Mittwoch, 22. November 2017
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Flohmarktisierung der Metropole

Flohmarkt auf dem Potsdamer Platz

///Glosse/// – Es war ein angenehmer Maisonntag, mal Sonnenschein, mal Schauerwolken, die Luft war rein und klar. Fotowetter. Der Weg führte per Fahrrad zum Potsdamer Platz. Vormittags ist die Stadtkulisse noch weitgehend störungsfrei abzulichten, so der erste Gedanke. Doch der Potsdamer Platz war mit Buden und Marktständen vollgebaut.

Flohmarkt auf dem Potsdamer Platz
Flohmarkt auf dem Potsdamer Platz am 17.5.2015

Oldthings im Angebot, ein Flohmarkt umgab die berühmte Ampeluhr. Über 50 Flohmärkte gibt es in Berlin, vom typischen Stadtrandmarkt, bis zum Mauerparkmarkt und zum Riesenflohmarkt am Ostbahnhof.

Zum Herrentagswochenende hatte es der Markt von „Oldthing“ für „Kunst Antik & Junges Secondhand“ mitten auf den Potsdamer Platz geschafft.

An insgesamt vier Tagen bekamen Berliner und Hauptstadttouristen Trödel mitten in der Metropole präsentiert. Sonne und trockenes Wetters sorgten dafür, dass viele Marktstände ohne Dachplane aufgestellt wurden. Der optische Eindruck ähnelte eher einem Not-Aufnahmelager, als einen Trödelmarkt. Die Dimensionen zwischen Hochhaus und Marktständen klafften unerträglich auseinander.

Flohmarkt auf dem Potsdamer Platz
Flohmarkt auf dem Potsdamer Platz am 17.5.2015

Zentraler Ort und Symbolort der Metropole

Der Potsdamer Platz wird gern mit dem Times Square in New York verglichen. Beide zentralen und berühmten Plätze New Yorks und Berlins sind durch ihre Symbolkraft für die Städte von besonderem öffentlichen Interesse. Dort fokussieren sich sowohl das Selbstverständnis der Städte als auch die Identifikation ihrer Bewohner.
Ziel der Wiederbebauung des Potsdamer Platzes war einmal das zukünftige „Neue Berlin“. Wurde die Neubebauung mit den markanten Hochhäusern anfangs noch als Stadt im der Stadt empfunden, so hat sich das Quartier am Potsdamer Platz durch die Mischung aus Arbeiten, Wohnen, Einkaufen, Unterhaltung und Kultur zu einem der großen Anziehungspunkte der Metropole entwickelt.

Flohmärkte als Lückenfüller?

Doch ein großer Stadtplatz muß auch inszeniert und bespielt werden. So finden auch hier die üblichen jahreszeitlichen Feste wie Weihnachten ihre angemessenen Marktangebote, mit Weihnachtsartikeln, Geschenken und Schlemmerreien.
Doch über das Jahr herrscht an viele Tagen Flaute. Und manche Citymanager scheinen die architektonisch geplante Leere und die städtebaulichen Dimensionen nicht aushalten zu können.

Wenn ein traditioneller Festanlass fehlt, wird es schwer, Stadt und zentrale Orte neu zu inszenieren. „Flohmärkte gehen immer“, so scheint die Devise zu lauten. Sie scheinen so etwas wie ein idealer Lückenfüller zu sein, denn die Marktstandbetreiber machen immer ein Geschäft. Die jeweilige Standmiete muß unabhängig von der Zahl der Besucher gezahlt werden werden, auch wenn die Händler dabei Verlust machen.

Ungezählt bleibt auch der Schaden, wenn das Stadtbild und das Stadtimage eines zentralen Symbolortes beschädigt werden. Einem eher beiläufig und zufällig platzierten Markt fehlt es nicht nur an an Flair und Marktkultur – sondern auch an tragfähigen Ideen.
Die traditionellen und gut gepflegten Flohmärkte am Mauerpark, auf der Straße des 17.Juni und andere regelmässige Märkte locken ein interessiertes Publikum, weil man sie in immer wiederkehrenden Öffnung-Zeiten, z.B. an Wochenenden finden kann.

Sie passen sich den Orten an, und das Publikum stellt sich ein – aus Markttreiben wird auch so etwas wie eine eigene Marktkultur.

Als Lückenbüßer taugen Flohmärkte offenbar nicht, ein interessiertes Zielpublikum kann sich so nicht aufbauen.

Die „Flohmarktisierung der Metropole“ wird zum lästigen Phänomen, unvermeidbar vielleicht in der Stadt. Aber bitte nicht an zentralen Orten und nicht auf dem Potsdamer Platz!

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