Samstag, 19. August 2017
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Klima in Deutschland 2015

Fakten zum Klimawandel:
Klima in Deutschland 2015

Planet Erde

Der Streit um den Klimawandel wird von politisch interessierter Seite neu entfacht. Extreme Positionen und Lobby-Positionen sorgen in der Öffentlichkeit für Verwirrung und Desinformation. In einer Reihe von Beiträgen werden von der Redaktion der Pankower Allgemeine Zeitung Fakten zum Klimawandel zusammen getragen, die ein übersichtliches und geordnetes Bild über einen überaus komplexen Themenbereich geben – in dem die Forschung auch mit Klima-Simulationen und Erdsystemmodellen um das Verstehen der Klimaprozesse sucht.

Planet Erde
Planet Erde: natürlicher und anthropogener Klimawandel setzen Bedingungen für alle Lebewesen – Foto: NASA

Die Artikel-Reihe ist als Forschungsreise angelegt, die zu wichtigen anerkannten Institutionen und Forschungsinstitutionen führt, die sich mit wichtigen Teilaspekten oder ganzheitlichen System-Simulationen befassen.

Am Beginn steht eine altehrwürdige Institution, der 1952 gegründete Deutsche Wetterdienst (DWD), der als „teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts“ dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur untersteht. Der DWD ist seit 1954 Mitglied der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). 1975 wurde das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage in Reading gegründet, um Vorhersagen von bis zu zehn Tagen zu erstellen.

Im Jahre 1990 integrierte der DWD den Meteorologischen Dienst der Deutschen Demokratischen Republik. Mit Zentrale in Offenbach am Main ist der DWD der nationale meteorologische Dienst der Bundesrepublik Deutschland, der meteorologische Dienstleistungen (Wettervorhersage) für die Allgemeinheit oder einzelne Nutzer, wie zum Beispiel die Schifffahrt, die Landwirtschaft oder die Wissenschaft erbringt. Der DWD betreibt darüber hinaus im Auftrag des Bundesinnenministeriums den Informationsverbund der Bundesverwaltung (IVBV) – unterstützt durch Verizon und secunet.

Der Deutsche Wetterdienst berichtet alljährlich im Frühjahr auf seiner Klima-Pressekonferenz über die Klimaentwicklung des Vorjahres und gibt einen Überblick über die langfristige Klimaentwicklung seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Am 8. März 2016 gab der DWD den neusten Überblick.

Klimabilanz: Temperaturendspurt brachte 2015 auf den zweiten Rang seit 1881

„Das Jahr 2015 war mit einer Mitteltemperatur von 9,9 Grad Celsius (°C) in Deutschland gemeinsam mit den Jahren 2000 und 2007 das zweitwärmstes seit Beginn der flächendeckenden Messreihe des DWD im Jahr 1881. Auffällig sei gewesen, so DWDKlimaexperte Dr. Thomas Deutschländer, dass bis Ende Oktober ein Platz auf dem Treppchen nicht absehbar gewesen sei. Erst durch den außergewöhnlich milden Spätherbst mit Temperaturrekorden im November sowie im ersten Wintermonat Dezember sprang das Jahr im Ranking bis Ende November vom bis dahin 16. auf den 6. und vier Wochen später schließlich noch auf den 2. Platz. In diesen beiden Monaten lag die Temperatur um 3,5 Grad und 5,7 Grad über den vieljährigen Mittelwerten. 2015 gab es außerdem einen neuen Hitzerekord für Deutschland. Gleich zweimal wurde in Kitzingen im vergangenen Sommer 40,3° C registriert: am 5. Juli und am 7. August.“

Klima in Deutschland 1881 - 2015
Klima in Deutschland 1881 – 2015 – Grafik: DWD

In Deutschland waren 23 der insgesamt 25 Jahre seit 1991 zu warm

Die Auswertung der DWD-Klimastatistik für Deutschland zeigt: Seit 1881 hat sich das Land um insgesamt 1,4 Grad erwärmt (Abb. 2) Mit 2015 waren nun bereits 23 der insgesamt 25 Jahre seit 1991 zu warm – verglichen mit der internationalen Referenzperiode 1961-1990. Dabei lag die Mitteltemperatur dieser 25 Jahre mit 9,2 °C exakt 1 Grad über dem Wert der Referenzperiode. Deutschländer: „Das ist erlebter Klimawandel.“ In den deutschen Alpen herrschte bis über Weihnachten hinaus akuter Schneemangel. So wurde an der DWD-Station Obere Firstalm in den Schlierseer Bergen auf 1369 m vom 1. November bis 31.Dezember 2015 nur an 13 Tagen eine Schneedecke registriert. Die maximale Schneehöhe betrug dabei gerade einmal 24 cm. Normalerweise wächst die Schneedecke dort von knapp 10 cm Anfang November auf rund 70 cm zum Jahresende an. Auf dem höchsten Berg Deutschlands, der 2964 m hohen Zugspitze, lagen zum Jahreswechsel nur etwa 90 cm Schnee. Im Mittel sind es gut zwei Meter.

Aus klimatologischer Sicht bemerkenswert sei der Verlauf der Niederschläge 2015 gewesen. Bereits ab dem Frühsommer kam es zu einer ausgeprägten Dürresituation. Der 3/4 Grund: Im Winter 2014/2015 waren in Deutschland nur durchschnittliche Niederschläge gefallen. Danach trat insbesondere in der Landesmitte eine extreme Frühjahrstrockenheit mit einem Niederschlagsdefizit von bis zu 70 Prozent auf. Schon Mitte Juni waren viele Böden weitgehend ausgetrocknet. Obwohl deutschlandweit in den Monaten Juli und August fast durchschnittliche Regenmengen von rund 93 und 97 Prozent des Solls auftraten, spitzte sich die Situation weiter zu. So war der Sommer im Süden Deutschlands, später dann auch in den nordöstlichen Landesbereichen, mit Niederschlagsdefiziten von teilweise über 50 Prozent regional sehr trocken. Insgesamt gab es im Sommer 2015 mehr als 20 Tage ohne nennenswerten Niederschlag in ganz Deutschland. Deutschländer: „Unter dem Strich lassen sich die Auswirkungen dieser Witterung zumindest regional nur mit dem Wort Dürre treffend beschreiben.“

Die Klima-Pressekonferenz des Deutschen Wetterdienstes am 8. März 2016 in Berlin veröffentlichte auch die Zahlen und Fakten zum Klimawandel in Deutschland in einem 35-seitigem Dokument:
(pdf-Dokument 35 Seiten. – 2MB – DWD)

Ferner wurden alle Abbildungen in einem weiteren Dokument veröffentlicht.

Weitere Informationen:

Klimawandel – Aktuelle Nachrichten – Link

www.dwd.de

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m/s