Samstag, 21. Oktober 2017
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Grillpläne für den Mauerpark

Grillrauch

/// Glosse /// – Stadtrat Jens-Holger-Kirchner (Bündnis 90/Grüne) ist frisch aus dem Urlaub zurück. Urlaube fern des Alltags inspirieren – und so mancher Urlauber bringt Souvenirs mit. Der bündnisgrüne Stadtrat bringt ein Ideen-Souvenir aus Dänemark mit – und erhofft sich damit presseöffentlich die Lösung eines drängenden Problems im Mauerpark: „Überdachte Grillpavillons!“,

„Mit einem Beton-Sockel oder von einer Mauer umrandet“, so Kirchner. Darüber ein Dach, daneben eine feuersichere Mülltonne. Auch Grill-Roste sollen den Park-Besuchern zur Verfügung stehen.“ – so zitiert ihn die Boulevard-Zeitung BZ.

„Die Berliner grillen leidenschaftlich gerne. Das sollen sie bei uns auch gut können“, sagte der Stadtrat der BZ. „Ein einzelner Grill-Pavillon koste nur wenige Tausend Euro. Kirchner: „Dafür würde man Müll-Beseitigungs-Kosten sparen.“ Bislang brutzeln die Mauerpark-Besucher meist mit Einweg-Grills direkt auf der Wiese. Müll bleibt oft liegen, das Gras wird zerstört.“

Was kümmert es, wenn in einer einzigen Grill-Sitzung 6,7 kg Kohlendioxid in die Atmosphäre ausgestossen werden? Auch die Festlegung des Mauerparks als ökologische Ausgleichsfläche kümmert ihn offensichtlich im Wahlkampf nicht!

Was man in Dänemark auch herausfinden kann: so ein überdachter Grillpavillon erlaubt auch das ganzjährige Grillen. Meisterhaftes kulinarischen Grillen ist in Dänemark so etwas wie ein Volkssport. Auch sind die Dänen Exportweltmeister für moderne „Grilltechnologien“ und „BBQ-Gazebos“.

Dänische Verhältnisse im Mauerpark?

Statt nur an berlinüblichen 24 Sommer-Wochenend-Tagen und rund 100 Sommertagen, kann nach den neuen „Kirchner-Grill-Plänen“ künftig auch zusätzlich an den statistisch gesicherten rund 160 Regentagen gegrillt und „kohlenstoffemittiert“ werden. 260 Tage Grillsaison im Mauerpark – das wird damit möglich.

Die von Kirchner favorisierten Grillpavillions haben sogar vier Feuerstellen.

Statt nur 6,7 Kilogramm CO2 pro Grillsitzung im freistehenden Grill, kann in den geplanten Grillpavillions gleichzeitig die vierfache Menge emittiert werden: 26,8 Kilogramm CO2-Emission pro Grillsitzung.

Nimmt man nur 1 Grillsitzung je Tag an, können an 260 Tagen potentiell bis zu 7 Tonnen CO2 je Grillpavillon und Saison emittiert werden. Bei geplanten 10 Grillpavillions sind also bis zu 70 Tonnen CO2-Emisssionen pro Jahr zu erwarten.

Ökologischer Ausgleich

Zum Vergleich: ein Hektar Wald bindet jährlich etwa 13,82 Tonnen CO2. Ein Hektar Grünfläche etwa 8,5 kg CO2 pro Jahr.

Oder: eine Buche muß etwa 80 Jahre wachsen um 1 Tonne CO2 zu binden. Das heißt: Pro Jahr bindet die Buche 12,5 Kilo des Treibhausgases. 80 Bäume werden also benötigt, um jährlich eine Tonne CO2-Emissionen durch die Bäume zu kompensieren.

Die ökologische Ausgleichswirkung der Grünfläche Mauerpark wird durch die Grill-Nutzung mehr als aufgehoben. Der Mauerpark wird damit zur CO2-Emissionsfläche.

Da Pankows grüner Bezirks-Stadtrat sich zur Klimaneutralität und 50%igen Absenkung der CO2-Emissionen verpflichtet fühlt, wird er sicher auch einen Plan präsentieren, wo er 5.600 neu Bäume pflanzen kann, um seine „Urlaubs-Idee“ ökologisch auszugleichen.

Menetekel

Am kommenden Mittwoch, dem 24.7.2013 soll der Mauerpark südlich der Gleimstrasse um 2 Hektar erweitert werden. Dann wird auch der Zugang an der Lotzingstrasse geöffnet – und erstmals werden tausende Weddinger von dieser Parkseite aus den Mauerpark besuchen. Es ist auch sicher: schon in einer Woche werden regelmässig Dutzende zusätzlicher Grills im Mauerpark aufgestellt. Die mit Grünflächen unterversorgten Weddinger werden den Mauerpark als ihren neuen Grillplatz in Besitz nehmen.

Wie viele Tonnen Grillkohle künftig zusätzlich in den Mauerpark gelangen – das muß mit Besucherzählungen ermittelt werden.

Natürlicherweise müssen dann auch feste Toiletten gebaut werden – „Die beiden Bezirke und der Senat werden sich bald zusammensetzen und alles planen“, sagte Kirchner gegenüber der BZ.

… ob bei den WC-Anlagen moderne CO2-Senkungs-Technologie geplant ist, mit Grauwassernutzung, Harnstoff-Rückgewinnung, Phosphatabscheider und Biogasnutzung – dies wird noch recherchiert! m/s

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m/s