Montag, 21. August 2017
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„Beatrice-Zweig-Straße“

Feierliche Straßenbenennung:
„Beatrice-Zweig-Straße“

Atelierhaus von Ruthild Hahne

Pankow bekommt eine Straße mit einem Frauennamen: die Straße 201 im Ortsteil Niederschönhausen wird in „Beatrice-Zweig-Straße“ benannt. Der feierliche Benennungsakt mit Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Bü90/Grüne) findet am Mittwoch, dem 15. Oktober 2014 um 11 Uhr in der Straße 201/Ecke Homeyerstraße anlässlich des 43. Todestages der Namensgeberin, statt.

Beatrice Zweig (geb. am 27. Mai 1892, gest. am 14. Oktober 1971), war Malerin und Ehefrau des bekannten deutschen Schriftstellers Arnold Zweig.

Nummernstraßen – ein Provisorium

Bei der Straße 201 handelt es sich straßenrechtlich um eine sogenannte „Nummernstraße“, die wie zahlreiche andere Straßen in Berlin, nur als provisorisch benannt gelten und allmählich zu benennen sind. Viele davon sind im Stadtgebiet mehrfach vertreten. Allein im Bezirk Pankow existieren gegenwärtig 135 Straßen mit einer Nummernbezeichnung. Ihren Ursprung hat die Benennung in einem Antrag des Frauenbeirats Pankow und dem entsprechenden Beschluss des Bezirksamtes Pankow vom 13. Mai 2014. „Die Benennung unterstützt das Anliegen des Bezirksamtes Pankow, dass Frauen bei der Namenswahl verstärkt Berücksichtigung finden sollen. Zudem wird die Unterrepräsentanz von Frauennamen bei der Benennung von Straßen in Berlin verringert“, schreibt das Bezirksamt in der Pressemitteilung.

Würdige und kluge Namenswahl

Beatrice Zweig wird mit dieser Straßenbenennung ein dauerhaft ehrendes Andenken gesetzt. Die Straße 201 liegt in unmittelbarer Nähe zu dem ehemaligen Wohnort in der Homeyerstraße 13, an welchem Beatrice Zweig seit 1950 bis zu ihrem Tode lebte. Die Straße 201 stellt somit einen direkten topografischen Bezug zur Namensgeberin und ihrer Beziehung zum Bezirk Pankow her.

Straße 201 - Ecke Hohmeyerstraße
Straße 201 – Ecke Hohmeyerstraße – Foto: Günther Haase – Wikipedia CC 3.0

Künstlersiedlung in der Straße 201

Die Straße 201 entstand 1950 auf einem ehemaligen Sandplatz in der Nähe der Schönholzer Heide auf Anordnung der DDR-Regierung. 23 einfache Wohnhäusern mit weitgehend einheitlicher Bauweise wurden von Hanns Hopp entworfen. Die Siedlung diente als Künstlersiedlung. Mit den neuen Häusern sollten bis dahin vor allem im Westen Deutschlands bzw. Berlins lebende Künstler für ein Leben in der DDR gewonnen werden.

Als erste Künstler zogen 1951 die Schriftsteller Erich Weinert, Willi Bredel und der Grafiker und Publizist Herbert Sandberg in die Straße. Später folgten noch der Maler Max Lingner, und die Bildhauerin Ruthild Hahne, deren Atelierhaus auch heute zu besichtigen ist.

Nach dem Tod Erich Weinerts im Jahr 1953 wurde das Viertel um die Straße 201 Erich-Weinert-Siedlung genannt. Die Heinrich-Mann-, Hermann-Hesse-, Homeyer- und Leonhard-Frank-Straße begrenzen das Siedlungsgebiet. Ein Denkmal für Erich Weinert erinnert an die Geschichte. In unmittelbarer Nähe wohnten auch der Sänger Ernst Busch, der Komponist Hanns Eisler, der Bildhauer Theo Balden und der Schriftsteller Arnold Zweig.

Über Beatrice Zweig

Beatrice Zweig, die Frau des Dichters Arnold Zweig, war Malerin und Grafikerin. 1916 hatte Zweig seine Cousine geheiratet – die Ehe sollte über 50 Jahre halten. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor.

Beatrice Zweig lebte und arbeitete lange Zeit an der Seite von Arnold Zweig in Pankow-Niederschönhause in der Homeyerstraße.

Viola Sandberg, heute Galeristin der Galerie F92 im Stadtteilzentrum am Teutoburger Platz, erinnert sich:

„Meine Eltern, Herbert und Eugenie Sandberg waren mit beiden befreundet. Wir trafen das alte Paar Arnold und Beatrice Zweig häufig wenn sie auf ihren täglichen Spaziergängen an unserem Haus in der Homeyerstraße vorbei kamen. Arnold Zweig war schon fast ganz erblindet und so mussten ihm verschiedene Menschen, auch Freunde, u.a. meine Mutter und manchmal durfte auch ich eine Stunde am Tag vorlesen. In seiner Bibliothek im Keller hingen sehr schöne kleine Öl-Bilder von Beatrice Zweig. Später in den 70 Jahren hatte ich mit der schon sehr alten, aber noch rüstigen Dame zu tun, wenn ich für die „kleine galerie pankow “ Ausstellungen von Pankower Künstlern zusammen stellte, an denen sie sich gerne mit einigen ihrer Ölbilder und Radierungen beteiligte.

Es waren meist Pankower Parklandschaften und Villen, oder Blicke auf den Wochenmarkt. Sie bevorzugte kleine Formate, es waren gut gemalte Öl -Bilder und feine Kaltnadelradierungen.

Das Ehepaar Zweig übersiedelte 1919 von Berlin nach Starnberg bei München. Zweigs Schaffensbedingungen verschlechterten sich, da er infolge der kriegsbedingten Entbehrungen an Augentuberkulose erkrankte. Die Krankheit konnte später geheilt werden, verminderte seine Sehfähigkeit jedoch erheblich, so dass er gezwungen war, eine neue Arbeitsmethode zu entwickeln. Alles, was er aus eigenen oder fremden Werken aufnehmen wollte, musste ihm vorgelesen werden – und jederzeit aus dem Gedächtnis abrufbar sein. Er diktierte überwiegend im Liegen, mit geschlossenen Augen, meist pausenlos. Zweigs Prosa wurde im Augenblick des Entstehens gleichsam aufgeführt, deklamiert: sie will gesprochen sein.
Beatrice Zweig starb 1971. Der Sohn Adam Zweig lebt in Zürich (Arzt) und Michael Zweig in Amerika.

Der Nachlaß von Arnold Zweig ist heute in der Akademie der Künste archiviert. Auch von Beatrice Zweig ist ein umfangreicher Nachlass in der Akademie der Künste vorhanden. Allein die Nachlassbibliothek umfasst 298 Bände. Ferner sind von ihr 51 Gemälde und Ölstudien erhalten. Von den 20ern Jahre bis 1970 gibt es ca. 1.000 Zeichnungen und 20 Druckgrafiken.

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