Donnerstag, 14. Dezember 2017
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„Die Wollankstrasse in Pankow“

Wollankstrasse in Pankow um 1900 - Postkarte

Die Pankower Wollankstrasse steht im Blickpunkt einer neuen Ausstellung des Freundeskreis der Chronik Pankow e.V., die am 23.11.2013, um 15.00 Uhr im Brosehaus eröffnet wird. Die Ausstellung trägt viele bislang unbekannte und neue Fakten über die Geschichte dieser für die Entwicklung Pankows wichtigen Strasse zusammen.

Wollankstrasse in Pankow um 1900 - Postkarte
Wollankstrasse in Pankow um 1900 - Postkarte

Benannt wurde die Strasse nach der Gutsbesitzerfamilie Wollank, die im 18. jahrhundert nördlich Berlins größere Ländereien besaß. Der ursprüngliche Familienname „Wolläncke“ wurde mit Geburt des ersten männlichen Sohnes im Jahr 1728 in Wollank geändert.
In der Familie der Wollanks gab es mehrere Generationen, die eng mit der Pankower Geschichte verbunden sind.
Der Seidenhändler Gottlieb Friedrich Wollank (Wolläncke, 1771–1851) erwarb 1801 den Weinberg vor dem Rosenthaler Tor. Sohn Adolph Friedrich Wollank (1805–1865) erwarb 1859 das in Pankow gelegene Gut (Berliner Straße, Ecke Borkumstraße) des Weinhändlers J. H. Bernoullyn. Desseb Sohn Friedrich Adolph Wollank war viele Jahre Amtsvorsteher in Pankow und Anlieger der nach ihm benannten Straße.

Seit 1882 war die Wollankstraße bereits enthalten auch im Berliner Adressbuch verzeichnet.

S-Bahn und Straßenbahn

Der S-Bahnhof hieß zuerst noch Prinzenallee und war bis 1891 nur ein Bedarfshalt. Aufgrund seiner Lage im Berliner Bezirk Pankow wurde er 1879 in Pankow (Prinzenallee) und 1893 in Pankow (Nordbahn) umbenannt. Am 1. Mai 1911 wurde der Namenszusatz entfernt. Am 3. Oktober 1937 bekam der Bahnhof seine heutige Bezeichnung Wollankstraße.
Die erste elektrische Straßenbahn von Siemens & Halske fuhr 1896 durch die Wollankstraße.

Bezirksneuordnung

Die Wollankstrasse wurde am 1.4.1938 zwischen Prinzenallee und S-Bahn dem Berliner Bezirk Wedding, dem heutigen Gesundbrunnen zugeschlagen.

Mauerbau und Todesstreifen

Aufgrund seiner Lage stellte der Bahnhof nach dem Mauerbau eine Besonderheit dar: Er gehörte zum westlichen Teilnetz der S-Bahn, lag aber im damaligen Ost-Berliner Stadtbezirk Pankow. Er war in Betrieb, hatte einen geöffneten Ausgang zum Westsektor direkt auf der Grenzlinie und konnte daher vom Westteil aus ohne Kontrolle benutzt werden. Ein Schild neben dem Eingang wies Passanten auf diese Situation hin. Die Mauer verlief unmittelbar östlich des Bahnhofs, seine Zugänge Richtung Ost-Berlin waren versperrt. Der Bahnhof bot zu Anfang einen Ausblick in Ost-Berliner Wohnungen, später auf den sogenannten Todesstreifen.

Nach der Übernahme der S-Bahn in West-Berlin am 9. Januar 1984 durch die westlichen Gremien wurde von der BVG nur noch ein „Rumpfbetrieb“ bei der West-S-Bahn durchgeführt, Wollankstraße gehörte nicht dazu. Aufgrund von Protesten u. a. der Frohnauer Bürger wurde die S-Bahn-Strecke in Richtung Frohnau (an der sich auch der Bahnhof Wollankstraße befindet) am 1. Oktober 1984 wieder in Betrieb genommen. Durch seine besondere Lage unterstand der Bahnhof jedoch der Verwaltung der Reichsbahndirektion Berlin. Das Personal für den Bahnhof kam bis zur Wiedervereinigung aus Ost-Berlin und trug die Uniform der DR. Die Zugabfertiger erreichten den Bahnhof durch eine kleine Tür, die sich unmittelbar an die Grenzsicherungsanlagen anschloss. Die Bahnhofsausstattung entsprach dem DR-Standard.

Wollankstrasse heute

Die Wollankstrasse entwickelt sich nach dem umfangreichen Straßenneubau und der Instandsetzung der Geh- und Radwege heute zu einer lebendigen Geschäftstrasse und ergänzt damit den Florakiez. Neben Spätverkaufsshops und Backcafés entwickelt sich langsam ein höherwertiger Einzelhandel. Eine Galerie und Kunsthandwerk finden sich hier, neuerdings sich auch ein Weinhandel und verschiedene Dienstleister für Druck, Foto und Kopieren.
Auch mehrere Gaststätten und eine Tapasbar verzeichnen einen Besucherzuwachs.
Die Museumsbäckerei und das Museum für Kindheit zeigen noch das alte ländliche Pankow der Gründerzeit. Die prächtigen Altbauten der Jahrhundertwende 1900 sind Bauten eines erfolgreichen Bürgertums.

Zwischen dem S-Bahnhof Wollankstrasse und dem Pankower Rathaus prägt die Wollankstrasse heute das Stadtbild von Alt-Pankow.

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
„Die Wollankstrasse in Pankow“

Sonnabend, den 23.11.2013, um 15.00 Uhr
ahrverbindung: Tram M1 und Bus 107, Haltestelle Kuckhoffstraße

Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. – Dietzgenstr. 42  13156 Berlin-Niederschönhausen

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