Phase der Kunstgeschichte in der Nazizeit in einer großen Ausstellung kritisch aufzuarbeiten – und im Schloß Schönhausen zu zeigen.

Schalck-Golodkowski – INTRAC und das BMFin

Zu den Merkwürdigkeiten der Wende gehört der Vermögensübergang der Bestände des alten Kunsthandels der DDR. Dessen geschäftliche Fäden zog Alexander Schalck-Golodkowski mit der staatlichen Firma INTRAC, die in der Pestalozzistrasse in einem Geschäftshaus residierte, das heute neben vielen Firmen auch die freien „Kunstetagen Pankow“ beherbergt.
Die zum Teil unter dubiosen Umständen „gesammelten“ und zusammengekauften Bestände de DDR-Kunsthandels gingen zuerst ins Vermögen der TREUHAND und danach als verwaltetes Vermögen an das Bundesfinanzministerium, genauer das „Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen mit Sitz in Berlin-Weißensee, unweit der Kunsthochschule Weißensee.

Ein großer Teil der Werke wurde inzwischen in das Kunstarchiv Beeskow nach Märkisch-Oderland überführt und soll von dort aus wissenschaftlich erschlossen, erhalten und gezeigt werden.
In Schloß Biesdorf stehen auch die Pläne, nach Umbau und Sanierung Bestände aus dem Fundus der DDR-Kunst öffentlich zu zeigen.

Merkwürdig bleibt: die historische Forschung ist heute in Dresden und Beeskow verortet. Weder Berlin noch Brandenburg noch die Stiftung Aufarbeitung haben sich bisher der Aufarbeitung der Kunstgeschichte der alten DDR richtig angenommen – obwohl noch viele auskunftsbereite Zeitzeugen mitwirken könnten.

Deutsche Wiedervereinigung und Kulturpolitik

Die Wende 1989 brachte eine Kuriosität hervor, deren Wirkung man noch bis heute in Pankow nachspüren kann: Das neue Kulturamt zog zuerst in Erich Mielkes ehemaliges Haus in der Stille Straße 10 ein – und von hier aus wurden die Weichen für die bezirkliche Kulturpolitik gestellt. Ziel war auch, Paradigmen und Axiome staatlicher DDR-Kunst- und Kulturpolitik bis in die heutige Zeit hinüber zu retten.

Gerade im Bereich der Kunst ist es auch gelungen. Die kommunalen Galerien und ihre Freundeskreise sind aus der Kunstszene der DDR hervorgegangen, und haben dabei aber auch wichtige Wandlungen vollzogen.

Einige Protagonisten sind dabei widerständig und eigenständig durch die Zeit gegangen. Manche erhielten auch eher unfreiwillig DDR-Staatspreise und hatten es schwer danach, sich zu erklären. Und einige wenige haben sich durch die Zeiten wechselnden Verhältnissen angepasst.

Mit dem Umzug ins Kulturareal Thälmannpark rückte das Kulturamt in den Mittelpunkt des Bezirks und hat nunmehr 20 Jahre einen Kunstetat verteidigt, der in anderen Berliner Bezirken längst der Sparpolitik zum Opfer fiel.

Kommunale Galerien

Die Galerie Pankow an der Breiten Strasse ist über 50 Jahre alt, und wagt heute auch bisweilen das Experiment mit jungen Künstlern. In der Galerie Parterre wird die Vernetzung zwischen alter Kunstszene ostdeutscher Prägung und den westlich geprägten Institutionen wie Akademie der Künste, Berlinische Galerie und dem Hamburger Bahnhof entwickelt und gepflegt.

Die Aufarbeitung der Geschichte des DDR-Kunsthandels in einem bemerkenswerten Ausstellungsprojekt „Klaus Werner – die grüne Tür“ war auch ein wichtiger Schritt, das Schisma zwischen „Ost- und Westkunst“ zu überwinden – das noch immer eine „deutsche Teilung des Kunstmarktes“ markiert.
Es ist ein durchaus gelungener Übergang – der aber weiter elitär vor allem mit der Generation 50plus arbeitet. Das große Feld der nachwachsenden Künstlergenerationen wird in Pankow eher stiefmütterlich behandelt. Die alljährliche freie Kunstförderung von rund 150.000 € fließt dabei nur in kleinen Tropfen auf heiße Steine.

Die kulturpolitische Aufmerksamkeit richtet sich heute vor allem auf eine endemische Kunstszene – die sich als ältere „digitale Offliner“ in einer eigenen Sphäre bewegen. Die kommunalen Galerien wurden als „Bezirksbesitztum“ begriffen, und eine kommunikative Öffnung wurde sogar verhindert: noch 2010 durften weder Galerie Pankow noch Galerie Parterre eigene Webseiten unterhalten und mußten sich mit Unterseiten den Kulturamtes zufrieden geben.

