Mittwoch, 18. Oktober 2017
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Frankreich ehrt Leiterin der SCHAUBUDE

Silvia Brendenal

Die langjährige künstlerische Leiterin der SCHAUBUDE BERLIN, Frau Silvia Brendenal, wurde für ihre außerordentlichen Verdienste um die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich geehrt.

„In Anerkennung ihrer außerordentlichen Verdienste um die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich“ … wurde sie vom französischen Kulturminister, Herrn Frédéric Mitterrand, zum „CHEVALIER DE L’ORDRE DES ARTS ET DES LETTRES“ (Ritter des Ordens für Kunst und Literatur) ernannt.“ dies verlautete in dieser Woche aus der französischen Botschaft in Berlin.

Silvia Brendenal
Silvia Brendenal

Der Orden gehört zu den vier höchsten ministeriellen Orden der Französischen Republik. Mit dieser Auszeichnung würdigt das Ministerium für Kultur und Kommunikation Persönlichkeiten, … „ die sich auf außergewöhnliche Weise durch ihr Wirken im künstlerischen bzw. literarischen Bereich oder durch ihren Beitrag zur Stärkung der Ausstrahlungskraft der Kultur in Frankreich sowie weltweit verdient gemacht haben.“

Chevalier d'ordre des arts et lettres
Chevalier de l’ordre des arts et des lettres

Silvia Brendenal wurde 21.03.1949 geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach ersten Engagements als künstlerische Mitarbeiterin am Theater der Jungen Generation Dresden und als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin am Puppentheater Berlin arbeitete Silvia Brendenal von 1980 – 1991 als Redakteurin und Kritikerin bei der renommierten Fachzeitschrift „Theater der Zeit“ in Berlin. Von 1992 – 1997 war sie Direktorin des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst Bochum und Künstlerische Leiterin des internationalen Figurentheaterfestivals FIDENA in Bochum.
Silvia Brendenal ist auch Redaktionsmitglied des Magazins für Puppen-, Figuren- und Objekttheater “double“, und der internationalen UNIMA-Fachzeitschrift „e pur si mouve!“. Weiterhin war sie Mitglied der Jury des Weltfestivals UNIMA 2000 (Deutschland), Mitglied der Jury für die Vergabe des Preises „Grünschnabel“ (Schweiz). Bekannt ist sie auch als künstlerische Leiterin des internationalen Objekttheaterfestivals THEATER DER DINGE und anderer internationaler Festivals des Jungen Puppen-, Figuren- und Objekttheaters, veranstaltet von der SCHAUBUDE Puppentheater Berlin.

Seit 1997 ist Silvia Brendenal die künstlerische Leiterin der SCHAUBUDE Berlin.

Die Spielstätte am Rande des Prenzlauer Berg, unmittelbar am S-Bahnhof Prenzlauer Berg, war bis 1991 als Puppentheater Berlin das einst das größte Ensemble-Puppentheater der DDR. 1991 wurde es abgewickelt.
Der Berliner MagiSenat (die Übergangsverwaltung aus Ostberliner Magistrat und Westberliner Senat) hatte bei der Abwicklung des Staatlichen Puppentheaters Berlin versprochen, das Haus mit anderer Konzeption weiter zu betreiben.
Unter dem Berliner Kultursenator Roloff-Momin wurde das abgewickelte Theater wiederbelebt. Im Mai 1993 wurde in seinen Räumen an der Greifswalder Straße Ecke Storkower Strasse „DIE SCHAUBUDE“ als Spielstätte für Puppen- und Figurentheater ohne eigenes Ensemble eröffnet.
Gründungsdirektor des Hauses war Dr. Gerd Taube, der das Theater bis 1997 leitete. Nach seinem Weggang nach Frankfurt am Main, als neuer Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland, übernahm Silvia Brendenal die Künstlerische Leitung.
„Die Schaubude, Puppentheater Berlin präsentiert die besten künstlerischen Leistungen des Berliner, des bundesdeutschen und des ausländischen Puppen- und Figurentheaters, womit das gegenwärtige künstlerische Niveau dieser Kunst repräsentiert werden soll.“ So stand es in dem Theaterkonzept von Dr. Gerd Taube – und seine Nachfolgerin setzte die begonnene Arbeit fort.

In den Anfangsjahren bestimmten vor allem die künstlerischen Konzeptionen der gastierenden Theater das Profil des Hauses. Aber mit zunehmenden Eigen- und Koproduktionen wurde das künstlerische Profil geschärft. Es entstand eine erlesene, außergewöhnliche Unverwechselbarkeit des Spielortes.
„Es gehe Ihr darum, einen künstlerischen Ort zu schaffen, der nicht alle gleichermaßen bedienen, sondern sein eigenes Profil entwickeln will“, sagte Silvia Brendenal in einem Interwiew 1993. Heute strahlt das Theater als Leuchtturm der Berliner Theaterlandschaft weit über Berlin hinaus.

Zu ihren Ideen gehörte es, Aufführungn in deutscher, französischer und italienischer Sprache zu spielen (Passion der Schafe, 2008). Auch Stücke wie „Les éléphants n‘oublient jamais… – Elefanten vergessen nie“ gehören heute zum gemeinsamen kulturellen Gedächtnis von deutschen und französischen Theatermachern und Publikum.
Als einziger Veranstalter von nationalen und internationalen Gastspielen des Puppen-, Figuren- und Objekttheaters in Berlin mit eigener Spielstätte und kontinuierlichem Kinder- und Abendspielplan, richtete Silvia Brendenal immer wieder auch den Blick nach Frankreich.
Mit dem sich quer durch Europa ziehenden künstlerischen Netzwerk SONE (Sud-Ouest, Nord-Est) schuf sie als künstlerische Leiterin viele Möglichkeiten zur Begegnung und Zusammenarbeit von Künstlerinnen und Künstlern, die auch international Beachtung fanden.

Ihr großes Verdienst ist es auch, das Puppentheater aus der Tradition des „Kasperletheaters“ mit „Kasper, Punch und Pulcinella“ und „alten Hau-Drauf-Stücken“ in ein modernes, zukunftsweisendes „Puppen-, Figuren- und Objekttheater“ neu zu verwandeln.

Die SCHAUBUDE BERLIN präsentiert heute ein breites Spektrum von klassischen bis experimentellen Inszenierungen, die von der künstlerischen Ausdruckskraft des Spiels mit den Dingen – der Puppe, dem Objekt, dem Material … leben.

Als Veranstalter und als Produktionsort von Festivals – etwa wie dem Internationalen Festival des jungen Puppen-, Figuren- und Objekttheaters „VERSUCHUNG“ – oder von Koproduktionen, thematischen Projekten, Sondergastspielen, Symposien ist die SCHAUBUDE inzwischen unersetzlich geworden. Mit den alljährlich stattfindenden „Tage der Hochschule“ der Abteilung Puppenspielkunst der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ ist der Spielort auch Probebühne und Startrampe für den künstlerischen Nachwuchs.

Die „SCHAUBUDE BERLIN – Theater Figuren Puppen Objekte“ ist heute für junge Theatermacher und ein treues Publikum eine immer neue „VERSUCHUNG“ geworden – und an vielen Abenden im Jahr ausverkauft. Nicht nur Frankreich hat Silvia Brendenal zu danken! m/s

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m/s