Sonntag, 19. November 2017
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Generation Y: unglücklich in Berlin

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Laura Hofmann schreibt in der Berliner Zeitung über die junge Generation in Berlin. Ihr Beitrag trägt den etwas sperrigen Titel:

Die Generation Y in Berlin ist Single und unglücklich
Laura Hofmann | 16.6.2015 | Berliner Zeitung

Der Teaser-Text lockt in eine phänomenologische Betrachtung hinein:

„Berlin wird oft als Stadt der ewigen Singles beschrieben. Feste Partnerschaft? Zusammenziehen? Ist in Berlin eher verpönt. Hier soll Mann oder Frau lieber flexibel bleiben – für den nächsten Flirt, den nächsten Job oder die nächste Stadt. Doch macht das glücklich?“
Und dann taucht sie ein, in die Welt der „Generation Y“ der etwa 23- bis 35-Jährigen, und die aktuell angesagte Kultur erotischen Schwarmverhaltens in der Metropole.

Es ist die Single-Kultur, die scheinbar eine Dominanz ausübt, eine Hegemonie in den Köpfen erzeugt, sich gegen feste Beziehungen zu entscheiden.

Es ist das flirrende Leben der Hauptstadt, in dem inzwischen auch seriöse Tageszeitungen Kommentatoren für „Polyamorie“ schwärmen lassen:

Sex in Berlin
Liebe? Langweilig!
Martin Niewendick | 18.04.2015 | TAGESSPIEGEL

Doch irgendwie will die Autorin nicht recht glücklich sein. Sie meint: “ Paare können langweilig sein und sind oft nicht die besten Begleiter, um nachts um die Häuser zu ziehen. Und ich selber neige zur Pärchen-Sofa-Netflix-Rotwein-Starre.“

Und sie macht sich Sorgen: „Wenn Single-Sein in Berlin die Norm ist, schließt das die aus, die mutig genug sind, es miteinander zu versuchen und durchzuhalten. Und die, die sich heimlich nach Zweisamkeit sehnen.“

Die Autorin kratzt damit aber nur an der phänomenologischen Oberfläche, denn längst beteiligen sich sozioökonomische, heimlich wirkende Regeln an der Lebensgestaltung.

Blicken junge Frauen noch optimistisch ins Leben hinein, wenn sie sich auf ihren Traumpartner zubewegen – so stürzen sie oft nach gescheiterten Beziehungen als Alleinerziehende ökonomisch und psychologisch ab. Auch Männer erleiden Folgen – doch die werden meist still verarbeitet.

Das Unglück ist da, wenn Menschen aus gescheiterten Beziehungen zu „Alleinerziehenden“ werden, und danach jede neue Beziehung zu Zwangskontakten mit Jobcenter und Wohngeldstellen führt.

Die Politik hat es übersehen: aber die Freiheit zur Bindung und neuen Bindung ist eingeschränkt. Psychologisch – und ökonomisch. Vor allem Frauen in Kreativberufen leiden darunter, und ihre Kinder. Ein sozialer Mißstand, der hinter aller Phänomenologie der Partyhauptstadt lauert.

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m/s