Dienstag, 21. November 2017
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Die Digitalisierung des Gleichgewichts des Schreckens

Am 20.Januar 2017 wird der 45. US-Präsident Donald J. Trump vereidigt. An diesem Tag beginnt eine neue politische Ära, die eine bisher vorhandene weltweite jahrzehntelange Friedensordnung verändern wird. Das bisher durch das Gleichgewicht des Schreckens (auch MAD-Doktrin, von engl. mutually assured destruction, „wechselseitig zugesicherte Zerstörung“) geprägte System internationaler Machtpolitik verändert sich. Neue technologische Entwicklungen und einhergehender psychologische Auswirkungen auf das Denken und Entscheidungsverhalten von politischen und militärischen Organisationen erzwingen neue Konstellationen, Rahmenbedingungen – und neue rationale Verhaltensweisen.

Hybrid-Digitaler Echtzeitkrieg als Dauerzustand?

Digitalisierung, Automatisierung, Vernetzung und Beschleunigung bis hin zum Echtzeitverhalten (minus x Sekunden) sorgen für völlig unkalkulierbare und chaotische Einflüsse auf gegenseitige Kommunikation und Verständigung. Die Doktrinen des hybriden Krieges sorgen zudem für eine völlige Durchdringung von zivilen und militärischen Zwecken.

Die politischen Handlungsoptionen des „hybrid-digitalen Echtzeitkrieges“ bedrohen alle bisherigen auf „politisch-analogen“ Vertrauen gegründeten internationalen Vertrags-Systeme.

Echtzeit-Streß und Informationsüberlastung bedrohen darüber hinaus auf Dauer jegliches rationales Entscheidungsverhalten – egal ob in politischen oder militärischen Organisationsmustern.

Das bisherige Sicherheitssystem „Rotes Telefon“ wird womöglich obsolet. Es hat schon in mehreren Fällen einen überraschend ausgebrochenen Atomkrieg verhindert.

Die Kategorien des „analogen und politischen Vertrauens“ werden womöglich außer Kraft gesetzt, weil die Technologien der Beschleunigung jegliche menschlichem und politischen Entscheidungsprozesse „automatisiert und programmiert“ überrennen. Gibt der Mensch dabei seine Entscheidungskompetenzen an IT-Systeme ab, droht eine neue Art des „digital überwachten potentiallen Kriegszustands, der künftig automatisch jederzeit in Echtzeit ausbrechen kann.

Unkalkulierbare Psychologie des US-Prädidenten

Das bisher kaum rational einschätzbare Verhalten des künftigen US-Präsidenten sorgt auch für die Infragestellung bisheriger auf „rationales und geplantes Entscheidungsverhalten“ gegründeter Axiome und Theoreme mmiltärischer und politischer Handlungsmuster.

Wir haben schon einen schlaflosen US-Präsident „elect“ kennengelernt, der mitten in der Nacht (Ortszeit New York) seinen Twitter Account aktiviert, und spontane Gedankenmuster in 140 Zeichen digital in Echtzeit in alle Welt hinaussendet.

Wir sind dazu noch erschrocken, dass Trumps eigener Biograf ihm das Denken eines 13-Jährigen bescheinigt hat. Ob die Wahlkampfaussagen von „America first“, seine angebliche Freundschaft zu Russland und sein Lebenswerk als Immobilien-Tycoon die strategischen Überlegungen des „Commander in Chief“ der US-Streitkräfte und Atom-Streitkräfte verändern, kann nur vermutet werden. Das bisherige militärstrategische System von Potenzial, Glaubwürdigkeit, Kommunikation und Rationalität wird sich radikal verändern.

Hubert Wetzel, Korrespondent der Süddeutsche brachte sogar noch eine größere Besorgnis zum Ausdruck, weil Trump die Attacke Putins auf den Kern der Demokratie negiert: „Der Egomane Trump ist unfähig, diesen Unterschied zu erkennen, weil er nicht über seine eigene Person hinausschauen kann. Er ist beleidigt, fast paranoid, weil er glaubt, man wolle seinen Sieg anzweifeln. Deswegen twittert er trotzig im Pippi-Langstrumpf-Modus vor sich hin: Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt“ (Hubert Wetzel | 6.1.2017 | Süddeutsche).