Inzwischen hat sich auch das Bild gewandelt: die drohenden Sparbeschlüsse haben die Freundeskreise mobilisiert – und beide kommunale Galerien sind heute mit eigenen Webseiten und „nichtamtlichen Nachrichten“ ausgestattet.

Die Galerie Parterre ist heute in Gefahr, der geplanten Modernisierung des Haus 103 am Kulturstandort Thälmannpark zum Opfer zu fallen. Nur die offenen Vermögensfragen im Prater haben bislang den Umzug der Galerie in die Kastanienallee verhindert. Leider hat die Politik ihre kulturpolitische Brückenfunktion zwischen Ost- und Westkunst noch nicht richtig entdeckt.

Es wäre wichtig, wenn hier seitens des Kultursenats Hilfestellung angeboten wird – weil nicht nur „Hängungsflächen“, sondern vor allem „zeithistorisches Wissen“ und „Kompetenzen“ und „Kunstbeziehungen“ erhalten und gepflegt werden sollten.

Die Kunststadt Berlin – und auch der Bezirk Pankow brauchen auch den „historische Tiefenblick“, um sich wieder und wieder neu erfinden zu können.

Größte Kunstszene Berlin in Pankow zu Hause

Die vielen künstlerischen Biographien, Familienbande und auch politische Orientierungen durch die Zeitläufte hindurch, haben ein tief verwobenes Netz geschaffen, das die größte Kunstszene Berlins heranreifen ließ – und auch manche Archive und Stiftungen hinterlassen hat.

Pankow ist heute Heimat von vielen Künstlerfamilien in zweiter und dritter Generation – und erlebt zugleich ein Novum der Kunstgeschichte: es gibt Künstler, die am Lebensabend ihres Künstlerlebens eine zum Teil auskömnmliche staatliche Rente erhalten, und sich „erstmals in ihrem Leben einen „gebrauchten Mercedes“ leisten können“ – so ironisierte es einer der namhaften Künstler auf einer Vernissage 2010, und zeigte auf seinen Jahreswagen der Mercedes A-Klasse.

Viele Künstler darben aber mit Kleinstrenten und Sozialunterstützung – und sind bis in Alter aktiv. Manche lassen es sich dabei auch gut gehen, und leben im Sommer in ländlichen Ateliers in Brandenburg oder profitieren von Mäzenatentum und Freunden.

Rund 1000 junge Künstler suchen neue Ateliers und haben ihren Bedarf beim Atelierbüro des BBK e.V. gemeldet. Über 1.400 Künstler der Bildenden Künste sind in Pankow beheimatet. Es gibt über 20 Atelierhäuser und rund 210 Ateliers und über 50 Galerien und dazu viele Projekträume und Interims-Ausstellungen.

Die Zeit ist damit reif, in ganz Pankow neu über Kunst, Bildende Künstler und ihre Bedeutung für die Stadt neu nachzudenken

Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Erneuerung

Die kulturpolitische Aufmerksamkeit des Pankower Kulturamtes richtet sich heute vor allem auf eine ältere Kunstszene – die sich in den Vernissagen der kommunalen Galerien zusammenfindet. Junge Kunst kommt im Bezirksetat noch nicht angemessen zur Geltung. Auch die geografische Verteilung der Mittel für Mieten, Raumkosten und Heizkosten wird vornehmlich auf die Bezirksteile Alt-Pankow und Prenzlauer Berg konzentriert.

In Berlin-Buch hat man den Künstlerhof als lebendigen Kunstort aus der Zeit fallen lassen. Kunst in Buch ist heute auf private Förderer angewiesen, wobei das Helios-Klinikum eine eigene Galerie erhält, die vornehmlich halböffentlich für Patienten zur Verfügung steht.

Das Spannungsfeld bewegt sich zwischen Bewahrung und Erneuerung: während die Kunsthochschule alljährlich viele junge Künstler in die Welt entsendet – hat die bezirkliche „Kunstpolitik“ vor allem „elitäre Pflege“ der arrivierten Künstlerbiographien im Sinn.
Die freie Kunstszene wächst stetig und meldet neue Bedarfe an – die zu einem großen Teil nur durch das „Back-Up“ von „Hartz4-Bezug“ und durch die Atelierförderung gedeckt werden.

Pankows Kulturpolitik versagt bisher dabei – die neu gewachsene Kunstszene insegesamt auch im Berliner und internationalen Kunstmarkt angemessen zu positionieren.

