Sonntag, 20. August 2017
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Freilichtbühne Weißensee sucht neuen Betreiber

Freilichtbühne Weissensee

Das Land Berlin, vertreten durch den Bezirksamt Pankow, sucht einen neuen Betreiber für die Freilichtbühne Weißensee und hat ein Interessenbekundungsverfahren ausgelobt.

Die Freilichtbühne liegt am nördlichen Ufer des Weißen Sees und zählt zu den beliebtesten Parkbühnen und Spielorten für Musik- und Kinoveranstaltungen in Berlin. Sie wurde 1955 neu angelegt, als der Park am Weißen See grundlegend saniert wurde. Die Freilichtbühne entwickelte sich in den 70er und 80er-Jahren zum Mekka für Open-Air-Konzerte in Ost-Berlin. Bands wie City, Karat, Silly oder die Puhdys traten hier auf. 37 Jahre lang wurden hier regelmäßig Spielfilme unter freien Himmel gezeigt. 1993 war damit für sieben Jahre Schluss. 1994 investierte der damalige Bezirk Weißensee über eine halbe Million DM für ein neues Dach. Als jedoch die Bühne ihr neues Dach erhielt, wurden die Masten, zwischen denen die Leinwand gespannt war, abgerissen. Statische Sicherheits-Probleme verhinderten danach einen erneuten Leinwandbetrieb.

Freilichtbühne Weissensee
Freilichtbühne Weißensee / Foto: Bezirksamt Pankow

Die Freilichtbühne wurde danach als reine Konzertbühne genutzt. 1996 gaben hier die Puhdys hier ihr einziges Berlin-Konzert. Viele ostdeutsche Rock-und Punkbands traten hier auf.
Unter den Konzertereignissen wurden die „Taschenlampenkonzerte”, der „Band Rumpelstil” stilprägend – eine Idee die an diesem Ort entstand. Die Zuschauer, darunter viele Kinder, werden dabei aufgefordert, das Konzert mit Taschenlampen zu unterstützen. Das erste Taschenlampenkonzert fand 1998 in der Freilichtbühne Weißensee statt. Weitere Konzerte fanden zuerst für nur einige hundert Zuschauer statt. Aber später wurde daraus ein Massenereignis: 2009 in der Berliner Waldbühne besuchten 16.000 Zuschauer das Konzert von Rumpelstil.

Zum Weißenseer Blumenfest im Jahr 2000 konnte die alte Kino-Tradition wieder aufleben. Der Bezirk Weißensee hatte die 30.000 € Mehrkosten für neue Stützmasten zur Sicherung der Leinwand gegen Windangriff investiert.
Es gab auch ein paar legendäre Konzerte, wie etwa 2002, anläßlich des 40. Geburtstages von Dirk Zöllner, als ein einmaliges Sonderkonzert der Bigband vor 2.500 begeisterten Fans gefeiert wurde. Auch das Gedenkkonzert 2003 von Gundermanns Seilschaft zum 6. Todestag des zur Kultfigur avancierten „Rockpoeten & Baggerfahrers” Gerhard „Gundi” Gundermann bleibt in guter Erinnerung.

Das Bezirksamt Pankow mußte jedoch aus Kostengründen die Bühne 2004 an einen privaten Betreiber übergeben.
Die denkmalgeschütze ‚Freilichtbühne am Weißensee‘ wurde seit 2004 an die ‚K&K Kino und Konzerte‘ verpachtet, die auch das Kino Babylon in Berlin-Mitte und andere Open Air-Bühnen betreibt.

In der Saison 2004 gab es täglich Kinoaufführungen und wieder auch vereinzelt Konzerte. Nina Hagen und Gerhard Schöne und andere traten auf. Auf eine Reporterfrage nach der Größe von „nur” 3000 Sitzplätzen antwortete damals Nina Hagen: „Was heißt hier klein? In jeden Kindergarten passen ein paar Kinder. Und wo gesungen wird, da lass dich ruhig nieder. Außerdem ist es eine wunderschöne Ecke.”

Eine Lärmschutz-Klage ruhebedürftiger Anwohner im Jahr 2005 gegen das Bezirksamt Pankow, erschwerte jedoch fortan jeden Veranstaltungsbetrieb. Geklagt wurde gegen auch gegen die Praxis der bezirklichen Ausnahmegenehmigungen.

Bei Veranstaltungen muss nun der Ton auf eine zugelassene Lautstärke eingepegelt werden. Schon das Klatschen von 3000 Zuschauern überschreitet die gerichtlich bestätigten Richtwerte. Die hinteren Sitz-Reihen wurden deshalb bei den Kinovorführungen durch ein Absperrband markiert, damit man sich auf die vorderen Sitzplätze orientiert, bei denen die optimale Lautstärke eingestellt ist. Nur noch 200-300 Zuschauer konnten die Filmvorführungen akustisch gut hören – zu wenig für einen wirtschaftlichen Betrieb.

Geschäftsführer Timothy Grossmann mußte dazu akzeptieren, nur noch an vier Abenden in der Woche Filme zeigen zu können: Dienstag, Mittwoch, Freitag – Samstag. Ferner waren nur noch sechs Konzerte im Sommer erlaubt.

Trotz dieser Einschränkungen konnte der Betreiber noch viele erfolgreiche Veranstaltungen organisieren. Zu den Höhenpunkten zählte z.b. das Gedenk-Konzert von Silly, „A Tribute to Tamara Danz” zu ihrem 10. Todestag am 22.07.2006.

2007 feierten die drei christliche Gemeinden in Weißensee erstmal ein „Fest der Kirchen“ am Pfingstwochenende Ende Mai, das unter der Schirmherrschaft von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse stand.

Auch Reinhard Lakomy und seine Waldgeister begeistern alljährlich Kinder und Eltern mit Geschichtenliedern zum „Traumzauberbaum“ auf der Freilichtbühne. „Moosmutzel“ und „Waldwuffel“ begingen hier 2011 ihr 30jähriges Bühnenjubiläum.

Bei einem auf nur noch 2 Monaten eingeschränkten Veranstaltungsbetrieb im Jahr waren Erhaltungs-Investitionen nicht möglich. Auch die Gelder für erforderliche Werbemaßnahmen wurden nicht erwirtschaftet. Inzwischen besteht für die Freilichtbühne und ihre Nebengebäude und WC-Anlagen hoher Sanierungsbedarf.

Deshalb wird nach neuen Ideen für den Veranstaltungsbetrieb und ein neuer Betreiber gesucht. Das Interessenbekundungsverfahren ist bewußt offen gehalten – und beinhaltet noch keine verbindliche Ausschreibung.

„Die Interessenten sind aufgefordert, ein innovatives Nutzungskonzept, einschließlich Lärmschutz- und Finanzierungskonzept, unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an eine openair-Bespielung vorzuschlagen, die den Standort für die Kultur in Pankow erhalten, profilieren und für das umliegende Wohngebiet wie stadtweit ein geeignetes Angebot gewährleisten.”

Interessenten werden aufgefordert, ihre Interessenbekundung unter Beifügung der geforderten Unterlagen bis zum 10.08.2012
an folgende Anschrift zu richten:

Bezirksamt Pankow von Berlin
Abteilung Jugend und Facility Management
Serviceeinheit Facility Management
-Immobilienverwaltung-
Stichwort „Freilichtbühne”
PF 730113
13062 Berlin

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m/s