Neue Waffen-Entwicklungen, Echtzeit-Angriff und Automatisierung

Alle Nuklear-Nationen arbeiten an Hyperschall-Waffen. USA, China, Indien und Russland – aber auch Deutschland verfügen über bereits einsetzbare Prototypen bzw. Triebwerkstechnologien.

Bei einer Temperatur von −50 °C und einem Luftdruck von 26 kPa (nach Standardatmosphäre üblich in ca. 10.000 m Flughöhe) beträgt die Schallgeschwindigkeit rund 300 m/s = 1080 km/h. Ein Passagierflugzeug, das unter diesen Bedingungen mit einer Reisegeschwindigkeit von Mach 0,8 fliegt, hat eine Geschwindigkeit von 240 m/s = 864 km/h.
Hyperschallwaffen erreichen die 6-14 fache Schallgeschwindigkeit – und können praktisch als Erstschlagswaffen binnen weniger als 20 Minuten ihre Ziele erreichen. Zu wenig, um noch Gremienentscheidungen zu fällen, und rote Telefone zu bedienen.

Noch bedenklicher sind superschnelle Unterwassertorpedos, die bis zu 200 Knoten (= 370 km/Stunde) schnell werden, und atomar bewaffnet werden können. Angetrieben von einem Haupt- und mehreren Nebenraketentriebwerken, deren Abgase zur Nase des Torpedos geleitet und dort ausgestoßen werden, rauschen diese nach dem Prinzip der Superkavitation durchs Wasser. Sie können praktisch kaum entdeckt werden, und überraschend Hafenstädte und große Schiffe zerstören.

Darüberhinaus wird an „Elektromagnetischen Waffen“ gearbeitet, die etwa gezielt elektronische Geräte, Fahrzeugelektronik, die Avionik von Flugzeugen und das gesamte Internet lahmlegen können, nebst Elektrizitätswerken, Wasserwerken und sämtlicher gesteuerten Infrastruktur. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz unterscheidet inzwischen ganz offen zwischen „Nuklearer elektromagnetischer Puls (NEMP), E-Bomben und EM-Waffen und Hochleistungs-Mikrowellen (HLMW).

Die in den USA „Global Prompt Strike“ genannte Strategie führt zu neuartigen Erstschlags-Szenarien, weil etwa die Zündung einer Atombombe mit exoatmosphärischen nuklearen elektromagnetischer Puls (EXO-NEMP) auf einen Schlag alle elektronischen Geräte und Steuerungen zerstört. Nordkorea könnte so die USA angreifen, und mit einer einzigen Rakete einen EMP-Schlag führen, dessen Folgewirkungen nach etwa einem halben Jahr zum Tod von bis zu 90 Prozent der Bevölkerung führen, weil die gesamte Wasser- und Nahrungsversorgung zusammenbricht.

Der technologische Trend und die sich ergebenden Einsatz-Strategien überfordern aufgrund von Beschleunigung, Unkalkulierbarkeit und Überraschung jegliche denkbaren „menschlich-politischen Entscheidungsstrukturen“.

Es entsteht ein Systemzwang, zur „automatisierten Abwehr“, zur „automatisierten Antwort“ und zum „automatisierten Zweitschlag.“ Diese Entwicklung wird alle Regierungen weltweit unter Dauerstress und Ungewißheit setzen und letztlich immer mehr unkalkulierbare Risiken erzeugen. Es ist eine Entwicklung die auf JEDEN FALL politisch begrenzt werden MUSS!

geöffneten Raketenschächte der Ohio
Geöffnete Raketenschächte der Ohio (SSBN-725) für Trident C-4 (UGM-96) Raketen – das erste von 18 U-Booten der „Ohio-Klasse“ – Foto:: PH1 ANDERSON – DoD gemeinfrei

Clausewitz und die Spieltheorie

Die Grundannahme der MAD-Doktrin und das Gleichgewicht des Schreckens wurde spieltheoretisch auch als „Nash-Equilibrium“ bezeichnet´. Es beschreibt in „nicht-kooperativen Spielen“ eine Kombination von Strategien, wobei jeder Spieler genau eine Strategie wählt, von der aus es für keinen Spieler sinnvoll ist, von seiner gewählten Strategie abzuweichen. In einem Nash-Gleichgewicht ist daher jeder Spieler auch im Nachhinein mit seiner Strategiewahl einverstanden, er würde sie wieder genauso treffen. Die Strategien der Spieler sind demnach gegenseitig beste Antworten.

