Mittwoch, 13. Dezember 2017
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Dunkle Wolken über Griechenland

Olymp - Vorabend einer Sturmnacht

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist in höchster Not, dem Staat drohen erneut zum 1. Mai 2016 die Gelder auszugehen. Tsipras hat aktuell einen Notgipfel der EU gefordert, um die Probleme zu lösen und weitere Hilfsgelder der EU zu erhalten. mit denen fällige Kredite zu tilgen und laufende Ausgaben zu decken sind. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit hat auch der griechische Finanzminister Euclid Tsakalotos gegenüber Tsipras bereits seinen Rücktritt angekündigt. Tsakalotos erhöht damit den Druck und protestiert gegen die scharfe EU-Sparpolitik.

Olymp - Vorabend einer Sturmnacht
Olymp: Vorabend einer Sturmnacht am 23.4.2016 – Blick von Neos Marmaras über die Halbinsel Kassandra mit 80 km klarer Sicht – Foto: M/S

Tatsächlich steht das Land ohne weiteres frisches Geld aus dem dritten EU-Hilfsprogramm Anfang Mai vor der Staatspleite. Es spitzt sich eine ähnliche Situation wie im Herbst 2015 zu. Im Juli 2016 muss Griechenland 2,7 Mrd. € Kredite zurückzahlen, Geld das nicht vorhanden ist.

Die EU beharrt auf ihren Sparauflagen, die aber im Effekt noch gar nicht alle und vor allem nicht vollständig umgesetzt wird. So eskaliert der politische Konflikt zwischen Griechenland und EU erneut. Die EU will weitere Sparmaßnahmen in Höhe von 3,6 Mrd. €, die aber auch wieder Rentner treffen sollen, die aufgrund eines fehlenden sozialen Sicherungssystems in Griechenland oft auch Kinder und Familienangehörigen mit „durchfüttern“.
Zum kommenden griechischen Osterfest am 1.Mai wird in allen Regionen vor Ort gefeiert, und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt stehen alle Politiker in Griechenland vor ihren Wählern und Nachbarn, und müssen sich verteidigen. Es könnte sein, Tsipara verliert an diesem Wochenende seine knappe Mehrheit von 153 Stimmen im 300 Stimmen zählenden Parlament. Das Land müsste dann erneut Neuwahlen durchführen, noch mehr Unsicherheit und noch mehr finanzielle Not drohen.

Lage vor Ort – eine Reportagereise nach Chaldikien

Eine Reise nach Griechenland stand schon seit einiger Zeit auf dem Plan. Die Redaktion packte deshalb Kamera und Laptops zusammen und verlegte die Arbeit für 12 Tage nach Griechenland. Die Pankower Allgemeine Zeitung und das angeschlossene Mediennetzwerk wurden so nahtlos und mobil aus der Region Haldiki (auch Chalkidiki, eingedeutscht Chaldikien) betreut. Die Internetverbindung war stabil in schnell.

Das Land sollte besucht werden, Gespräche mit lokalen Gesprächspartnern gesucht werden – Eindrücke und Fotos vor Ort sollten gesammelt werden.

Die Reise ging kostensparend per Easyjet nach Thessaloniki, und führte danach per PKW in eine Gegend, die wohl als Teil des klassischen alten Griechenland zu bezeichnen ist, weil sie vom gut sichtbare Bergmassiv des Olymp dominiert ist.

Schaut man aus über achtzig Kilometern Entfernung, quer über den Kolpos Kassandra (Toronäischer Golf), quer über die Halbinsel Kassandra und quer über den Thermaischen Golf hinüber zumn wolkenumgebenden Olymp, so spürt man, wieso dieser Berg als Sitz der olympischen Götter angesehen wird.

Die drei Halbinseln Kassandra, Sithonia und Athos repräsentieren bis heute das charakteristische Kulturland Griechenland, das zwischen dem Olymp und der autonomen Mönchsrepublik Athos mit dem berühmten Berg Athos entfaltet.

Gepgrafische Karte Chalkidiki
Gepgrafische Karte Chalkidiki – Grafik: Christaras A – CC BY-SA 3.0

Hier zeigt sich Nordgriechenland von seinen schönsten Seiten: Natur, Berge, klarstes Meer-Wasser – klare Luft und eine von Olivenbaumkulturen und Weinbau dominierte Landschaft. Dazu schöne alte Nadel-Wälder, die bedingt durch hohe Luftfeuchtigkeit und hohen Luftaustausch ganzjährig grün bleiben, mit üppiger Frühjahrsblütenpracht an den Säumen.

Die Zeichen der tiefen Krise waren jedoch auf der Fahrt überall zu sehen: stillgelegte Fabriken und Handelsgeschäfte, viele Investitions-Ruinen, nicht fertiggebaute Häuser und Ferienhäuser, leere und verfallene Läden.

Die ganze Region befindet sich im quasi-Zustand der Rezession. Es ist nicht nur eine Finanzkrise – sondern eine tiefe Strukturkrise, die die Menschen viel stärker betrifft, als der Umbruch die alte DDR betraf. Es gibt weder Arbeit, noch Geld, noch ausreichend neue Investitionen – und dazu Abwanderung und bedrohliche Steuerkonkurrenz in Bulgarien.

In Küstenorten wie Nikiti und Neos Marmaras wurde fleissig aufgeräumt, gebaut und geputzt. Ab Mai beginnt die nächste Tourismus-Saison, in der hier Gäste aus ganz Griechenland, vom Balkan und vor allem aus Bulgarien und Rumänien Urlaub machen.

Hier waren auch Ruhe und Erholung zu finden. Die Flüchtlingskrise ist vor Ort wichtiges Gesprächsthema, das aber aus der Distanz erlebt wird. Helfer und Mediziner vom Camp Idomei an der mazedonischen Grenze kamen nach Neos Marmaras, um Urlaubspause zu machen.

Die Halbinsel Sithonia wurde näher erkundet, hier ist eine altes griechisches Dorf zu finden, von dem im nächsten Beitrag berichtet wird. Sithonia ist die mittlere der drei Halbinseln und wird von Nord nach Süd in der Mitte vom dicht bewaldeten Itamos-Gebirge durchzogen. Höchster Gipfel ist der Itamos (817 m), der genau zwischen Olymp und Berg Athos liegt, die jeweils etwa 80 km Luftlinie entfernt sind.

Demnächst zu lesen: Parthenonas – das malerische alte Dorf

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