Freitag, 18. August 2017
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„Die Stadtmitte – ein gewonnener Ort“

Spannungsfelderauf dem Rathausforum

Die Stadtmitte Berlins steht neu zur Disposition: das Stadtschloß ist inzwischen als Baukörper kenntlich, das Humboldtforum wird Wirklichkeit. Der Bau der U-Bahn geht voran, mit überraschenden historischen Funden – und bald startet der vom Senat initierte Dialogprozess zur Neugestaltung der Rathausforums, das zugleich Berlins ältestes Zentrum ist.

Spannungsfelderauf dem Rathausforum
Spannungsfelder auf dem Rathausforum – Grafik: Urban Catalyst studio 2011

Es gab schon mehrere Anläufe und Ansätze, die historische Mitte neu zu denken. Eine anschauliche Grafik von Urban Catalyst studio aus dem Jahr 2011 wird vorangestellt, die so etwas wie ein analytischer Ausgangspunkt ist. Experten um Professor Klaus Overmeyer hatten eine stadträumliche Analyse erstellt, die mit den Projektpartnern Stadt•Land•Fluss, Büro für Städtebau und Projekte im Jahr 2010 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin entstand.

Der Titel „Spannungsfelder auf dem Rathausforum“ signalisiert: das städtebauliche Umfeld hat große räumliche Spannungen, die den Ort charakterisieren, ein mögliches Zentrum verdichten. Gleichzeitig drängen gelb gezeichnete Spannungslinien nach Außen, und desintegrieren den Ort. Es sind räumliche Tatsachen, die bei der Neugestaltung des Ortes gut bedacht werden müssen. Ein Ort mit besonderer Geschichte, mit vielen historischen Brüchen, und ein sich verändernder Ort.

Ein Ort „immerfort im werden“

„Wer kennt die historische Mitte Berlins? Der weite Raum zwischen Alexanderplatz und Spree lässt die Kollision der Geschichte an diesem Ort nur erahnen. Eine umfassende Analyse des Kernbereiches und der angrenzenden Quartiere haben die Potenziale dieses bedeutenden aber vergessenen Ortes freigelegt. Darauf aufbauend spricht sich Urban Catalyst studio für die Entstehung eines Bürgerforums aus. Zwischen dem gesamtstädtischen Wahrzeichen des Fernsehturms, der ältesten Kirche Berlins und dem Berliner Rathaus soll gemeinsam mit den Bürgern ein neuer Identifikationsort für Gesamtberlin entstehen,“ schrieb Urban Catalyst studio zum RATHAUSFORUM.

Die Vorarbeit zeigt die Herangehensweise erfahrener Architekten und Städtebauer, deren Kenntnisse und Fähigkeiten heute bei Dialogprozessen und moderierten Beteiligungsverfahren von besonderer Bedeutung sind. Sie können den „Ort“ beschreiben und zugleich „sprechen“ lassen – und so ein Verständnis schaffen, bevor Bürger und Politik über wünschbare Veränderung sprechen können.

Dialogprozess Berlins Mitte

Anläßlich der für Mitte Februar geplanten Fortsetzung des Dialogprozeß, der durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Friedrich-Ebert-Stiftung angeführt wird, kommt heute eine Wortmeldung von Seiten der Stiftung Zukunft Berlin, die schon seit mehreren Jahren die Diskussion um Berlins Mitte mit Foren und Thesenpapieren fördert.

Die gute Verbindung zur Stiftung Zukunft Berlin soll genutzt werden, um den Dialogprozeß zu begleiten, und eine breite Basis herzustellen. Vorstandsmitglied Stefan Richter ruft heute zur Bürger-Beteiligung auf.

Stefan Richter
Stefan Richter, Vorstand Stiftung Zukunft Berlin –
Mitglied im Kuratorium Berliner Mitte

„Die Stadtmitte – ein gewonnener Ort“

„Welche Stadt hat die Chance über die Gestaltung seiner historischen Stadtmitte neu nachdenken zu dürfen? Eine wunderbare Ausgangssituation für Berlin!

Die Stiftung Zukunft Berlin hat Essentials für die Entwicklung des Bereiches rund um den Fernsehturm und das Humboldtforum erarbeitet. Vor der baulichen Entwicklung steht die Klärung der neuen Funktion der Mitte.

Wir wünschen uns die Stadtmitte als Zielort, als städtischen Treffpunkt, Versammlungsort und als internationalen Anlaufpunkt für die Hauptstadt. Voraussetzung dafür ist eine attraktive Vernetzung mit den umliegenden Quartieren.

Die derzeit dominierende Transitfunktion muss unterbrochen werden. Die großen das Gebiet zerschneidenden Verkehrstrassen und geschlossenen Gebäuderiegel müssen durchlässiger werden. Der Hackesche Markt liegt, obwohl nur wenige Fußminuten entfernt, gefühlt in einer anderen Stadt. Die öffentlichen Räume und die Spreewege müssen neu verknüpft und lesbar werden.

Eine weitere Herausforderung ist, das historische Erbe sichtbar zu machen und trotzdem eine Mitte für die Zukunft zu entwickeln mit Antworten für das 21. Jahrhundert.

Heterogenität ist eine Qualität, Harmonisierungsversuche sind keine Lösung.

Offensichtlich wird dies im Konflikt zwischen Marienkirche und Fernsehturm. Hier wird sichtbar, welch unterschiedliche Kulturen die Stadt geprägt haben. Heute kommt es darauf an, Kulturen zu versöhnen und Kraft aus der Vielfalt der Kulturen und ihrer spezifischen Erfahrungen zu ziehen.

Dazu kann auch das Humboldtforum dienen, wenn sich die Stadtgesellschaft das Gebäude zu eigen macht und es nicht als weiteres Museum betrachtet.

Die Stadtmitte könnte sich zu einem Treffpunkt von Stadt und Welt entwickeln.

Die Gedanken sind frei. Nutzen wir diese einmalige Chance für unsere Stadt und streiten um die besten Ideen.“

Stefan Richter

Weitere Informationen:

Dialogprozess Berlins Mitte
16.02.2015 | 18:30 Uhr
Veranstaltungsort: Umspannwerk Alexanderplatz, Voltairestraße 5, 10179 Berlin-Mitte
Veranstalter: Friedrich-Ebert-Stiftung, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt – Link

Stiftung Zukunft Berlin – www.stiftungzukunftberlin.eu

Bildnachweis:
Um eine neue Stadtdebatte und die Phantasie zu beflügeln wurde auf aktuelle Fotos des Ortes verzichtet.
Die Grafik (auszugsweise und im Vollformat) wurde von Urban Catalyst studio zur Verfügung gestellt.

Spannungsfelder auf dem Rathausforum
Spannungsfelder auf dem Rathausforum – Grafik: Urban Catalyst studio 2011

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m/s