Die Grundannahme der MAD-Doktrin bestand darin, dass keine Seite so irrational ist, für die Vernichtung des Gegners auch die Vernichtung des eigenen Landes in Kauf zu nehmen. Deswegen nimmt man an, dass die Kontrahenten auf einen atomaren Erstschlag verzichten werden, wenn der Gegner danach noch die Möglichkeit eines Gegenschlages hat. Dies führt zu einem zwar spannungsgeladenen, aber dennoch stabilen Frieden.

Doch Digitalisierung, mediale Entgrenzung der Kommunikation über Datennetze und Bildschirme und Automatisierung mit Echtzeit-Systemen sorgen heute dafür, dass Zweck, Ziel und Mittel von potentiellen Auseinandersetzungen unkalkulierbar werden.

Die von Carl von Clausewitz (1780–1831) bedachten Grundprinzipien der „Theorie vom Kriege“ verändern sich damit dramatisch: schon in Friedenszeiten, in denen keiner der Gegner die Entschlossenheit seines Feindes genau einzuschätzen vermag, wird jeder versuchen, so entschlossen wie möglich zu sein.

In Zeiten der hybriden Kriegs-Strategien führt dies wechselseitig und unweigerlich zum „Dauerkonflikt“

Clauswitz vertrat die provokante These, dass ein Krieg erst mit der Verteidigung des Angegriffenen beginne. Ohne Verteidigung würde es nicht zu bewaffneten Kämpfen kommen, die Clausewitz für die Grundlage des Kriegsbegriffs hielt.

Das Modell der hybriden russischen Kriegführung sorgt zusätzlich dafür, dass es auch in Friedenszeiten keine Trennung mehr zwischen dem „theoretischen Modell“ des „absoluten Krieges“ und dem rein mit militärischen Mitteln geführten Erfahrungsmodell des „wirklichen Krieges“ (Clausewitz) gibt. In den Kategorien des 18. Jahrhunderts galt diese Unterscheidung von Clausewitz noch. Heue müssen wir bei praktisch jeder Auseinandersetzung vom „totalen Krieg“ – auch gegen die Zivilbevölkerung ausgehen. Dies ist die bittre Lehre aus allen Kriegen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Veränderungen der strategischen US-Doktrinen seit 1980

Am 25. Juli 1980 sprach US-Präsident Jimmy Carter in der Presidential Directive 59 von einer neuen „Ausgleichsstrategie“ (countervailing strategy). Ziel der US-Militärplaner war fortan, einen Nuklearkrieg auch gewinnen zu können. Deklariertes Ziel der Nuklearsprengköpfe waren nun nicht mehr die sowjetische Bevölkerung, sondern an erster Stelle die Führungszentren, dann militärische Ziele. Damit verband sich die Spekulation, die Sowjetunion würde aufgeben, bevor es zu einer totalen Zerstörung der UdSSR und der USA käme. Das Wort vom „Enthauptungsschlag“ kam in die strategischen Diskussionen.

US-Präsident Ronald Reagan setzte danach in seiner Strategic Defense Initiative (SDI) darauf, das MAD-Gleichgewicht durch eine neue Strategie der amerikanischen Überlegenheit zu ersetzen. Eine umfassenden Raketenabwehr sollte die USA vor Angriffen oder Gegenschlägen aus der Sowjetunion schützen. Die Strategie scheiterte jedoch an den Techniken von SDI und an kaum abschätzbaren Kosten. Das Prinzip von MAD und das das Nash-Gleichgewicht der gegenseitigen Abscbreckung gelten stillschweigend noch bis heute.

Doch die NATO hat seitdem die Installation eines Raketenabwehrsystem gegen nukleare Erpressung durch Staaten mit geringer nuklearer Kapazität (wie etwa Iran und Nordkorea) vorangetrieben und installiert. Russland fühlt sich dadurch bedroht und hat seinerseits begonnen, atomare Mittelstrecken-Raketen zu modernisieren, um eine politische und militärische Eskalationsdominanz des Westens zu verhindern.

Das Ringen um Gleichgewicht und Eskalationsdominanz bestimmt zukünftige Konflikte

Eskalationsdominanz bedeutet die „Fähigkeit, Zeit und Grad der militärischen Verschärfung eines Konflikts zu bestimmen.“ Es geht dabei um Realpolitik und Machtpolitik.

