Donnerstag, 17. August 2017
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Erfolgsstory: Bündnis für Nachhaltige Textilien

Bündnis für nachhaltige Textilien

Am Anfang stand eine Katastrophe: am 24. April 2013 wurden beim Einsturz des Rana Plaza in Sabhar, 25km nordwestlich der Hauptstadt Dhaka in Bangladesh 1127 Menschen getötet und 2438 verletzt. Der Einsturz des achtgeschossigen Stahlbetonskelettbaus, der als Produktionsgebäude für 3.000 Textil-Arbeiterinnen diente, lenkte den Blick der Weltöffentlichkeit auf eines der drängendsten Entwicklungsprobleme: Billiglohnarbeit in der Textilindustrie. Seit diesem Tag steht das Thema nachhaltige Textilwirtschaft auf der Agenda der Entwicklungspolitik.

Am 16.10.2014, eineinhalb Jahre nach Rana Plaza, hatte Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller (CSU) das „Textilbündnis“ auf den Weg gebracht. Dessen Ziel ist es, konkrete Verbesserungen der sozialen und ökologischen Standards in der Textil- und Bekleidungsindustrie zu erreichen. Fast zwei Jahre nach dessen Zustandekommen ist das „Bündnis für Nachhaltige Textilien“ eine der Erfolgsstories der Deutschen Politik für „wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“.

Im Textilbündnis sind im Juli 2016 insgesam 185 namhafte Unternehmen aus Textilproduktion, Textilhandel, zugehörige Fachverbände und Designer vertreten.

Heftiger Widerstand zum Start – inzwischen breite Akzeptanz

In der Gründungsphase stieß das geplante Textilbündnis auf starke Kritik der Wirtschaft – es wurde von Vertretern von Modeindustrie und Einzelhandel abgelehnt. Mehr als die Hälfte der beteiligen Firmen und Verbände, darunter große Branchenverbände, stiegen kurz vor dem Start aus dem Projekt aus. Adidas, Aldi, Lidl, Kik, H&M, Puma, C&A und die Otto Group waren zunächst nicht mit an Bord. Auch der Gesamtverband Textil und Mode und der Einzelhandelsverband HDE wehrten sich und waren zunächst nicht mit dabei. Doch Minister Müller blieb hart, und sagte:
„Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Tod durch Chemikalien – das ist nicht verhandelbar. Und 15 Cent pro Stunde und sofortige Kündigung bei Schwangerschaft sind menschenunwürdig.“

AKTIONSPLAN BÜNDNIS FÜR NACHHALTIGE TEXTILIEN
AKTIONSPLAN
BÜNDNIS FÜR NACHHALTIGE TEXTILIEN 2015 – Quelle: www.bmz.de

Der AKTIONSPLAN BÜNDNIS FÜR NACHHALTIGE TEXTILIEN (PDF-Link 12 Seiten) brachte im Juni 2015 die Wende: über 100 große Konzerne und Verbände traten dem Textilbündnis bei. Der Durchbruch zu einer weltweiten Initiative war geschafft.

Weltweite Textilwirtschaft -Schlüssel für Kooperation und Entwicklung

Weltweit arbeiten mehr als 60 Millionen Menschen in der Textilindustrie, die meisten von arbeiten zu geringen Löhnen ihnen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Hier ist Bekleidungsbranche oftmals eine Brückenindustrie auf dem Weg von einer Agrar- zur Industriewirtschaft. Die Textilbranche ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, der maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt, und heute auch ein Schlüssel für eine stabile Zukunft. Doch Produktions- und Arbeitsbedingungen entsprechen überwiegend noch nicht internationalen Umwelt- und Sozialstandards.

