Donnerstag, 14. Dezember 2017
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Künstlerische Fotografie in der DDR

FDJ-Pfingsttreffen 1989 im Stadion der Weltjugend / Foto: Jens Rötzsch

Heute eröffnete die Berlinische Galerie eine große Ausstellung zur künstlerischen Fotografie in der DDR. Zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer arbeitet diese erste umfassende Schau Traditionslinien und fotografische Strömungen heraus und macht Veränderungen in Bildsprache und Themen sichtbar. Gestaltet wurde die Ausstellung von der Medienagentur ARTEFAKT aus Prenzlauer Berg. Die Ausstellungsarchitektur stammt von David Saik.

FDJ-Pfingsttreffen 1989 im Stadion der Weltjugend / Foto: Jens Rötzsch
FDJ-Pfingsttreffen 1989 im Stadion der Weltjugend / Foto: Jens Rötzsch

Die Bildauswahl der Überblicksausstellung in der Berlinischen Galerie zielt darauf, den spezifischen Charakter des jeweiligen fotografischen Werkes, seine künstlerische Motivation und Bildsprache nacherlebbar zu machen. Gezeigt werden um die 250 Fotoarbeiten von 34 Autoren, welche die gesellschaftliche Situation der DDR kritisch reflektieren.

Gegliedert ist die Ausstellung in einen Prolog und drei Kapitel.

[Prolog: Richard Peter sen., Karl Heinz Mai] Der Prolog zeigt zwei signifikante Bildserien von Richard Peter sen. und Karl-Heinz Mai, die einen atmosphärischen Eindruck der Zeit vom Ende des Dritten Reiches 1945 bis zur Gründung der DDR 1949 vermittelt.

[Realität-Engagement-Kritik: Arno Fischer, Ursula Arnold, Evelyn Richter, Roger Melis, Sibylle Bergemann, Christian Borchert, Ulrich Wüst, Gundula Schulze Eldowy, Matthias Hoch, Erasmus Schröter, Jens Rötzsch] Das erste Kapitel beschäftigt sich zuerst mit dem Medium Fotografie – zugleich erzählt es viel über das Alltagsleben in der DDR. Die zahlenmäßig umfangreichsten Strömung der sozial engagierten Fotografie prägt dieses Kapitel. Fotografen, die in dieser Tradition arbeiteten, waren an einer wahrhaftigen Schilderung der Wirklichkeit interessiert. Sie suchten in der Realität nach Bildern, mit denen sich Aussagen über die realen gesellschaftlichen Verhältnisse treffen lassen.

[Montage-Experiment-Form: Edmund Kesting, Fritz Kühn, Ulrich Lindner, Lutz Dammbeck, Ernst Goldberg, Micha Brendel, Manfred Paul, Klaus Elle, Klaus Hähner-Springmühl]. Im zweiten Kapitel wird eine Traditionslinie verfolgt, die in den 1950er-Jahren an die Bildsprache der Moderne der 1920er-Jahre anknüpfte, dann aber 20 Jahre lang keine Nachfolge fand. Erst Mitte der 1970er-Jahre widmeten sich Fotografen wieder mehr den formalen und ästhetischen Mitteln ihres Mediums. Die Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen führte auch zu Arbeiten im dreidimensionalen Raum.

[Medium-Subjekt-Reflexion: Helga Paris, Kurt Buchwald, Thomas Florschuetz, Peter Oehlmann, Michael Scheffer, Matthias Leupold, Maria Sewcz, Sven Marquardt, Tina Bara, Florian Merkel, Rudolf Schäfer, Jörg Knöfel] Ein großer Teil der im dritten Kapitel vorgestellten jungen Fotografen brauchte diese Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten, um ihre komplexen Eindrücke und Gefühle besser darstellen zu können. Viele von ihnen hatten mit dem Selbstverständnis der älteren Generationen gebrochen, weil sie mit einem desillusionierten Blick auf die DDR-Gesellschaft sahen. Aus diesem Lebensgefühl heraus und indem sie sich selbst, ihre Körper und ihre Wahrnehmung in den Mittelpunkt der Arbeiten stellten, begannen sie ihre fotografischen Erkundungen.

Die Ausstellung öffnet heute aus enormen zeitlichen Abstand einen Blick auf die Wirklichkeiten in der DDR. Die Berlinische Galerie wird damit zu einem interessanten Erinnerungs- und Gesprächsort.

Das umfangreiche Rahmenprogramm mit Filmangeboten, Künstlergesprächen und einem Symposium namhafter Forscher vom 9. bis 11. November 2012 bietet allen Interessierten die Möglichkeit, tiefer in dieses abgeschlossene Kapitel deutscher Fotografiegeschichte einzudringen.

Weitere Informationen:
Geschlossene Gesellschaft
Künstlerische Fotografie in der DDR 1949–1989
Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin

Öffnungszeiten: Mittwoch-Montag 10:00-18:00 Uhr – Dienstag geschlossen – Eintritt: 8 € / 5 €
(25.12.2012 und 01.01.2013 geöffnet – geschlossen am 24.12. und 31.12.2012)

http://www.berlinischegalerie.de/

http://www.artefakt-berlin.de/

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m/s