Nach dem Abzug der Bundeswehr-Patriot-Einheiten in der Türkei hat Russland die Chance gnutzt, und seine modernsten Luftabwehr-Raketen in Syrien stationiert. Die „Luftverteidigungs-Glocke“ sorgt nun dafür. dass die russischen Flugzeuge, Schiffe und Flughäfen relativ gut geschützt sind. Die russische Führung kann deshalb Grad und Intensität des Krieges nach Belieben steuern.

Weder USA noch NATO oder Türkei können nun noch eigenständig eine Flugverbotszone über Syrien einrichten.

Nach dem gleichen Muster hat Russland seit dem Beginn des Ukraine-Krieges und der Krim-Annektion auch Luftabwehr-Raketen an seiner Westgrenze stationiert, die den Luftraum über baltischen Staaten und Polen und erreichen können.

Zudem wurden Iskander-Raketen mit bis zu 700 Kilometer Reichweite im Raum Kaliningrad stationiert, die atomar bewaffnet werden können. Diese Raketen haben weniger als 30 Minuten Flugzeit und können Berlin, Warschau, Stockholm, Kopenhagen und Helsinki erreichen. Russland hat sich damit praktisch im Krisenfall eine Eskalationsdominanz bis zur Erstschlagsoption in Europa gesichert. Europa muss darauf eine Antwort finden, denn Russland sichert sich damit Einfluss, und versucht Staaten wie Bulgarien, Türkei und die Balkanländer wieder in seinen politischen Einfluss-Sphäre zu ziehen.

Erstschlags-Technologien und Echtzeitfähigkeiten sorgen für immmer ausgefeiltere wechselseitigen Innovationen in der Waffen-Entwicklung. Zwischen den großen militärischen Mächten läuft ein technologisches „Ringen um Gleichgewicht und Eskalationsdominanz“, um in Konflikten über möglichst viele politische Handlungsoptionen VOR einer kriegerischen Auseinandersetzung verfügen zu können. Dies ist eine fatale Ausgangsbedingung für einen nie endenden Rüstungswettlauf.

Europa – vom NATO-Partner zum Glacis des hybriden Krieges?

Mit der Wahl von Donald J. Trump ist eine große Unsicherheit entstanden, wie sich das Verhältnis zwischen den USA und Russland entwickeln wird, und welchen sicherheitspolitischen Einfluss Europa künftig noch ausüben kann.

Die EU-Kommission, Europäischer Rat und NATO-Rat haben praktisch 10 Jahre lang eine alternativlose Abrüstungspolitik verfolgt, und haben auf eine Entspannung mit Russland gesetzt. Russland hat in der Zeit seine Waffensysteme mit Hilfe westlicher Rüstungsfirmen modernisiert, und verfügt heute sogar über erste einsatzbereite Roboter-Kampfbrigaden.

Die europäischen NATO-Staaten haben ihren Anteil an der „faktischen Eskalationsdominanz“ des Militärbündnisses weitgehend eingebüsst. Gleichzeitig hat man gegenüber den USA nicht die vertraglich zugesicherten Bündnisverpflichtungen eingehalten, und den Anteil der Rüstungsausgaben unter das geltende Niveau gesenkt.

Die politischen und außenpolitischen Folgen sind dramatisch: europäische Politik wird nicht mehr ernst genommen! Auch in den USA blickt man inzwischen skeptisch auf die europäischen Partner und NATO-Partner. Mit dem Brexit verlässt überdies eine bedeutende europäische Nuklearmacht die Europäische Union. Dies wird auch das NATO-Bündnis berühren.

Weder im Ukraine-Konflikt, noch in Syrien und auch nicht im Verhältnis zur türkischen Regierung gibt es noch glaubwürdige Optionen, oder politisch wirksame Interventionsmöglichkeiten. Die Mitteln der Gesprächsdiplomatie werden stumpf, weil sie nicht mehr mit militärischer Macht „hinterlegt“ sind.

Selbst Jean Claude Juncker sieht inzwischen einen Bedeutungsverlust Europas. – Europa droht damit zum Vorfeld zu werden, über das USA und Russland politisch und militärisch verfügen. Zudem droht der politische Zerfall der Europäischen Union.

Politische Glaubwürdigkeit: NATO-Nuklear-Doktrin und europäische Zweitschlags-Option

Die Welle des Populismus, das Aufkommen nationalistischer Führungen und dramatische Innovationen der Waffensysteme drohen inzwischen die ganze Welt in unendliche neue Rüstungsspiralen zu treiben.