Deutschland ist für viele Länder ein wichtiger Handelspartner und Importeur von Bekleidung und Textilprodukten. Beim Import von Textilien und Bekleidung nimmt Deutschland die 2. Stelle hinter den USA ein. Bei den Importen hat Asien mit mehr als 50 Prozent den größten Anteil, gefolgt von Mitgliedstaaten der Europäischen Union mit ca. 30 Prozent sowie den übrigen europäischen Ländern. China, die Türkei sowie Bangladesch zählen zu den wichtigsten Lieferländern für den deutsche Textil- und Bekleidungsmarkt.

BMZ Sonderseite Textilwirtschaft
BMZ Sonderseite Textilwirtschaft: Die zehn wichtigsten Exportländer für Textilien – Screenshot www.bmz.de

Deutschlands Politik für Zusammenarbeit und Entwicklung

Die deutsche Politik für Zusammenarbeit und Entwicklung verfolgt eine breit angelegte Strategie, die wirtschaftliche Akteure einbindet, internationale Standards vorantreibt, und den Dialog mit Partnerländern fördert.
Der Ansatz „Wirtschaft als Partner – Zivilegesellschaft fördern – Verbraucher aufklären“ sorgt auch für den großen Erfolg des Textilbündnis, weil bisherige Gegensätze und Konfrontationen schrittweise aufgelöst werden.

Deutschland setzt sich dafür ein, dass internationale Entwicklungsorganisationen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) als wichtige Partner bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den asiatischen Produktionsländern der Textilindustrie mitwirken. Im Mai 2014 haben das BMZ und die ILO eine Kooperationsvereinbarung zur Förderung von ILO-Programmen in der asiatischen Textil- und Bekleidungsindustrie unterzeichnet. Im Mittelpunkt dieser Programme stehen die Stärkung von Gewerkschaften, die Förderung des Dialogs von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie die Durchsetzung existenzsichernder Löhne.

Besonders der Dialog mit Partnerländern wird vom BMZ gefördert und in den Partnerländern mit vielfältigen Programmen zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards unterstützt. Im Bereich der Textilwirtschaft sind zum Beispiel Bangladesch, Pakistan und Kambodscha wichtige Partnerländer, die nicht immer auf dem ersten Blick im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen.

Sonderseite Textilwirtschaft des BMZ – Sozial- und Umweltstandards

Das Internetangebot des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat auch einige informative Webapps im Programm. Die Sonderseite Textilwirtschaft liefert grunlegende Einblicke in das weltweite Thema „Bündnis für Nachhaltige Textilien“. Auch wichtige Tipps für den verantwortungsvollen Kleidungskauf werden gegeben:

„Achten Sie auf Gütesiegel, die die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards bestätigen. Auf der Website www.siegelklarheit.de können Sie sich über die in der Textilindustrie verwendeten Siegel informieren.“

Das Internetangebot wurde vom Programm „Sozial- und Umweltstandards“ der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Eschborn ins Leben gerufen, und zählt zu einem der wichtigsten „Leuchtturmprojekte“ der deutschen Nachhaltigkeitstrategie.
Das Projekt stützt sich auf die enge Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, insbesondere mit dem International Trade Center (ITC) und der ISEAL Alliance. Die ISEAL Alliance ist eine Mitgliedsorganisation für vertrauenswürdige und innovative Nachhaltigkeitsstandards.

Das ITC ist eine Unterorganisation der Welthandelsorganisation (World Trade Organization-WTO ) und der UN Konferenz für Handel und Entwicklung ( United Nations Conference on Trade and Development – UNCTAD ).

Die deutsche Politik für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verschafft sich mit der Gesamtstrategie zunehmend Ansehen und gemeinsame Erfolge mit den weltweiten Partnern. Viele kleine Projekte, Produktentwicklungen und lokale und regionale Programme und nationale Programme lassen sich so zu einer globalen Nachhaltigkeitsstrategie zusammen setzen.

Eine kooperative Strategie, die übrigens keine Einbahnstraßen, sondern auch Begegnungen, Anregungen und Handel und Wandel bewirkt.

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a/m