Kunstszene mit vielen Positionen und Geschwindigkeiten

Heute sind in Pankow, mit Schwerpunkt in Prenzlauer Berg, rund 50 Galerien und etliche Projektäume zu finden, in denen ein geregelter und bisweilen chaotischer Kunstbetrieb stattfindet.
Mit der Galerie Parterre und der Galerie Pankow hat sich der Bezirk entgegen der langjährigen Sparpolitik zwei kommunale Galerien bewahrt, dazu die einzige bezirkliche Kunstsammlung. Die Galerie im Prater in der Kastanienallee soll nach Klärung der Rückübertragungsansprüche auch wieder entstehen.

Seit drei Jahren wird auch in der Etage des Bezirksbürgermeisters Kunst „gehängt“ – und schon manche Vernissage wurde mit „Galerie im Rathaus Pankow“ überschrieben.

Aktuell zeigt die Künstlerin Kristina Ciaglia ihre Ausstellung: ANAM CARA (irisch: Seelenfreund) mit großformatigen Ölbildern, zarten Pastellkreiden und Fotografien, die die Landschaft der irischen Inseln vielgestaltig abbilden. Kuratiert wird die Ausstellung von Heike Roßfeldt, die hier vor drei Jahren erstmals Bilder aus der kommunalen Kunstsammlung präsentiert hatte.
Kein anderer Bezirksbürgermeister in Berlin ist so nah und so oft von Kunst auf seiner Rathaus-Etage umgeben.

Freie Galerien

Daneben gibt es herausragende freie Galerien, wie etwa Galerie Forum Amalienpark, die durch größzügige Förderung der Cajewitz-Stiftung zu einem bedeutsamen Ort für Kunst und Literatur wurde, und heute von einem großen Künstlerkreis getragen wird.
Prägend für Weißensee ist auch die Galerie ABAKUS nahe dem jüdischen Friedhof Weißensee, die sich nach dem Tod ihrer Gründerin Jo Eckardt nun neu als Ort für junge Kunst etabliert.

Die vielen Galerien und Projekträume tragen eine Mannigfaltigkeit künstlerischer Positionen – und beherbergen eine Vielfalt kuratorischer und programmatischer Zielsetzungen. Eine Aufzählung verbietet sich geradezu, weil jeder Ort Biographien und Geschichten verbindet, die es erst zu entdecken gilt.

Aus Kritikersicht bemerkenswert: eigentlich befinden wir uns in Pankow nicht mehr in einer Kunstszene, sondern einer kleinen „Kunst-Galaxis“, in der sich viele Akteure in unterschiedlichen Räumen und in unterschiedlichen Tempi bewegen und zeigen.

Nimmt man junge Galerien wie Galerie Kuchling, oder Staatsgalerie Prenzlauer Berg, so werden völlig unterschiedliche soziale Sphären deutlich, die aber im Gestaltungswillen und Streben nach Innovation verbunden sind – und jeweils eigene Szenen binden.

Fotokunst rückt zudem immer stärker ins Zentrum: manche Galerien wie „exposure 12“ und „Extro-Galerie“ sind spezialisiert – andere zeigen Fotokunst im Wechsel mit Malerei und Skulptur, wie z.B. „Galerie Ei“

Galerien wie „Mika Anderesen“ auf dem Pfefferberg oder „Hunchentoot“ in der Choriner Strasse locken bisweilen auch internationales Kunstpublikum an – und bilden inzwischen auch eine Brücke nach Berlin-Mitte, das sich noch immer als „Mitte der Berliner Kunstszene“ wähnt.

Und Anke Zeisler bindet als Galeristin viele nahmhafte Künstlerinnen und Künstler – und kuratiert erfolgreich große Ausstellungsprojekte, wie zum Kleist-Jahr, die bundesweit Aufmerksamkeit erranngen und von Frankfurft/Oder bis Speyer gezeigt wurden (VIERUNDDREIßIG ZU KLEIST – Bilder und Blätter von 34 bildenden Künstlern zu Heinrich von Kleist 2011).

Liza Nevinnaja: Unschuld - in der Galerie Vinogradov
Liza Nevinnaja: Unschuld - in der Galerie Vinogradov

Mit dem Begriff „Kunst-Galaxis“ kann man auch dem Phänomen der unterschiedlichen „Geschwindigkeiten“ gerecht werden:

In Projekträumen wie „The Reed Door“ in der Kopenhagener Strasse oder oder „ErsterErster“ tagen bisweilen „Facebook-Freundeskreise“, die ganz schnell virtuell und pragmatisch auf Ideen, Formate und Tages- oder Abendpräsentationen geeinigt haben. Ein Phänomen der Beschleunigung von Kunst, das weder von Berichterstattung noch großem Publikum erreicht wird – das vielerorts in Berlin beobachtbar ist – das Kunst auch aus der Gesellschaft enthebt – und nach der Art von Swinger-Clubs privatisiert.