Europa hat lange Zeit als Friedensmacht gewirkt und trägt heute eine gro0e Mit-Verantwortung, dass die Welt nicht gänzlich in endzeitliche Dauerkrisen-Szenarien hineinfällt.

Um friedensstiftende Politik neu aufzunehmen und voran zu bringen, müssen Sicherheit und Glaubwürdigkeit der europäischen Politik wiederhergestellt werden. Zugleich muss Europa mit den Nuklearmächten Frankreich und Grossbritannien eine neue gemeinsame NATO-Doktrin aufstellen und bestehende Bündnis-Zusagen erneuern.

Im Verhältnis zu den USA müssen die EU-NATO-Partner mehr effektive Leistungen im Bereich Abschreckung und Verteidigung übernehmen, ohne dabei gleich eine neue weltweite Aufrüstungs-Spirale in Gang zu setzen. Die Erneuerung und Stärkung der „Abschreckungs-Doktrin“ wäre der kostengünstigste Weg, der ohne Waffen-Neubeschaffung funktionieren kann.

Die europäischen Verteidigungsminister sollten dem neuen US-Präsidenten ein neues militärisches „Verhandlungspaket“ präsentieren! – Wenn man alle möglichen Optionen mit dem neuen US-Präsidenten durchgeht und neu verhandelt, gibt es auch eine Chance für eine neue weltweite Abrüstungs-Politk.

Atom-U-Boot der Ohio-Klasse
Atom-U-Boot der Ohio-Klasse USS Louisiana (SSBN -743) – Rückversicherung für die Abschreckung – U.S. Navy photo by Mr. Brian Nokell – 051012-N-6497N-096

Die europäischen NATO-Partner sollten dazu die USA auffordern, zwei Atom-U-Boote der Ohio-Klasse Schritt für Schritt unter ein gemischtes amerikanisches und europäisches Kommando zu stellen, und entsprechende Kapitäne, Offiziere und Mannschaften auszubilden. Die USA können so von gemeinsamen Kosten der Bündnisverteidigung entlastet werden. Gleichzeitig würde die Glaubwürigkeit der Abschreckung untermauert.

Es würde es damit eine paritätische transatlantische Zweitschlag-Option geben, die zugleich als bedeutsame Rückversicherung für die Aufrechterhaltung politischer und militärisch hinterlegter Glaubwürdigkeit auf beiden Seiten das Atlantiks dient.

Die U-Boote werden noch bis etwa 2030 im Dienst stehen. Das ist ein Stichdatum, das weltweit aufgrund des Klimawandels und der schwindenden Bio-Ressourcen und Flüchtlingskrisen so etwas wie ein letzter Wendepunkt für einen Erhalt einer nachhaltigen Zivilisation auf dem Planeten ist. Bis 2030 besteht weltweit noch Zeit, für eine durchgreifende weltweite Abrüstung.

Die Angebote des neuen US-Präsidenten Donald J. Trump zu einer Verbesserung des Verhältnis mit Russland können gemeinsam geprüft und durch weitere neue Verhandlungsangebote unterlegt werden. Europa könnte mit seinem Gewicht am Verhandlungstisch bleiben und an einer gemeinsamen Politik im UN-Sicherheitsrat mitwirken.

Die USA könnten gleichteitig ein starkes Signal an die Welt senden, ihre Bündnispartner zu unterstützen – und zugleich ihre Interessen ernster nehmen, und tatsächlich Macht und Lasten zu teilen.

Gleichzeitig wäre es ein Zeichen an die gesamte internationale Gemeinschaft, vom Streben nach militärischer Eskalations-Dominanz abzulassen. Auch gegenüber China, Indien und anderen Staaten können neue Abrüstungsverhandlungen angeboten werden, die die Entwicklung von Hyperschallwaffen und elektromagnetischen Waffen betreffen.

Die fatale Spirale des Strebens nach militärischer und technologischer Eskalations-Dominanz muss mit aller Weisheit gestoppt werden, weil sie sonst unaufhaltsam zum nicht mehr beherrschbaren „digitalen Primat“ der automatischen Abwehr- und Waffensystemen über alle Politik führt! – Die „Digitalisierung des Gleichgewichts des Schreckens“ würde jegliches politisches Vertrauen vom Planeten tilgen, und durch Kategorien von permanenter Angst, Überraschung und Schrecken ersetzen.

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