Donnerstag, 19. Oktober 2017
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Ehrung für den jüdischen Lehrer Dr. Fritz Wachsner

Ehrung für Lehrer Dr. Fritz Wachsner

In einem von Schülern gestalteten Festakt wurde die Aula der Wilhelm-von-Humboldt Gemeinschaftsschule am vergangenen Donnerstag in „Fritz Wachsner Saal“ umbenannt. Als Ehrengast war Marianne Meyerhoff aus Los Angeles, die 73jährige Enkelin des NS-Opfers, mit ihrem Mann Joel Steinberger gekommen.

Ehrung für Lehrer Dr. Fritz Wachsner
Ehrung für Lehrer Dr. Fritz Wachsner – Foto: Wilhelm-von-Humboldt-Schule

Bewegte Angehörige verlegten Stolperstein

„Dreht Euch um“, sagte sie bewegt zu den Schülerinnen und Schülern im Saal. „Der Geist von Fritz flitzt heute hier herum. Wenn ihr ihn seht, dann seht ihr, wie glücklich ihr ihn gemacht habt.“ Nach dem Festakt wurde ein Stolperstein für Fritz Wachsner vor der Schule verlegt. Dank der Unterstützung des Zentralrates der Juden in Deutschland und der Berliner Harold-Bob-Stiftung war es der Gemeinschaftsschule möglich, die Enkelin von Fritz Wachsner nach Berlin einzuladen und das gesamte Projekt zu verwirklichen.

Stolperstein für Lehrer Dr. Fritz Wachsner
Stolperstein für Lehrer Dr. Fritz Wachsner – Foto: Wilhelm-von-Humboldt-Schule

Geschichtsprojekt an der Schule

In einem groß angelegten Geschichtsprojekt hatten sich die 650 Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-von-Humboldt Gemeinschaftsschule mit der wechselvollen 100-jährigen Vergangenheit ihres von Ludwig Hoffmann projektierten Schulgebäudes in der Erich-Weinert-Straße 70 beschäftigt. Dabei wurden sie auch auf das Leben und das Schicksal des jüdischen Lehrers Dr. Fritz Wachsner aufmerksam.

Über den ermordeten Lehrer

Herr Dr. Wachsner kam 1920 als Lehrer an die damalige Schinkel-Schule. Von September 1930 bis März 1931 war er kommissarisch Direktor der Schule. Wenige Wochen nach der Machtergreifung der Nazis 1933 verlor der beliebte Lehrer seine Stellung aufgrund seines jüdischen Glaubens und durfte nicht mehr als Lehrer im staatlichen Schuldienst arbeiten. Fritz Wachsner, 1886 in Berlin geboren, wurde am 5. September 1942 zusammen mit seiner Ehefrau Paula von der Gestapo nach Riga deportiert und ermordet. Auch sein Sohn Ernst wurde ermordet. Nur Tochter Charlotte konnte sich unter dramatischen Umständen in die USA retten.

Ausstellung zum Geschichtsprojekt Wilhelm-von-Humboldt-Schule
Ausstellung zum Geschichtsprojekt – Foto: Wilhelm-von-Humboldt-Schule

100 jähriges Jubiläum der Schule mit Ausstellung

Die Festveranstaltung am 27. November war gleichzeitig Höhepunkt des Geschichtsprojekts zum 100. Geburtstag des Schulgebäudes. Unter den Gästen waren auch ehemalige Schüler der Schinkel-Schule. Sie wurden als Zeitzeugen für das Projekt interviewt. Die Ergebnisse ihres Geschichtsprojekts präsentierten die Schülerinnen und Schüler in einer großen Ausstellung in der Gemeinschaftsschule.

Das alte Schulgebäude erstrahlt zum Jubiläum in neuem Glanz. Es wurde in den letzten vier Jahren denkmalgerecht und umfassend saniert. Schulleiterin Gabriela Anders-Neufang: „Es gibt kein schöneres Geschenk für einen 100jährigen Jubilar, als ein so betagtes Gebäude in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.“ Zum großen Geburtstag ihres Schulgebäudes kamen die Schülerinnen und Schüler der Wilhelm von Humboldt Schule verkleidet wie vor 100 Jahren. Die Erich-Weinert-Straße vor der Schule wurde für den Verkehr gesperrt und es gab auf der Straße Spiele wie vor 100 Jahren.

Erste Gemeinschaftsschule

Über die Wilhelm-von-Humboldt Gemeinschaftsschule (WvH): Die WvH war die erste neu gegründete Gemeinschaftsschule des gleichnamigen Berliner Pilotprojektes.
 Inzwischen ist die Schule bei Eltern, Wirtschaft, Hochschulen und Politik hoch anerkannt und findet durch Lehrer- und Studentenbesuche aus dem In-und Ausland sehr positive Beachtung. Zu Beginn des Schuljahres 2013/14 wurde sie mit einem exzellenten Schulinspektionsergebnis ausgezeichnet. Bereits in 2012 wurde sie als eine der 50 besten Schulen Deutschlands durch die Jury des Deutschen Schulpreises ausgewählt. Zur Recht darf sich die WvH als ein deutschlandweit und international anerkannter Leuchtturm der Berliner Bildungslandschaft bezeichnen! Die Wartelisten sind lang, es gibt mehr Bewerber und Interessenten als Schulplätze. Seit der Gründung arbeitet das Team der Schule daran, ihre gemeinsamen Visionen von einer Schule für alle, einer Schule des langen gemeinsamen Lernens, mit einer Kultur der Anerkennung, Motivation, Wertschätzung und des Respekts voreinander in die Tat umzusetzen. Das Lernen findet jahrgangsübergreifend und fächerverbindend statt. Dabei steht das individuelle ebenso wie das kooperative Lernen im Mittelpunkt.

– Beitrag: Carola Ehrlich-Cypra, Vorsitzende der WvH Gesamtelternvertretung –

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m/s