Daneben existieren Symbiosen aus Kunst- und Weingalerie in Prenzlauer Berg, oder auch reine Verkaufsgalerien wie Galerie A in Alt-Pankow, oder der „Kunst-a-Bunt“Galerieladen am Kollwitzplatz, bei dem auch Kunst und Grafik von Käthe Kollwitz, Heinrich Zille bis hin zu Picasso und Manet gekauft werden können.

In der Friesickestrasse in Weißensee ist die Kunstgießerei und Galerie Flierl die erste und heißeste Adresse für Bildhauerkunst und Skulptur. Hier entwickelt sich mittlerweile ein Kraftzentrum privaten und betriebswirtschaftlichen Kunstbetriebs, das höchst selten geworden ist.

Fanny Galera, al vuelo - in der Galerie Flierl
Fanny Galera, al vuelo - in der Galerie Flierl

Der Kunstherbst in Pankow beginnt schon im August

Während in vielen Berliner Galerien noch Sommerpause herrscht, sind im Pankow durchgehend im Sommer viele Galerien geöffnet. Meist sind es individuelle Öffnungstage und -zeiten – denn viele Galeristen betreiben noch einen auskömmlichen Broterwerb neben der Galerie. Anders wär die große freie Galerieszene kaum lebensfähig.

Doch im August schon beginnen sich die Vernissagen zu häufen, gerade sind fünf neue Ausstellungen eröffnet worden.

Der Kunstherbst in Pankow beginnt im August – und mache Kunstliebhaber in Berlin haben nun eine ganze Menge neu zu entdecken! m/s

Weitere Informationen:

Die „Kunstgalaxis“ kann am Besten im KULTURPORTAL erkundet werden:
www.kultur-in-pankow.de

Aktuelle Ausstellungen:

Akira Ikeda Gallery:
Takahide Koike
Dauer: 1. 6. – 31. 8. 2013

Druckgraphik-Atelier:
Centro Internazionale della Grafica di Venezia + Andreas Kramer
das Nachtbuchprojekt + Farbholzschnitte
Dauer: 16. 8. – 24. 9. 2013

exposure twelve:
Karin Idelson & Anke Schüttler: Privado / Book of Life
Dauer: 11. 8. – 7. 9. 2013

Extro-Galerie:
Yvonne Szallies-Dicks: Zanzibar – mein KinderLand
Dauer: 12. 8. – 22. 9. 2013

Galerie Grusiniac:
Impressionen aus Georgien von
Manana Bobokhidze, Giorgi Khodeli, Lela Mtchedlishvili, Beso Ginturi und Vano Zubashvili

Dauer: 1. – 30. 8. 2013

Galerie Kuchling:
Frank Busk: Women in Woodcuts
Dauer: 2. – 30. 8. 2013

Galerie Flierl:
Zeitgenössische Spanische Skulptur von Fanny Galera & Beatriz Blanch
Dauer: 8. – 26. 8. 2013

Galerie Forum Amalienpark:
Konrad Knebel & Franziska Schwarzbach: Malerei & Skulptur
Dauer: 4. 8. – 7.9. 2013

Galerie im Rathaus Pankow:
Kristina Ciaglia: ANAM CARA
Dauer: 15. 8. – 31. 10. 2013

Galerie: Maria Bischoff:
Matthias Zimmermann – Utopian Worlds
10. – 31. 8. 2013

Galerie MeinBlau e.V.:
HAWAI‘I – THE NATIVES ARE NOT HAPPY – Skulpturen von William Hanson
Dauer: 11. 8. – 8. 9. 2013

Galerie Pankow:
Ursula Strozynski „Südwärts“
Dauer: 07. 8. 2013 – 22. 9. 2013

Galerie Parterre:
Quadrophonie mit
Christoph Tannert Marc Gröszer, Martin Colden, Petra Flierl, Micha Reich

Dauer: 28. 8. – 13. 10. 2013

Galerie Remise Degewo:
Roswitha Grüttner: Malerei und Grafik
Dauer: 14.8. – 12.9.2013

Galerie: Vinogradov:
Liza Nevinnaja: Unschuld
Dauer: 25.08. – 14.09.2013

Seppmaiers 2raumwohnung:
Gudrun Poetzsch: Auf Papier
Dauer: 8. 8. – 28. 9. 2013

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m/s