Mittwoch, 22. November 2017
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Greenpeace startet Onlineauskunft über Fleischsiegel

Greenpeace warnt mit Aufklebern

Vor Billigfleisch aus Massentierhaltung mit schlimmen Folgen für Tiere und Umwelt warnten Greenpeace Aktivist*innen am 28. Oktober bei Lidl in der Kleiststraße. Fleisch der Lidl Eigenmarke „Landjunker“ wurde mit grellgelben Warnaufklebern beklebt, auf denen „Mit Tierleid“ oder „Mit Antibiotika“ steht.
Die Greenpeace-Protestaktion ist Teil bundesweiter Aktivitäten in mehr als 56 Städten, die sich gegen die Folgen der Billigpreis-Politik von Handelskonzernen richtet. Die Vorwürfe: Tiere leiden millionenfach in deutschen Ställen, zu viel Gülle verschmutzt Felder und Trinkwasser. Besonders gefährlich für Mensch und Biosphäre: der hohe Einsatz von Antibiotika sorgt für immer mehr multiresistente Keime in der Umwelt.

Branchen-Gütesiegel wird in Frage gestellt

Auch die Brancheninitiative „Tierwohl“, mit der sich der Einzelhandel für bessere Haltungsbedingungen einsetzen will, entspricht nicht den Anforderungen des Tierschutzgesetzes. „Lidl brüstet sich mit dem Logo der Initiative Tierwohl. Doch das führt Verbraucher in die Irre. Nur ein Bruchteil der Produkte stammt wirklich aus besserer Haltung“ sagte Delia Baierl von Greenpeace Berlin. „Lidl muss seinen Kund*innen besseres Fleisch garantieren oder über die wahre Herkunft aufklären.“

Ein von Greenpeace in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zeigt, dass die konventionelle Schweinemast gegen das Tierschutzgesetz und somit gegen die deutsche Verfassung verstößt. Das Bundesland Berlin will die gesetzlichen Haltungsbedingungen daher beim Bundesverfassungsgericht überprüfen lassen.

Bisher können Verbraucher*innen bei konventionellem Fleisch nicht erkennen, wie das Tier gehalten wurde. In der Initiative „Tierwohl“ zahlt der Einzelhandel Landwirten mehr Geld für bessere Haltungsbedingungen in der Mast. Der Haken: Lidl wirbt auf Fleischprodukten massiv mit dem „Tierwohl“-Label – unabhängig davon, ob das Fleisch aus schlechter oder besserer Haltung stammt. Dies bemängelt auch das Bundeskartellamt und fordert vom Handel mehr Transparenz. Der Kunde müsse erkennen können, „welches Stück Fleisch nach welchen Tierwohlkriterien hergestellt wurde und ob dies gerade nicht der Fall war“.

Greenpeace startet Onlineauskunft über Fleischsiegel

Lidl lockt die Kund*innen mit extrem billigen Fleischprodukten in seine Filialen. Das hat massive Auswirkungen auf die Produktionsstandards. Um Erzeugerkosten gering zu halten, sparen die Betriebe bei der Tierhaltung. Zahlreiche Label und Siegel geben kaum Aufschluss über die Wahrheit hinter dem billigen Fleisch.

„Die kommende Bundesregierung muss diese Lücke schließen und eine verbindliche transparente Fleischkennzeichnung mit klaren staatlichen Labeln einführen“, so Delia Baierl.

Um mehr Durchblick im privaten Labeldschungel zu erhalten, informiert Greenpeace jetzt verstärkt online über Standards und Defizite bei der Fleischkennzeichnung. Nutzer*innen des Facebook Messengers können sich über die wichtigsten Kriterien von zehn Fleischsiegeln auf dem deutschen Markt schlau machen. Verbraucher*innen können vergleichen, welche Haltungsbedingungen, schmerzhaften Eingriffe und Transportbedingungen von den Anbietern der Siegel erlaubt werden und was das für die Tiere bedeutet.

Weitere Informationen:

www.greenpeace.de/Siegelratgeber

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m/s