Dienstag, 12. Dezember 2017
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Europa – eine Phrasendreschmaschine?

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Das Thema Europa beschäftigt viele Köpfe! Alle sind betroffen – doch für einen Neustart reicht irgendwie die Kraft nicht.

Die großen Vereinfacher und Populisten haben wieder in Europa Boden gewonnen. Ob CSU mit ihrem unsäglichen „Wer betrügt, fliegt!“, die aus einem gastfreundlichen Land ein „verdachtsfreundliches Land macht“ – Oder der antidemikratische Viktor Orban, der Ungarn um Jahre zurückwift – dem Land, das zuerst den Eisernen Vorhang öffnete.
Auch die eurokritische AfD und die antieuropäischen Reflexe des britischen Premiers David Cameron scheinen diesen Zeitgeist zu bündeln.

Die wie soll Europa neu gestartet werden? Auf ZEITonline gibt es eine Serie, die schon einige lesenswerte Beiträge und Kommentare gebracht hat. Heute war es wieder einmal soweit, für eine intelligenten Denanstoß:

„Europa hat sich in einer Krise der Unsagbarkeit verlaufen. Was Sprechhaltung, Worte, Überbau angeht, scheint nichts, aber auch gar nichts übrig, das nicht bald wie seine eigene Dauerwiederholung wirkte. Mit einem ermattenden Set an immer Gleichem wird im Namen Europas geklagt, herbeigesehnt, imaginiert, festgezurrt, wieder verworfen oder noch einmal im Archiv gekramt. Was Europa war, ist, sein könnte, was es sollte, müsste, dürfte, dazu haben sich über zähe Dekaden hinweg gewaltige Diskursbrocken gebildet. Wortgeröll, das nunmehr so lange herumliegt, dass es mittlerweile automatisch zum Weltkulturerbe zählen müsste.“

Nina Pauer bringt ihr Unbehagen in einem Beitrag auf den Punkt:

Schwerpunkt: Neustart für Europa
Mantras und Mahnungen

„Dieser Kontinent ist zur Phrasendreschmaschine verkommen. Und nun?“

Nina Pauer stimmt vor allem die Lage der jungen Generation bedenklich:

„Nein, wer zu Europa frisch nachdenken will, dem wird es nicht leicht gemacht. Insbesondere für Nachwachsende gibt es kaum eine Art, ungezwungen, das heißt auch: nicht zu Tode gelangweilt, über ihre geteilte Heimat zu sprechen. Als Gesprächsthema ist Europa für sie unwahrscheinlich geworden, eine Pflichtübung aus Mantras, Mahnungen, Müdigkeiten, die es zu ertragen gilt, ohne innerlich beteiligt zu sein.“

Sie fragt nach der Zukunft Europas – und sieht den Eurovision SongContest als eine der wenigen Möglichkeiten, in denen Europa sich ausdrückt:

„Unbeirrtes Singen, frenetisches Gejubel über Liebe und Heimat, artifiziell, pompös, getränkt von zu viel Wollen. Ein Ort, an dem sich alle treffen, Jahr für Jahr. Ratlos, euphorisch, ohne Worte.“

Europa braucht eine neue Erzählung, und erst diese bringt auch eine neue Politik hervor, so das Fazit nach dem Lesen des Beitrags. m/s

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m/s